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Fikkefuchs: Böse und hochaktuell Arme Würstchen wären gern große Stecher

Rocky versucht es mit Bildung und der "schönsten Vulva der Kunstgeschichte". Thorben: "Da sieht man ja gar nichts!" (im Bild übrigens das Gemälde "L'origine du monde", "Der Ursprung der Welt", von Gustave Courbet)

Rocky versucht es mit Bildung und der "schönsten Vulva der Kunstgeschichte". Thorben: "Da sieht man ja gar nichts!" (im Bild übrigens das Gemälde "L'origine du monde", "Der Ursprung der Welt", von Gustave Courbet)

(Foto: ©Alamodefilm)

Filmtitel und Kinoplakat erregen Anstoß, einige Städte verweigern die Werbeflächen dafür. Beides verstoße gegen "die guten Sitten". "Fikkefuchs" haut tatsächlich voll drauf und ist nichts für zarte Gemüter. Für andere ist er ein großer doppelbödiger Spaß.

Schon bevor dieser Film ins Kino kam, erregte er Aufsehen und Anstoß – einige Städte weigerten sich, für die Kinoplakate Werbefläche zur Verfügung zu stellen. Der Vorwurf: Das Motiv verstoße gegen "die guten Sitten", sei politisch unkorrekt und sexistisch. Schon ist von einem "Skandalfilm" die Rede.

Die Macher des Films haben den Gegenwind wohl von Anfang an geahnt und den Film per Crowdfunding finanziert. So hatten sie alle Freiheiten – und die haben sie auch genutzt. Denn es geht äußerst explizit zur Sache in "Fikkefuchs". Dieses Wort sagt Thorben (Franz Rogowski," Victoria", "Happy End") in einer Mischung aus bedrohlich und lockend, als er über die Drogeriemarkt-Kassiererin herfällt – schließlich, so sagt er hinterher im Therapiegespräch, hätte sie doch "ihre Avocados" extra in die "Auslage" gepackt, damit er zugreift. Sprich: ihr Dekolletee im Verkaufskittel war zu verlockend und "sie wollte es".

Das Plakat des Anstoßes. (zum Vergrößern klicken) "Fikkefuchs" startet am 16. November im Kino.

Das Plakat des Anstoßes. (zum Vergrößern klicken) "Fikkefuchs" startet am 16. November im Kino.

Thorben sexuell gestört zu nennen, wäre freundlich untertrieben. Er ist ständig auf der Jagd nach jungen, schönen, willigen, "naturgeilen" (sehr wichtig!) Frauen, am besten frisch rasiert. Allein: Seine Jagd verläuft erfolglos - und wen wunderts. Wenn er per Anhalter fährt und die Frau am Steuer fragt: "Darf ich Sie lecken?", fliegt er natürlich raus. Irgendwann kommt er doch an seinem Fahrziel an: bei Rocky (Jan Henrik Stahlberg, "Muxmäuschenstill"), von dem Thorben meint, er wäre sein Vater. Rocky weiß davon nichts und will es auch nicht glauben; er nimmt sich erst nach langer Gegenwehr des verhinderten Frauenflachlegers an. Denn genau das soll er Thorben, den er hartnäckig Torsten nennt, beibringen: wie man Frauen flachlegt. Wie er es schafft, "dass eine Frau Lust bekommt, mit einem wie ihm zu schlafen".

"Der größte Stecher von Wuppertal"

Schließlich war Rocky mal "der größte Stecher von Wuppertal", er hat es also drauf. Beziehungsweise hatte. Mittlerweile fast 50 und mit einer kreisrunden (verdammt ausrasiert aussehenden) Platte am Hinterkopf, macht er zumindest äußerlich nicht mehr viel her und seine Methoden von früher mit den französischen Chansons und dem Klavierspiel ziehen bei den jungen Frauen heute nicht mehr. Denn Rocky ist zwar nicht mehr jung - die Frauen, auf die er aus ist, müssen es aber sein, er ist sich da "treu geblieben. Ich will das Reh, stolz, schüchtern, schwer zu kriegen. Die ausgediente Hirschkuh am Wegesrand" findet nicht sein Interesse. Wenn er allerdings bei jungen Frauen mit der totaaal originellen Frage "Seid ihr aus Asien? Nein? Ich auch nicht! Haha." zu landen versucht, findet er auch deren Interesse nicht, sondern nur ein angewidertes "WTF?!" auf ihren Gesichtern.

Lernbegierig: Thorben und Rocky beim Seminar.

Lernbegierig: Thorben und Rocky beim Seminar.

(Foto: ©Alamodefilm)

Er versucht Thorben die Männer-Frauen-Welt auf die philosophische Art zu erklären (was den intellektuell überfordert). Und "die drei wichtigsten Regeln in der Anmachstrategie" beizubringen: Charme, Humor, Unnachgiebigkeit. Von der Theorie zur Praxis: Die beiden ziehen los, durch die Kneipen, Bars und Clubs von Berlin – und scheitern jämmerlich. Mehr als ein schwerer Alkoholrausch mit der folgenden ekelhaftesten Szene des Films kommt nicht dabei raus – also muss doch professionelle Hilfe her: Sie besuchen ein Seminar. Bei einer Frau namens Wilson, die nicht nur einen Männernamen trägt, sondern auch sonst sehr kerlig auftritt. Eine Frau, die sich "manchmal schämt, eine F... zu haben". Sie zitiert Schopenhauer: "Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt".

Auch Wilson macht mit den Männern den Praxistest in einer Bar - dort sollen sie das Gelernte in die Tat umsetzen. Wer wird hier "einen Stich machen"? Nicht der, von dem man es unbedingt erwartet hat. Überhaupt macht der Film hier einige überraschende Wendungen und dramatische Entwicklungen durch und hat sogar so was wie ein Happy End.

Wilson (r.) mit ihrer Mitarbeiterin: "Der Männliche ist schön und nicht das Weibchen!"

Wilson (r.) mit ihrer Mitarbeiterin: "Der Männliche ist schön und nicht das Weibchen!"

(Foto: ©Alamodefilm)

Fantasie und Realität

Aber das ist fast schon Nebensache. Eigentlich geht es um ganz grundlegende Fragen, die schon lange und derzeit wieder besonders diskutiert werden: Wie gehen Männer mit Frauen um, welche Stellung haben Frauen in der Gesellschaft? Wie prägt die allzeit und für jeden verfügbare Internet-Pornografie das Bild, die Erwartungen an Frauen - und an Männer? Beim triebgesteuerten Thorben ist der Einfluss gravierend, bei ihm überlagern sich die Bilder aus der Realität (das Dekolletee der Kassiererin) mit denen aus Gangbang-Pornovideos, man hört Frauen bewundernd stöhnen: "Oh, so big! The biggest I've ever seen!", während er der Frau in den Ausschnitt starrt. Zudem hört er ständig Rap mit "explicit lyrics" und mit Bildern arschwackelnder, halbnackter, "willig" wirkender Frauen.

Derart geprägt, trifft er auf den Klassik hörenden Rocky, der zwar weniger grob und etwas kultivierter rangeht, aber letztlich unterscheidet sie nicht viel. Beide kreisen um ihren Sexualtrieb und wirken bei ihren Landungsversuchen oft einfach nur abstoßend oder auch mitleiderregend. Rocky doziert: "Männer sind wie Bettwanzen. Sie müssen sehr lange ohne Sex überleben können, sie warten Jahre hinter Scheuerleisten, wenn es sein muss. Wenn sie dann einen weiblichen Wirt erblicken, krabbeln sie aus ihrem Versteck und suchen seine Nähe."

Jan Henrik Stahlberg, der auch Regie führte, sagt über seinen Film: "Bevor alle Leute sitzen bleiben, gehe ich lieber das Risiko ein, dass ich bei zwei, drei Leuten die Schmerzgrenze überschritten habe." Und das hat er in einigen Szenen durchaus. Wer sehr zart besaitet ist, sollte sich diesen Film vielleicht lieber sparen. Wer aber einen derben, dabei nicht unintelligenten Witz vertragen kann und sich von Sperma-Spritz-Schwanz-Bildern nicht abschrecken lässt, findet daran sicher sein Vergnügen - und denkt vielleicht sogar drüber nach. Das Thema ist jedenfalls nicht zuletzt durch die #MeToo-Debatte hochaktuell.

"Fikkefuchs" startet am 16. November in deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de


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