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Grotesk: "Night of the Virgin" Beim ersten Mal tat's noch weh

Wie weit würdest du gehen, um deine Jungfräulichkeit zu verlieren? Nico geht weit über seine körperlichen Grenzen hinaus: In der Silvesternacht hat er endlich die passende Frau gefunden. Dumm nur, dass sie etwas ganz anderes mit "ihm" vorhat.

Mit dem gesunden Menschenverstand ist es so eine Sache: Wenn man als Mann in der Silvesternacht von einer Frau mit zu ihr nach Hause genommen wird, die Tür sich öffnet und einen pure Dunkelheit empfängt sowie das Gekrabbel von Kakerlaken, sagt einem der gesunde Menschenverstand: Obacht! Hier solltest du nicht unbedingt bleiben. Allerdings ist der Mann, Nico (Javier Bodalo), gerade 20 Jahre - und noch Jungfrau. Von daher ist es also kein Wunder, dass seine Libido über den Geist siegt und auch die zweite Warnung überhört.

Die Frau, Medea (Miriam Martin), warnt Nico eindringlich davor, auf eine der Kakerlaken zu treten und sie zu töten. Dem Unheil wäre dann Tür und Tor geöffnet, wie sie, die Stimmung fast killend, orakelt. Sie ahnen, was passiert? Richtig: knacks, knirsch, Kakerlake tot.

Ein Fick für den Neujahres-Kick

Medea braucht einen Moment, dann hat sie sich gefangen. Sie stellt die Musik an und die ertönenden Klänge führen den Mann in eine fremde Welt. "Nepal", sagt sie lasziv. Medea bietet ihrem Gast einen nepalesischen Trunk an, hochprozentig. Und während sie ihn auf ex leert, verschluckt sich Nico prustend daran. Er ist unsicher: Wann geht's denn nun endlich ab hier?

Das dauert noch. Medea fängt an zu erzählen, eine nepalesische Mythe. Es geht um eine Göttin, die in den Bergen herumirrt und keine Kinder bekommen kann. Nico fragt sich langsam, ob er heute überhaupt noch zum Schuss kommt. Er fragt nach dem Bad, dort bleibt der Wasserhahn trocken - und während Nico vor dem Spiegel ein paar Sätze ausprobiert, wie er Medea sagen könnte, dass er tierisch geil ist, fällt sein Blick auf ein Glas voller Blut.

Entsetzt rennt er aus dem Bad, stellt die Frau zur Rede. "Das ist meine Menstruation", antwortet Medea lapidar. "So was stellt man doch nicht ins Bad", entgegnet Nico. Sein gesunder Menschenverstand meldet sich - kurz - dann gewinnt der Schwellkörper in seiner Hose wieder die Oberhand. Tja, Chance vertan. Die nächsten Stunden werden für Nico der pure Horror.

What the funk???

Was jetzt nach Slasher-Horror klingt, ist viel mehr.  Der spanische Film "Night of the Virgin" des Regisseurs Roberto San Sebastian ("The Line") ist das, was man als "wirklich krassen Scheiß" bezeichnet: Startet der Film schon schräg mit einer minutenlangen, ätzenden Fernsehansprache zweier Moderatoren einer lokalen Silvestershow, folgen dann ein paar musikalisch wertvolle Momente. Partymucke eben. Was sonst in der Silvesternacht. Ein Fick für den Neujahres-Kick.

Der Zuschauer lernt Nico, geschniegelt und gebügelt, kurz kennen. Er streift durch die tanzenden Partygäste, schaut lüstern mal hier, mustert mal da. Man erkennt: Er sucht das, was viele bei Silvesterpartys suchen - einen Partner für den perfekten Start ins neue Jahr.

Den hat er dann garantiert nicht. Das weiß der Zuschauer allerdings auch erst, nachdem Nico und Medea in ihrer Wohnung landen und das Thema Menstruationsblut zur Sprache kommt. Zudem klopft hämmernd plötzlich Medeas Ex-Freund, genannt "Spinne", an die verriegelte Wohnungstür. Ab da sinkt das Niveau - vor allem verbal.

Zum Schreien

"Ficken", "Hurensohn" und "Scheiße" übernehmen das Kommando. Nico entgleitet die Situation vollends, obwohl bezweifelt werden darf, dass er je Herr seiner Lage gewesen ist. Und auch der Zuschauer muss kräftig durchatmen, denn das, was jetzt kommt, war nicht absehbar: dunkle Mächte, eine männliche Geburt, viel Geschrei, Gewalt und noch mehr Blut. Und am Ende von "Night of the Virgin" die Frage in der Sprache des Films: "What the fuck???"

Man muss wohl absoluter Fan von Horrorfilmen der krudesten Sorte sein, um "Night of the Virgin" nun noch etwas abgewinnen zu können. Der Drang, den Film einfach auszuschalten, verspürt man gleich mehrere Male, dank der immer nervigeren Rolle Nicos. Vor allem gegen Ende muss man als Zuschauer stark sein. Aber da will man natürlich wissen, wie er ausgeht!

Eines ist aber unumstößlich - und "Night of the Virgin" liefert den Beweis: Warnungen des gesunden Menschenverstands sollte man immer seine volle Aufmerksamkeit schenken. Das gilt erst recht für notgeile, junge Männer in der Silvesternacht, die Nico heißen und noch Jungfrau sind.

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Quelle: n-tv.de

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