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Zeit für einen Schlussstrich? Die Simpsons sind gewöhnlich geworden

Die Simpsons sind für viele Zuschauer die liebste Fernsehfamilie (Szene aus "Die Simpsons - Der Film").

Die Simpsons sind für viele Zuschauer die liebste Fernsehfamilie (Szene aus "Die Simpsons - Der Film").

(Foto: imago stock&people)

Es gab eine Zeit, da waren die Simpsons die witzigste und subversivste Serie des US-Fernsehens. Zum 25. Jubiläum steht die gelbe Familie jedoch nicht mehr für Satire, sondern für Klamauk. Wäre es nicht Zeit, sie in den Ruhestand zu schicken?

Seit 25 Jahren laufen "Die Simpsons" in Serie, erst kürzlich startete Staffel 26. Keine andere US-amerikanische Primetime-Show hat dies bisher geschafft. Keine Trickfilmserie lief länger. Keine Serie wurde mit mehr Emmys ausgezeichnet. Und keine kann auf eine so treue Fangemeinde auf der ganzen Welt zählen.

Matt Groenings Schöpfung ist längst zum Kulturphänomen geworden. Sie läuft jeden Tag im Fernsehen - in der x-ten Wiederholung. Homers "d'oh" steht im Oxford English Dictionary. Berühmte Sätze wie "Der Atem meiner Katze riecht nach Katzenfutter" gehören zum Allgemeingut. Die Figuren und ihre Welt werden zitiert, wissenschaftlich untersucht und zieren Unmengen an Merchandising.

Die frühen Simpsons - in vielerlei Hinsicht waren sie noch nicht so glattgeschliffen.

Die frühen Simpsons - in vielerlei Hinsicht waren sie noch nicht so glattgeschliffen.

(Foto: imago stock&people)

Und doch ist der Wurm drin nach all den Jahren. Nicht unbedingt, weil die Quoten in den letzten Jahren merklich gesunken sind. Der Sender Fox, auf dem die Simpsons seit Beginn laufen, kann schließlich mit einem Stammpublikum rechnen, das immer wieder einschaltet.

Ein Fettnäpfchen nach dem anderen

Nein, das Problem ist, dass die Simpsons gewöhnlich geworden sind. Lebte die Serie einst von bissigen Kommentaren auf Umweltzerstörung oder das marode Schulsystem sowie von subtilen Anspielungen, geht es heute in erster Linie um Klamauk. Dies wird vor allem bei Familienvater Homer deutlich. Er entwickelte sich vom amerikanischen Arbeiter, der es mit den Tücken des Systems zu tun bekommt, zum Trottel, der zielsicher von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt.

Die Simpsons sind zahm und langweilig geworden. Andere Serien sind ihnen mittlerweile voraus. "Family Guy" von Seth MacFarlane etwa, von Groening lange als Plagiat kritisiert, ist bissiger und sarkastischer. Die Serie um Peter Griffin und seine Familie, die ebenfalls auf Fox läuft, geht unverblümt mit gesellschaftlichen Problemen um, überschreitet Grenzen und löst Proteste aus.

Vom Durchschnittsamerikaner zum Trottel: Homer Simpson in einer Szene aus "Die Simpsons - Der Film".

Vom Durchschnittsamerikaner zum Trottel: Homer Simpson in einer Szene aus "Die Simpsons - Der Film".

(Foto: imago stock&people)

Das war auch mal bei den Simpsons so, als die chaotische Familie am 17. Dezember 1989 mit der Folge "Es weihnachtet schwer" erstmals über die Mattscheibe flimmerte. Es war der Start in die eigene Serie, obwohl die fünf Simpsons schon älter sind: Sie waren bereits seit April 1987 in Kurzfilmen während der Tracey Ullman Show zu sehen. Doch die damals noch recht krakelig gezeichneten Figuren, die Groening der Legende nach in gerade mal 15 Minuten entwarf, überlebten die Show und wurden sozusagen befördert.

In den ersten beiden Staffeln suchte die Serie noch ihren Stil. Doch je klarer sich die Charaktere herausbildeten, je größer das Ensemble wurde und je stärker sich wiederkehrende Elemente etablierten - vom Couchgag über die Macken der Figuren bis zu Homers "d'oh" -, desto mehr Fans fand sie. Und desto mehr Kritiker rief sie hervor, die Bart als schlechtes Vorbild verteufelten und gegen den satirischen, teils gotteslästerlichen Ton protestierten.

Promis in Hülle und Fülle

Die Macher scherte das wenig. Sie produzierten eine Serie, die zum Besten gehörte, was das US-Fernsehen damals zu bieten hatte. Folgen wie "Kraftwerk zu verkaufen", "Filmstar wider Willen", "Wer erschoss Mr. Burns" und viele andere gelten heute als Klassiker. Ihr Humor prägte ganze Generationen von Zuschauern: anspielungsreich, satirisch, mitunter albern und mit jeder Menge Running Gags.

Umfrage 25 Jahre gelbe Familie Sollten "Die Simpsons" in Rente gehen?

Doch spätestens ab Staffel 10 veränderte sich die Serie. Statt weiterhin die eigenen Charaktere in den Vordergrund zu stellen, gaben sich prominente Gäste die Klinke in die Hand. Statt gesellschaftliche Entwicklungen zu kommentieren, musste die titelgebende Familie immer abgedrehtere Situationen meistern. Statt satirischer Untertöne gab es Slapstick. Zwar fing sich die Serie nach ein paar missratenen Staffeln wieder, den alten Charme erreichte sie aber seither nicht mehr.

Natürlich entstehen trotzdem noch köstliche Szenen und wunderbare Momente. Schließlich können die Macher auf unzählige Figuren zurückgreifen, darunter Clown Krusty, Barmann Moe oder Atomkraftwerkbesitzer Burns, die sich bei den Fans nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. Und einige Couchgags der letzten Jahre waren Ereignisse, wie jener von Regisseur Guillermo del Toro.

Die Figuren sind festgefahren

Doch die Serie hat ihren Überraschungseffekt verloren. Die Figuren sind festgefahren, auserzählt, ihr Verhalten ist absehbar. Vorbei die Zeit, als Lisa sich auf Sinnsuche begab und zur Vegetarierin wurde. Vorbei die Zeit, als Marge sich zumindest zeitweise von ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau emanzipieren konnte. Vorbei die Zeit, als Homer in den Untiefen seiner Familiengeschichte herumstöberte und Ungeheuerliches zutage kam. Um den Figuren heute noch neue Nuancen abzugewinnen, werden sie in die unwahrscheinlichsten Situationen versetzt. Mal ist es eine Welt voller Lego-Steine, mal treffen sie ausgerechnet auf Peter Griffin und Co. oder auf die Crew von Futurama, der anderen Trickserie von Matt Groening.

Doch auch wenn sich die Umstände ändern, die Verhaltensmuster wiederholen sich. Entwicklungen finden kaum noch statt. Vielmehr herrscht ein Status quo vor, mit dem jede neue Folge beginnt. Das mag für neue Fans noch unterhaltsam sein und alten noch ein Lächeln abgewinnen. Doch tatsächlich ist es nurmehr durchschnittliche TV-Kost. Aus einer großartigen Fernsehserie ist eine Show unter vielen geworden. Es wäre an der Zeit, die Simpsons in Rente zu schicken.

Quelle: n-tv.de

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