Unterhaltung

Die Olsenbande hat 50. Jubiläum Ein mächtig gewaltiges Phänomen

Kjeld, Egon und Benny (vl.) alias die Olsenbande begeistern bereits seit einem halben Jahrhundert das Publikum.

Kjeld, Egon und Benny (vl.) alias die Olsenbande begeistern bereits seit einem halben Jahrhundert das Publikum.

(Foto: imago stock&people)

Keine Gewalt und eine miserable Erfolgsquote: Die Olsenbande ist ein Ganoventrio der besonderen Art. Nun wird die Reihe 50 Jahre alt. Längst ist sie ein Klassiker der dänischen Filmgeschichte. Doch nicht nur in ihrer Heimat hält ihr Siegeszug an.

Wer eine Haftstrafe absitzt, hat gemeinhin viele Gelegenheiten zum Nachdenken. Bei Egon Olsen resultiert diese Zeit der Einkehr immer in einem "genialen Plan". Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Benny Frandsen und Kjeld Jensen versucht der Kleinganove, den "ganz großen Coup" zu landen. Ob Bankraub oder Versicherungsbetrug - die Olsenbande sieht viele Wege, "ein paar Milliönchen" einzuheimsen. Dass diese Vorhaben immer misslingen und Egon am Ende stets im Staatsgefängnis landet, tut der Popularität der Gang keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Olsenbande ist das wohl beliebteste Gaunertrio der Filmwelt und ein Stück europäischer Kulturgeschichte.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Olsenbande ihren ersten "Coup" angeht. Von der Idee bis zur filmischen Verwirklichung auf der Leinwand dauert es für damalige Verhältnisse nicht lange: Nur ein Jahr nachdem Drehbuchautor Henning Bahs und Regisseur Erik Balling das Trio erfinden, kommt am 11. Oktober 1968 der erste Film "Die Olsenbande" in die dänischen Kinos. Der simple Titel erweist sich dabei nicht als Hindernis für den anschließenden Siegeszug. Bis zum letzten Film 1998 wächst die Zahl der Geschichten auf 14 - zu sehr sind die Dänen von den wiederkehrenden Geschichten des Scheiterns fasziniert. Und belustigt von ihrem Slapstick.

Fast immer beginnen die Olsenbande-Filme hier: Vor den Toren des dänischen Staatsgefängnisses, wo Egon regelmäßig einsitzt.

Fast immer beginnen die Olsenbande-Filme hier: Vor den Toren des dänischen Staatsgefängnisses, wo Egon regelmäßig einsitzt.

(Foto: imago/Andreas Weihs)

"Die Olsenbande ist kerndänisch", sagt der dänische Botschafter Friis Arne Petersen im Gespräch mit n-tv.de. "Abgesehen von der kriminellen Ader ist sie mutig, will ihr Leben immer verbessern und ist humorvoll", sagt er: "Sie gibt ein gutes Bild von Dänemark ab." Während heute Regisseur Lars von Trier oder Schauspieler Mads Mikkelsen die Aushängeschilder des dänischen Films sind, waren es vor der Jahrtausendwende Ove Sprogøe alias Egon, Morten Grunwald als Benny und Poul Bundgaard als Kjeld. "In den 70er- und 80er-Jahren haben alle Dänen die Olsenbande am Samstag im Fernsehen gesehen. Das war fast wie ein Fußballspiel", erinnert sich Petersen.

Raubzüge (fast) ohne Action-Feuerwerk

Stilistisch unterscheidet sich die Olsenbande grundsätzlich von heutigen Kinohelden. "Es gibt keine Gewaltszenen wie in den amerikanischen Filmen, das ist eine zivilisierte Bande", sagt Petersen. Ausdruck dessen ist nicht nur Kjelds Standardfrage "Ist das nicht gefährlich?", sondern auch die Werkzeugauswahl für die "Coups". Bereits zu Zeiten, in denen MacGyver noch ein Hirngespinst ist, strebt die Olsenbande mit einfachen Utensilien wie Regenschirmen oder Kaugummis nach den Reichtümern, die meist in Tresoren des Fabrikats "Franz Jäger Berlin" deponiert sind. Sieht man einmal von Bennys pyromanischem Bruder Dynamit-Harry ab, sind die Olsenbande und ihre Mitstreiter die wohl pazifistischsten Ganoven der Kinogeschichte.

Besonders im Osten Deutschlands gewann die Olsenbande eine große Fangemeinde, die bis heute Bestand hat.

Besonders im Osten Deutschlands gewann die Olsenbande eine große Fangemeinde, die bis heute Bestand hat.

(Foto: imago stock&people)

Möglicherweise ist es ebenjene Kombination aus gewaltfreiem Aufbegehren und stetiger Improvisation, die die Olsenbande über die Grenzen Dänemarks hinaus zum Hit machte. Insbesondere im Osten Deutschlands hat sie bis heute eine breite Fanbasis. Allein der 2000 gegründete "Olsenbandenfanclub" zählt nach eigenen Angaben mehr als 3000 Mitglieder. Die Zahl der Fans übersteigt diesen Wert allerdings deutlich. Weil der erste Film in der dänischen Heimat so erfolgreich war, kam er 1970 auch in die deutschen Kinos. In der BRD floppte das Werk. In der DDR hingegen startete die kleine Olsenbande ihren großen Siegeszug.

"Mächtig gewaltig!" als Erfolgsspruch

Einen Schlüssel zum überbordenden Erfolg in der DDR sehen Fachleute in der Synchronisation der Defa-Studios. Größtenteils übersetzten diese die Filme originalgetreu, lediglich politisch unerwünschte Sätze änderten sie ab - so auch Bennys begeisterten Kultspruch "Skidegodt!". Das heißt übersetzt "scheißgut". Durch die Defa-Zensur wurde daraus "Mächtig gewaltig!". Für viele Ostdeutsche ist das seither ein geflügeltes Wort.

*Datenschutz

Dieses und einige weitere Beispiele sprachlicher Zensur mögen verwundern, denn auch ohne "sch-Wörter" ist die Sprache in den Olsenbande-Filmen recht derbe. Wenn Egon erst einmal richtig wütend ist, verunglimpft er seine Mitstreiter beispielsweise als "talentlose Käsekacker" und oft auch als "lausige Amateure". Sein Widersacher ist ab Teil sechs stets "das dumme Schwein". Dessen Darsteller Ove Verner Hansen spielt diese Rolle übrigens auch in den Olsenbande-Filmen, die eigens für das norwegische Publikum adaptiert wurden.

Neben der gelungenen Synchronisation dürfte die starke Identifikation mit den Olsenbande-Figuren zum großen Erfolg in der DDR beigetragen haben. Der alltägliche Kampf für ein besseres Leben und gegen widrige Umstände war eine Erfahrung, die viele Ostdeutsche teilten. Mit ihrer Improvisationskunst und ihrer Zielstrebigkeit kommt das Gaunertrio als dänische Brigade daher, die einen Plan verfolgt. Die Sehnsucht von Kjelds Ehefrau Yvonne nach der Ferne kannten viele DDR-Bürger ebenfalls nur zu gut. Allein, im Gegensatz zu vielen von ihnen machte die Olsenbande immerhin Station in Paris, Mallorca und Brüssel.

Die Verteilung der Mitglieder des "Olsenbandenfanclubs" offenbart, dass eine vergleichbare Identifikation und Begeisterung in der Bundesrepublik kaum aufkam. Nach Klubangaben sind dort lediglich 36 Prozent seiner Mitglieder beheimatet. "Es hat uns überrascht und verwundert, warum die Westdeutschen nicht unseren Humor und unser Kulturgut verstehen", sagt Dänen-Botschafter Petersen. Allzu schmackhaft wurde den Westdeutschen die Olsenbande-Reihe aber auch nicht gemacht. Mit lieblosen Titeln wie "Die Panzerknackerbande" oder "Schlagbohrer mit Musik" und mit mitunter verfälschter Synchronisation hatten es Egon und Co. schwer in der BRD. So ist die Olsenbande gewissermaßen ein dänisch-ostdeutsches Phänomen. Nicht zuletzt, weil das erste Drehbuch auf Schreibmaschinen der DDR-Marke "Erika" verfasst wurde.

Dänisches Kulturerbe

"Bis heute ist die Olsenbande ein wichtiger Bestandteil unseres Kulturerbes", sagt Petersen. Das belegt auch ein Blick auf die Spitze der ewigen dänischen Kinocharts. Dort rangiert der achte Olsenbande-Film namens "Die Olsenbande sieht rot" aus dem Jahr 1976 noch immer auf Platz drei hinter den deutlich jüngeren Werken "Titanic" (1998) und "Der Herr der Ringe: Die Gefährten" (2001). Rund 1,2 Millionen Dänen schauten sich den Film im Kino an - eine passable Quote für das Land, das heute knapp 5,8 Millionen Einwohner zählt.

Von den Darstellern der Olsenbande lebt nur noch Morten Grunwald alias Benny. Doch auch nach dem Ende der Filmreihe und dem Tod von "Egon" Sprogøe und "Kjeld" Bundgaard lebt der Geist der Olsenbande weiter. Nicht nur in den Filmen. Seit Ende 2014 stellt die Herning Pengeskabsfabrik in Jütland einen zentralen Gegenstand der Reihe her: die bis dahin fiktiven Tresore von "Franz Jäger Berlin".

Quelle: n-tv.de


Mehr zum Thema