Leben

In Vino Verena Ab wann sind viele Sexpartner zu viele?

Mit Anfang 20 hat Shirley schon Sex mit 18 Männern gehabt.

Mit Anfang 20 hat Shirley schon Sex mit 18 Männern gehabt.

(Foto: imago/Ikon Images)

Was er kann, kann sie auch: Die 22-jährige Shirley hatte schon 18 Sexpartner. Dann kommt der Mann mit dem "schönsten Penis" und sorgt für Tumult. Ein Gespräch mit "der Jugend von heute" über Fuck-Konten, Sex und andere Katastrophen.

"Shut up, you are a Bastard!", keift es aus dem Badezimmer nebenan. Es ist die Untermieterin meiner Freundin Tina, mit der ich in der Küche sitze und einen hebe. Wir sind gerade mitten in einem hochspannenden Gespräch über Topfpflanzen und humose Böden, als wir von Shirley, so heißt die Untermieterin, jäh unterbrochen werden. So wie sie keift, hat sie wohl Stress mit ihrem Freund.

"Du, ich sehe bei der schon gar nicht mehr durch", sagt Tina. "Ständig schleppt die einen anderen an. Ich komme mir vor wie so eine Omi: Ich würde ihr gern den Männerbesuch verbieten." Shirley ist 22 Jahre alt und studiert irgendwas mit Kommunikation - eine hübsche, aufgeschlossene Lady mit Köpfchen, meint man. Denn Shirley steht gerade im Badezimmer und schnauzt ihren Lover an, weil der - Achtung, jetzt kommts! - irgendwas mit ihr veranstaltet haben muss, denn "it burns mega-krass!"

Mehr Sexpartner = besserer Sex?

Wutschnaubend stürmt sie in die Küche und gewährt uns ob ihrer Rage tiefe Einblicke in ihr, wie sie es nennt, "Fuck-Konto". Mit Anfang 20 hat Shirley schon Sex mit 18 Männern gehabt. Ich fühle mich auf der Stelle wie eine verstockte Tante. "Soooo viele?", frage ich staunend, "ist das nicht ein bisschen viel?" Daraufhin ernten Tina und ich einen entgeisterten Shirley-Blick, frei nach dem YOLO-Motto: "Gönn' dir!"

Shirley sagt, als Frau habe sie, verdammt nochmal, die gleichen Rechte wie ein Mann. Wenn ein Mann viele Sexpartnerinnen habe, sei er ein Hecht, eine Frau werde aber immer noch mit dem Schlampen-Image abgestempelt. Das sei so was von überholt!

Wir geben ihr sofort recht und bieten ihr solidarisch einen Soave an. Aber Shirley möchte sich nicht hinsetzen, sie möchte lieber schimpfen. Je mehr sie sich echauffiert, desto mehr denke ich, "die Jugend von heute" immer weniger zu verstehen. Unglaublich, dass ich das selbst einmal sagen würde. Ich erinnere mich noch, wie sehr mich dieser Großeltern-Spruch früher genervt hat. Damals, als ich noch jung war - vor 400 Jahren.

Shirley erklärt uns, alle ihre Freundinnen haben öfter Sex mit verschiedenen Partnern. Es sei wichtig, Erfahrungen zu sammeln, der Sex würde dadurch auch besser. Manchmal entwickele sich "aus einem Wochenend-Fick", wie sie es nennt, eine Beziehung, manchmal nicht. Mit Beziehung meint sie: drei Monate. Ab und an sei der Sexpartner auch einfach nur ein guter Freund, da sei von vornherein klar, dass es nur ums Knattern ginge. Und sowieso: Shirley nehme sich, was und wen sie wolle und habe eben Spaß an ihrer Sexualität.

Chlamydien? Frag Siri!

"Und was ist jetzt das Problem?", wollen wir wissen. Die ihre Sexualität auslebende Shirley eiert ein bisschen herum und erzählt dann, ihr aktueller Lover, der Nino, habe auch mit einer Freundin von ihr "ein Ding am Laufen gehabt" und jetzt brenne es bei ihr und auch bei der Freundin, woraufhin Tina laut überlegt, ob die Nino-Girls sich eventuell "Chlamydien eingefangen haben könnten".

Vollkommen unwitziger Chlamydien-Dialog mit Shirley:

"Hey, Siri, nenne Symptome für Chlamydien!"

"Du kannst doch Siri nicht nach Chlamydien fragen!"

"Warum?"

"Darum! Weil man damit zum Frauenarzt geht!"

"Und wenn es Feigwarzen sind?"

Jetzt will sie Siri nach Feigwarzen anhauen.

Gewiss, "die Jugend von heute" geht ob der Digitalisierung mit dem Thema Sex ganz anders um. Jeder 13-Jährige hat heute die Möglichkeit, im Internet einen Porno anzuschauen.

"Woher kennst du diesen Nino denn?"

"Aus der Uni. Wir haben ein Referat vorbereitet, ich war bei ihm und dann hatten wir Sex."

"War es schön?"

"Klar!" Shirley kichert verlegen.

"Und was hat der so alles gemacht? Auch Cunnilingus?"

"Nee!" Sie wird ein bisschen rot. "Will der nicht! Ich hab ihm einen Blowjob verpasst. Ich bin sehr gut im Blasen!"

"Aber dich leckt er nicht?", fragt Tina.

"Nee. Nino hat einen ultraschönen Penis! Beschnitten. Sieht toll aus - viel schöner als die anderen. Der Sex war super!"

"Also, schöner Orgasmus?"

"Nino ja - ich nicht. Der rammelt immer so!"

Lieber schlechten Sex als gar keinen?

Wir halten fest: Shirley hat "Rammel"-Sex mit Nino und definiert den Coitus a tergo als "super". Zuvor verwöhnt sie ihn oral, er sie aber nicht. An Kondome denkt niemand, denn die "Dinger versauen immer die schöne Stimmung" und überhaupt: Nino sei "kein Freund von Lümmeltüten, weil die immer alles so abschnüren." Ohne Orgasmus darf Shirley nach Hause dackeln, wo sie sich nun mit der Frage herumplagt, ob sie sich beim Sex irgendwas eingefangen haben könnte. Und dann sagt sie - und sie meint das wirklich vollkommen ernst -, Sex sei heutzutage eben nicht mehr so verkopft, viel freier und so normal wie shoppen. Oder die Angst vor Geschlechtskrankheiten.

Die Antwort englischer Forscher von "Illicit Encounters" auf die Frage "Wie viele Sexpartner sind der Durchschnitt?" lautet: zehn. Das ist die magische Zahl. Studentinnen bis 30 haben im Schnitt sieben Sexpartner. Shirley liegt also schon deutlich drüber und obwohl es heißt, wer mehr Sexpartner hat, sammelt mehr Erfahrungen, wirkt sie unreif.

Statt diesem Vogel, der nur an sich denkt, die Lümmeltüte über die komplette Visage zu ziehen, sagt sie zu allem Ja und Amen - weil sie glaubt, das muss so sein, und weil sie bis jetzt scheinbar nur auf Bubis getroffen ist, die von Sex selber keine Ahnung haben, sich aber heldenhaft auf die Schulter klopfen, in der Annahme, es der Lady wieder so richtig besorgt zu haben.

Junge Frauen wie Shirley glauben, eine großen Beitrag zur Emanzipation zu leisten, wenn sie mit vielen Typen und einem Fuck-Konto mit den Männern gleichziehen. Aber viel Sex kann eben auch viel schlechter Sex bedeuten!

Auf die Frage nach dem Pingpong-Effekt zuckt Shirley nur mit den Schultern und schaut plötzlich verzückt auf ihr Handy. Es ist der Rammler mit dem "schönsten Puller", der fragt, ob sie vorbeikommt. Und schwupp, ist sie auch schon aus der Tür. Tina atmet erleichtert auf. Dann sagt sie mit desillusioniertem Unterton in der Stimme: "Wenn das kein Grund zum Saufen ist ..."

Quelle: n-tv.de


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