Unterhaltung

"Sing meinen Song" - Runde 7 Ist noch jemand wach?

Er läuft und läuft: Marian Gold.

Er läuft und läuft: Marian Gold.

(Foto: MG RTL D / Markus Hertrich)

Schlapper Schlager trifft auf müden Kelly-Pop: In der vorletzten "Tauschkonzert"-Woche kämpfen nahezu alle Beteiligten gegen aufkeimende Burnout-Symptome. Einzig Marian Gold präsentiert sich als nimmermüder Oversize-Duracell-Hase.

Kurz vor dem großen Duette-Finale liegt sich der komplette "Tauschkonzert"-Kader in den Armen und mobilisiert die letzten Reserven. Alle wollen noch einmal "so richtig auf den Putz hauen" und dem selbsternannten Klanghybriden aus "The Beatles und Freundeskreis" (Mark Forster) einen unvergesslichen Rampenlichtabend bescheren. Der ist natürlich crazy in love mit Gott und der Welt und aufgeregt wie ein Darmzäpfchen kurz vor der Reise ins unbekannte Dunkel.

"Auf dem Weg" ins Sound-Archiv

Leslie Clio ist die Erste, die vor dem Schaffen des Hit-Monsters kniet und dem vorletzten Wir-lieben-uns-alle-Abend einen ersten musikalischen Anstrich verpasst. "Auf dem Weg" ins forstersche Sound-Archiv nickt das kecke Soul-Pop-Püppchen mit der "besten Stimme von allen" aber immer mal wieder kurz ein. Eine schlagereske Piano-Halbballade mit leichtem Musical-Einschlag als vermeintlich zündende Einstiegsrakete? Der Schuss geht eher nach hinten los.

Ein paar ebenso einschläfernde Jakobsweg-Anekdoten später soll Johannes Strate endlich Leben in die Bude bringen. Aber auch der Revolverheld-Frontmann setzt in puncto Songauswahl aufs falsche Pferd. Statt Konfetti rieselt Lagerfeuerasche vom Himmel ("Bauch und Kopf").

Augen auf: Mary Roos.

Augen auf: Mary Roos.

(Foto: MG RTL D / Markus Hertrich)

Mary hat die Augen noch auf

Ist noch jemand wach? Ja, die Mary hat die Augen noch auf. Na dann, ab mit ihr auf die Bühne! Bevor sich die Grande Dame des Schlagers aber ins Bossanova-Nirgendwo ("Zu dir") verabschiedet, werden noch schnell ein paar pfälzische Lebensweisheiten ausgetauscht. Wir halten fest: So lang die Worscht so dick is wie's Brot, kann's Brot so dick sei, wie's will! Und wieder was gelernt. Sehr schön.

Nach Mary kommt Marian. Und plötzlich weilt auch der bereits schnarchende Ire in der Runde wieder unter den Lebenden. "Kommt jetzt der Marian?" Ja, Rea - jetzt kommt der Marian! Und der hat natürlich erwartungsgemäß ordentlich Butter auf der Pfanne.

Passend zum Titel ("Wir sind groß") kommt der bärtige 80s-Pop-Grizzly mit hip poppenden Oversize-Grooves um die Ecke. Würde Metallicas James Hetfield plötzlich aus dem südafrikanischen Busch springen und sich das Mikrofon schnappen, wäre folgende Frage endlich beantwortet: "How does it feel to be alive?" Fühlt sich gut an, keine Frage.

Aus dem Kelly-Wohnzimmer

Rea Garvey ist jetzt nicht mehr zu halten. Angesteckt vom goldschen Power-Fever stürmt der Ire auf die Bühne. Sekunden später paart sich der charmante Akzent eines deutsch singenden, schon leicht beschwipsten Iren mit traditionellen Klängen aus dem Kelly-Family-Wohnzimmer ("Stimme"). Oh je, war der fulminante Wachmacher aus dem Hause Gold nur ein kurzes Strohfeuer?  

Der Abend nimmt eine letzte, dramatische Wendung. Kurz vor der Polonäse-Apokalypse drängt sich Judith Holofernes noch einmal ins Rampenlicht. Die Yoko Ono des Deutsch-Pop setzt alle Hebel in Bewegung. Klamauk und Tralala sind ja schön und gut. Aber man feiert hier schließlich das bisherige Gesamtwerk von Mark Forster, Deutschlands einzigartigem Hit-Monster! Der winkt aber auch schon ab. Während Judith verzweifelt alte Dirty-Dancing-Erinnerungen aufleben lässt ("Kogong"), tanzt Mark Forster bereits mit der Konfettikanone auf dem Tisch. Alles für die Katz, mein Schatz! Aber auch völlig "worscht". Noch eine letzte Polonäse um die Bläser rum - und gut ist. Nächste Woche dann das große Duette-Finale. Einmal halten wir noch durch.

Quelle: n-tv.de

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