Leben

In Vino Verena Vom Sexsklaven, der ausgelacht werden will

(Foto: imago)

Unsere Autorin steckt in der Zwickmühle. Ein Sexsklave hat sich bei ihr beworben. Er bellt, tanzt und putzt gerne nackt. Sein größter Wunsch: sich zur Lachnummer machen. Aber was hat ein Penis im Schraubstock verloren?

"Sehr verehrte Lady, kurze Frage: Haben Sie meine Bewerbung erhalten? Ich bin ein devoter Sklave und sende Ihnen gern eine Ausweis-Kopie und ein polizeiliches Führungszeugnis. Ich würde mich sehr freuen, Ihre persönliche Lachnummer zu sein."

Schon wieder Post vom Sklaven! Und schon wieder fragt er mich, ob er mir einen Amazon-Gutschein schenken darf. Was würden Sie an meiner Stelle machen, liebe Leserinnen und Leser, den Gutschein verfallen lassen? Eine Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergab: auf keinen Fall.

Der Haken: Ich müsste dem Sklaven sagen, dass ich ein Problem mit Amazon habe. Und lieber einen Gutschein für die Kneipe in meiner Straße annehme, obschon ich der Meinung bin, dass die in den Rotwein Wasser reinpanschen. Aber der Kuchen da ist wirklich lecker. Hilfe, ich habe einen "braven Sklaven" an der Backe! Die Reaktionen meiner Community: "Du hast es gut! Wir hätten auch gern einen Sexsklaven, der nackig den Keller fegen und die Bude auf Vordermann bringen würde. Der könnte dein Kuhfell ausschütteln!"

Okay, denke ich und antworte dem Sklaven. Ich muss dazu sagen: Ich bin wirklich sehr neugierig, mich interessiert einfach alles, sogar Dinge, die mich eigentlich doch nicht interessieren. Erst heute Morgen habe ich mir ein Tutorial auf Youtube angeschaut. Thema: Türzargen-Einbau leichtgemacht. Ja, da staunen Sie! Ich war auch ganz fasziniert.

Bitte nicht beim Auslachen stören!

Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass ich dem Sklaven zu viele Fragen stelle. Der will ja eigentlich ausgelacht und nicht interviewt werden. Stellen Sie sich mal vor, jemand würde Sie andauernd unterbrechen, wenn Sie gerade ausgelacht werden! Schrecklich nervig, wenn man nicht einfach in Ruhe ausgelacht werden kann! Eine Weile guckt man sich das vielleicht an, aber mal ehrlich, spätestens nach der dritten blöden Frage haut man dem Störenfried eine rein.

Schon als ich noch ganz klein war, hatte mein Vater irgendwann den Kanal voll, mir Gutenachtgeschichten vorzulesen, denn immer dann, wenn er sich aus dem Kinderzimmer schleichen wollte, kam wieder eine meiner vielen, oft nervigen Fragen: Hätte das Rotkäppchen nicht woanders lang gehen können? Fressen Wölfe wirklich Kreide? Wieso hat keiner vom Hofstaat die böse Königin vergiftet, wenn die so böse war?

Ich schreibe dem Sklaven, für derlei Auslach-Späßchen sei ich nicht zu haben und frage abschreckend, ob er einen an der Klatsche hätte. "Ja", antwortet er prompt, "genau das isses. Verehrte Lady, echt lächerlich!" Er gibt es sofort zu. Perfekter Nährboden für mein ausgeprägtes Helfersyndrom. Hallo, AOK, wie sind die ersten Schritte?

Paketbändel ums männliche Geschlecht

Ich stelle dem Sklaven Fragen: "Worin genau liegt der Fetisch?" "Im Lächerlichmachen, verehrte Lady. Ich mache alles, also, fast alles, ich belle auch gern und mauze. Gern lasse ich Ihnen eine Sprachnachricht zukommen. Wollen Sie hören? Oder lieber ein Video - mit Gesicht? Am liebsten präsentiere ich meine mickrigen Geschlechtsteile, abgebunden mit Paketbändel. Ich male auch gern meine Hoden an, ich bin künstlerisch etwas begabt. Wollen Sie sehen - mit Gesicht? Ich will Frauen zeigen, dass die männlichen Weichteile nicht nur Symbol der Macht und Stärke sind wie früher, sondern mittlerweile aufgrund des fallenden Patriarchats zunehmend Teile der Belustigung."

"Ja, mauz mal. Mich würde aber interessieren, was du dir dabei denkst. Du schreibst einfach fremde Frauen an!" "Oh, nein, verehrte Lady, ich möchte Sie keinesfalls belästigen, ich möchte Sie belustigen! Ich bewerbe mich hiermit ganz offiziell als Sklave! Ich zahle einen Tribut. Ich fasste den Mut, Ihnen meine Bewerbung zukommen zu lassen, als ich Ihre Kritiken über die Nackten im Schaufenster gelesen habe. Möchten Sie noch einen weiteren Amazon-Gutschein? Sie können mich auch knechten, ich wäre gerne Ihre Zahlsau."

Er kam, sah und - tanzte

So geht das eine Weile hin und her. Der Sklave verrät, dass er gerne Fenster putze, Keller fege oder bohre (natürlich in Wände). Alles nackt. Am liebsten aber tanze er. Er sagt, er tanze ausschließlich zur Belustigung der Damen, das sähe richtig lächerlich aus, und irgendwann antworte ich : "Na schick' mal deine Dance-Videos rum, Keule, schlimmer als die Sport1-Clips kann's ja nicht werden."

Und was macht der Sklave? Schickt einen zweiminütigen Clip. Darauf er - nackt und in Tennissocken in seinem Wohnzimmer, irgendwo im tiefen Westen. Im Hintergrund Yucca-Palmen und Dekokissen; an seiner Nudel ist eine lange Strippe befestigt, daran baumeln Gewichte - wirklich, wenn ich es Ihnen doch sage!

Ich erblinde fast. Ein Glück, dass es schon nach 22 Uhr ist und ich mir einen einschenken kann. Indes tanzt der Sklave Psys Gangnam Style. Wie Uhrenpendel wedeln die Gewichte hin und her; ich trage höchste Sorge, eines der Pendel könne zu weit ausschlagen und die Yucca-Palme umhauen.

"Mussten Sie lachen, verehrte Lady? Habe ich mich schön lächerlich gemacht?" "Ja, sehr", sage ich. Ich versaue ihm den Kick, als ich ihn frage, ob er eine Frau hat und ob die das weiß. Ja, er habe eine, aber die wisse das natürlich nicht. Ich überlege, meine Freundin Tina anzuhauen. Die ist Psychologin und hat bestimmt einen Rat für ein Erstgespräch bei einem Therapeuten. Es gibt so viele Arten von sexueller Unterwerfung - aber ausgelacht werden?

Miau, miau, miau

"Finden Sie es lustig?", fragt er wieder. "Jaha." "Wenn Sie wollen, stecke ich meinen Dödel in einen Schraubstock. Ich bin so lächerlich! Lachen Sie mich aus? Sie dürfen mich ruhig auch anderen Freundinnen oder Kolleginnen präsentieren. Wollen Sie meine Clips und Bilder weiter zeigen? Mit Gesicht?"

Das fragt er permanent, ob man Fotos von ihm "mit Gesicht" zeigen würde. Er hat zwar einerseits Angst, erkannt zu werden, auf der anderen Seite erregt ihn der Gedanke aber sexuell. Ich erzähle dem Sklaven, dass ich in meiner Kolumne vielleicht über ihn schreibe. "Wie viele lesen das?", will er sofort wissen. "Und wenn Sie dann ein Foto von mir reinmachen - mit Gesicht?" Jaaahaaaa, mit Gesicht.

Ich weise ihn daraufhin, dass er dann jedem meiner Leser einen Amazon-Gutschein zukommen lassen muss. Ich will ihn eigentlich ein bisschen erschrecken, aber er reagiert sofort mit einer Sprachnachricht: "Miau, miau, miau!" - "Wieso miaust du denn jetzt?" - "Das war mein tierischer Samenerguss, verehrte Lady. Lachen Sie? Bin ich eine Lachnummer?"

Er sagt, es gäbe noch viel mehr von seiner Sorte. "Piggys", die ausgelacht werden möchten, seien überall unter uns, sie trauen sich halt nur nicht, "ihr Gesicht" zu zeigen. Ich schaue mir seinen Ausweis an und google ihn. Aha, ein richtiger Firmenboss-Burschi. Nicer Nadelstreifenanzug. Ich merke, wie ich plötzlich meine Kollegen beäuge. War der Chef heute Morgen vielleicht nur so motzig, weil er nicht genügend ausgelacht wurde? Hat der Sozius neben mir möglicherweise nur so schlechte Laune, weil er sich in dieser Woche noch keine Gewichte an seinen Lümmel gehängt hat? Sie müssen zugeben: Es könnte sein! Hahaha.

Quelle: n-tv.de


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