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Rassismus, Blutrache, Langeweile Der Franken-"Tatort" im Schnellcheck

Verzweifeln an der Halsstarrigkeit einer fränkischen Gemeinde: die Kommissare.

Verzweifeln an der Halsstarrigkeit einer fränkischen Gemeinde: die Kommissare.

(Foto: BR/ Luis Zeno Kuhn)

Ein Doppelmord erschüttert Mittelfranken und sprengt die Einweihungsfeier von Kommissar Voss. "Ich töte niemand" mixt gleich mehrere Themen zu einem Krimi der düsteren Art. Aber schmeckt der auch?

Das Szenario

Die feuchtfröhliche Einweihungsfeier des Nürnberger Kommissars Voss (Fabian Hinrichs) findet ein jähes Ende, als die versammelten Polizisten ein Anruf aus der Zentrale erreicht: Zwei Libyer wurden auf bestialische Weise erschlagen, alles deutet auf einen rassistisch motivierten Doppelmord hin. Doch vieles an der Szenerie passt nicht ins Bild: Warum wurden die Toten nach islamischem Brauch rituell gewaschen und sorgfältig in Leichensäcke gehüllt?

Kommissar Voss und seine Kollegin Ringelhahn (Dagmar Manzel) haben recht bald einen Verdacht, stoßen bei ihren Ermittlungen aber auf schier unüberwindbare Hürden: Niemand aus der Gemeinde, in der die beiden Libyer gewohnt haben, will mit den Polizisten reden. Das eiserne Schweigen sitzt tiefer als die berühmte fränkische Einsilbigkeit und hat seinen Ursprung in einem Sportverein, der von einem ehemaligen NPD-Funktionär (Hansjürgen Hürrig) geleitet wird. Der Mann, der einem bekannten AfD-Politiker auf auffällige Art und Weise ähnelt, versprüht sein ideologisches Gift in der Region - hat aber die Rechnung ohne die nach Blutrache dürstenden Hinterbliebenen der Opfer gemacht.

Die eigentliche Botschaft

In dunklen deutschen Wohnzimmern lauert das Gift des Fremdenhasses, hinter gutbürgerlichen Fassaden verbergen sich tiefe Abgründe - und auch bestens integrierte Ausländer sind nicht immer gegen die archaischen Ehrbestimmungen ihrer Ahnen gefeit. Oder einfacher gesagt: Das Dunkle steckt in uns allen.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Dass sogar die Beschreibung eines brutalen Doppelmordes irgendwie putzig klingt, solange man sie nur auf fränkisch abliefert.

Der Plausibilitätsfaktor

Abgesehen von der Tatsache, dass eine Einweihungsfeier Jahre nach dem Umzug in die neue Stadt absolut keinen Sinn macht, ist dieser "Tatort"  wohl recht nahe an den Zuständen in so mancher Region dran - auch wenn man so viel Fremdenhass und Angst vielleicht nicht zuerst in Franken vermuten würde.

Die Bewertung

6 von 10 Punkten. "Ich töte niemand" beginnt stark, überspannt den Bogen nach dem ersten Drittel aber: Zu viel Geschrei, zu viel Wut, zu viel gewollt.

Quelle: n-tv.de

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