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Auch im Urlaub ruhelos Wenn Entspannung zum Problem wird

Nicht jeder kann im Urlaub entspannen.

Nicht jeder kann im Urlaub entspannen.

(Foto: imago/Schwörer Pressefoto)

Im Urlaub soll der Alltagsstress möglichst schnell abfallen. Viele Menschen wollen das, aber nicht alle schaffen es. Doch warum können manche selbst am Ferienort nicht entspannen? Und können Betroffene selbst dieses Dilemma lösen?

In der Sonne liegen, ein Buch lesen und Temperaturen um die 30 Grad Celsius genießen: Diese Kombination ist für viele der Inbegriff von Urlaub und Regeneration. Im vergangenen Jahr machten laut einer YouGov-Umfrage 41 Prozent der Deutschen einen Strandurlaub, um sich so richtig zu erholen. Doch nicht jedem gelingt das auch.

Eine Untersuchung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, dass viele Arbeitnehmer die Belastung des Jobs an den Ferienort mitnehmen. So gaben 37 Prozent der Befragten an, dass sie im Urlaub ständig unter Strom stünden und unter Unruhe litten. 20 Prozent klagten sogar, sie empfänden weniger Reisefreude, ein Drittel spürt im Urlaub körperliche Symptome wie Schlafstörungen. Es scheint, zumindest für einige, eine schwierige Mission zu sein, in den Ferien wirklich Ruhe zu finden.

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Ein gefürchtetes Phänomen ist das Krankwerden kurz vor oder während der freien Tage - das sogenannte Poststress-Symptom. Wissenschaftler der Universität Trier haben sich intensiv damit beschäftigt. "Stressbelastung mobilisiert besonders stark Noradrenalin", erklärt Professor Dirk Hellhammer. "Sind die Anforderungen besonders intensiv und dauerhaft, dann übersteigt der Verbrauch an Noradrenalin die Neusynthese." So kommt es zu einer Balancestörung, die Poststress-Symptome wie etwa Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Reizbarkeit hervorrufen. Stress kann also auch in einer vermeintlichen Ruhephase nicht einfach abgeschüttelt werden.

Handy gleich zu Hause lassen

Ist der Leidensdruck hoch, hilft unter Umständen eine fachkundige Beratung, um den Stress loszuwerden. In solchen Fällen kommt Coach Rico Schulz ins Spiel. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Stressmanagement und Entspannungstechniken und weiß auch, warum manche Menschen im Urlaub so schlecht zur Ruhe kommen. "Grundsätzlich ist die Frage, ob die Person das Gefühl hat, dass sie mit der Arbeit abgeschlossen hat", erklärt Schulz das Problem. Wichtig sei vor allem, von der Arbeit loszulassen und die eigene Nichterreichbarkeit ganz klar zu kommunizieren.

Eine wirkliche Hilfe für die perfekte Entspannung sieht der Coach vor allem in der Abgrenzung. "Durch eine kurze SMS vom Arbeitskollegen oder E-Mailverläufe geht es schnell, dass man wieder an die Arbeit denkt. Deswegen sollte man solche Geräte im besten Fall abschalten oder gleich zu Hause lassen." Sogar eine komplett internetfreie Zeit empfiehlt der Experte.

Auch ein bisschen Aktivität ist für die Erholung wichtig.

Auch ein bisschen Aktivität ist für die Erholung wichtig.

(Foto: imago/Westend61)

Gerade das Smartphone ist für viele ein unverzichtbarer Begleiter geworden - doch es lohnt sich, im Urlaub auf die mobile Internetnutzung zu verzichten. So werden sich Arbeitnehmer zumindest nicht über unnötige E-Mails ärgern, die sie eigentlich gar nicht lesen wollten. Der Mut, auf sämtliche Displays und Monitore zu verzichten, kann also helfen, bereits nach einigen Tagen wirklich zu entspannen.

Mischung aus Aktivität und Relaxen

Das heißt allerdings nicht, dass es allein damit getan wäre. "Ein Urlaub mit einer gesunden Mischung aus Aktion und Relaxen, statt nur am Strand zu liegen, ist wichtig", so Schulz. "Der Urlaub kann eine gute Chance sein, neue Gewohnheiten einzuüben, was im stressigen Alltag selten funktioniert. Dabei denke ich an regelmäßigen Sport, kurze Achtsamkeitsübungen und zu überlegen, ob man sich für bestimmte Dinge wirklich Zeit nehmen möchte, anstatt schnell noch dies und das zu erledigen."

Doch warum dauert es eigentlich oft so lange, bis überhaupt ein Ruhe-Gefühl eintritt? Schuld ist der Körper. "Erstmal muss sich auch der Biorhythmus im Urlaub umstellen", so der Entspannungscoach. "Außerdem gibt es vielleicht auch einen kleinen Jetlag und der Tagesablauf mit der Familie ist ein anderer als daheim. Da dauert es schon mal zwei bis drei Tage, bis man sich eingelebt hat."

Dauergestresste sollten nicht erst im Urlaub auf Entspannung setzen, sondern schon im Alltag damit beginnen. Kurze, fixe Termine mit einfachen Atem- oder Konzentrationsübungen können helfen. Der beste Stresskiller allerdings ist Bewegung. Die muss gar nicht aufwendig sein. Schon drei Mal wöchentlich stramm spazieren zu gehen, baut Stress nachweisbar ab und macht den Kopf frei.

Quelle: n-tv.de

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