Unterhaltung

Brüste-Bann bei "Bild"-Zeitung Lasst sie halt nackt sein

Erotik ist für jeden etwas anderes. Für die "Bild"-Zeitung bedeutet Erotik in Zukunft: keine nackten Brüste mehr.

Erotik ist für jeden etwas anderes. Für die "Bild"-Zeitung bedeutet Erotik in Zukunft: keine nackten Brüste mehr.

(Foto: imago stock&people)

Erst mussten sie runter vom Titelblatt, jetzt sind sie ganz raus: Die "Bild"-Zeitung macht Schluss mit Busenmädchen. Erotik soll ab jetzt mehr anhaben. Da kann man natürlich was mit Frauenrechten reinlesen, doch davon ist das Blatt immer noch weit entfernt.

Die "Bild"-Zeitung möchte Frauen nicht mehr oben ohne ablichten, erotisch soll es trotzdem bleiben. Unterwäsche ist zum Beispiel ok. Ein transparentes weißes Shirt auch. Das illustrieren die Bilder, die das Blatt seiner Meldung hinsichtlich des neuen Konzepts beigefügt hat. Ein neuer, zeitgemäßer Fotografie-Stil für Erotik soll das sein. Nur ist die Idee weder neu noch in irgendeiner Weise wegweisend hinsichtlich der Darstellung weiblicher Körper.

Im Januar 2015 hat die britische "Sun" BHs an die Frauen von Seite drei verteilt. Der US-"Playboy" folgte im Oktober desselben Jahres, machte die Entscheidung 2017 allerdings wieder rückgängig. Nackt oder nicht nackt? Ja, was denn nun? Ganz offensichtlich tappen selbst die Platzhirsche der Mainstream-Aktfotografie völlig im Dunkeln, wenn es um weibliche Körper geht. Die "Bild"-Zeitung hat da jetzt jedenfalls so ein "Gefühl": Frauen empfinden diese Bilder als herabwürdigend. Und so kratzten sich die Herren aus der Chef-Etage ratlos die Kopfhaut schuppig und gaben den Nackedamen ihre Würde schließlich in Form von ein paar Quadratzentimetern Stoff zurück. Was für ein Unfug!

Zeitgenössischer Feminismus kommt schon lange nicht mehr ohne Nacktheit aus. Aktivistinnen protestieren mit freiem Oberkörper bei öffentlichen Veranstaltungen und verlangen Nippel-Freiheit im Internet. Sie ziehen sich aus, um ein Statement zu setzen - und das Statement kann übrigens auch allein ein ästhetisches sein. Nacktheit wie übrigens auch Erotik ist nie würdelos, wenn sie selbstbestimmt bleibt. Freiwillig sind die Damen für "Bild" laut Blatt selbstverständlich immer vor die Kamera getreten. Es ehrt die Verantwortlichen die Erkenntnis, dass das womöglich nicht genug sein kann.

Unterhaltung oder Kränkung?

Tatsächlich ist der "Bild"-Zeitung sogar ein richtig guter Gedanke gekommen: "Natürlich dienen diese Fotos einem Hauptzweck. Sie sollen unterhalten, und zwar meistens Männer", heißt es in einem Statement. "Wir glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte." Wohl wahr. Die Konsequenz für Seite 3 des Blattes muss aber doch genau deswegen kein Nackt-Bann sein. Es ist ja tatsächlich nicht so, als wären Frauen von Nacktheit gänzlich abgeturnt. Was Kati, Lisa und Charlotte aus weiblicher Sicht so überflüssig macht, ist, dass sie mit Männeraugen ausgezogen wurden - für Männeraugen. Wie viel Klamotte da am Ende übrig bleibt, spielt da eine eher nachrangige Rolle.

Von Prüderie und Tugendwächtern will die "Bild" nichts wissen? Dann, meine Güte, packt halt auch die Brüste wieder aus und traut euch was. Nacktfotos können stilvoll und sexy zugleich sein. Man kann sie von Fotografinnen aufnehmen lassen oder von namhaften Berufsvertretern, mit denen die Zusammenarbeit auch dem Model nützt. Man kann sich für erfahrene Models entscheiden, die die Auswirkungen eines Nacktshootings abwägen können. Man kann in ungewöhnliche Sets und kunstvolle Beleuchtung investieren. Man kann den Frauen natürlich auch einfach nur ein bisschen mehr überhängen und weitermachen wie zuvor. Das ist dann weiterhin nichts für die Kollegin, die Mutter oder die Dame da drüben an der Ampel. Das bleibt was für Willi und seine fünf Freunde und man sollte es einfach ganz lassen.

So kann's klappen:

*Datenschutz
*Datenschutz
*Datenschutz
*Datenschutz
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema