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Dürfen Radler das? Fünf Rechtsirrtümer beim Fahrradfahren

Radfahrer dürfen vieles, aber nicht alles.

Radfahrer dürfen vieles, aber nicht alles.

(Foto: picture alliance/dpa)

Was Fahrradfahrer im Straßenverkehr dürfen und was nicht, darüber scheiden sich nicht nur die Geister, sondern vor allem Radler und Autofahrer. Dabei ist vieles in der Straßenverkehrsordnung festgelegt, obgleich es nicht jedem logisch erscheinen mag.

Für Pedalritter gelten im Straßenverkehr in einigen Fällen andere Regeln als für Auto- und Motorradfahrer. Doch Alltagsradler sind nicht frei von Fehlinterpretationen ihrer Rechte. Fünf Beispiele für populäre Irrtümer und die entsprechende Richtigstellung.

Es ist verboten, mit dem Rad rechts zu überholen

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, obgleich es logisch erscheint. Denn nichts ist für Radfahrer gefährlicher, als Fahrzeuge rechts zu überholen. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO Paragraf 5, Abs. 8) dürften Radler Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und unter besonderer Vorsicht rechts überholen. Zum Beispiel an einer roten Ampel oder im Stau, also bei stehendem Verkehr. Aber nur dann, wenn genug Platz ist. Wer nicht vorbeikommt, muss warten. Und noch was:  Autofahrer sind nicht verpflichtet, rechts Platz zu lassen, damit die Radler vorbeifahren können.

Tatsächlich dürfen Radfahrer rechts an haltenden Autos vorbeifahren.

Tatsächlich dürfen Radfahrer rechts an haltenden Autos vorbeifahren.

Wenn ich nur mit dem Fahrrad unterwegs bin, kann ich meinen Führerschein nicht verlieren

Das stimmt so nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Führerscheinbehörde auch die Eignung eines Radfahrers, am Straßenverkehr teilzunehmen, in Zweifel ziehen. Wichtigstes Beispiel: Alkohol am Fahrradlenker. Ab 1,6 Promille ist auch ein Radler laut Einschätzung der Behörden absolut fahruntauglich. Wer derart alkoholisiert erwischt wird, muss mit Punkten und Geldstrafe rechnen. Außerdem kann die Behörde eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen. Wer durchfällt, verliert als Radfahrer seine Fahrerlaubnis ebenso wie ein Auto- oder Motorradfahrer. Auch ein Rotlichtverstoß mit dem Fahrrad kann zum Führerscheinentzug führen: Denn auch dafür gibt es Punkte, bei Überschreitung der Maximalzahl von 8 Punkten ist ein Fahrverbot die Folge, das auch fürs Fahrrad gilt.

Zwei Radfahrer dürfen nicht nebeneinander fahren

Auch wenn es aus Sicht der Autofahrer nicht nachvollziehbar ist, dürfen Radfahrer unter bestimmten Umständen tatsächlich nebeneinander fahren. Laut StVO (Paragraf 2, Abs. 4) dann, "wenn der Verkehr nicht behindert wird". Nach Angaben von Verkehrsanwälten ist das dann der Fall, wenn ein Auto mindestens 1,5 Meter Platz zum Überholen hat. Ist die Fahrbahn zu eng, müssen die Pedalritter hintereinander fahren. Anders ist es bei einer größere Gruppe Biker - die Rede ist von mindestens 15 Radfahrern, die einen "geschlossenen Verband bilden" (Paragraf 27, Abs. 1). Hier soll sogar zu zweit nebeneinander gefahren werden. Die Begründung: Der Verband ist für Autos einfacher zu überholen als eine lange Schlange hintereinanderfahrender Radler. Auch in verkehrsberuhigten Zonen dürfen Radfahrer nebeneinander fahren. Allerdings reicht hier nicht die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h - das Sonderzeichen 242.1 (Frau und Kind auf blauem Kreis, darunter ZONE) muss das Gebiet explizit als verkehrsberuhigt ausweisen.

Wenn für überholende Autos mindestens 1,5 Meter Platz ist, dürfen Radfahrer auch nebeneinander fahren.

Wenn für überholende Autos mindestens 1,5 Meter Platz ist, dürfen Radfahrer auch nebeneinander fahren.

(Foto: picture alliance / Jens Büttner/)

Radfahrer müssen immer den Radweg benutzen

Auch das gilt nicht in jedem Fall. Seit der StVO-Novelle 1997 müssen Radwege nur dann benutzt werden, wenn sie ein Verkehrsschild (Zeichen 237) kennzeichnet (rund, weißes Fahrrad auf blauem Hintergrund). Entgegen der Meinung vieler Autofahrer müssen Radler also einen parallel zur Fahrbahn verlaufenden Radweg nicht zwingend benutzen.

Wer ohne Helm unterwegs ist, trägt bei einem Unfall eine Teilschuld für seine Verletzungen

Automatisch gilt das nicht, hier entscheidet der Einzelfall. Es existiert in Deutschland zwar keine gesetzliche Helmpflicht, doch durch die Entscheidung eines Gerichts, das einer schwerverletzten Radlerin eine Teilschuld anlastete, gab es eine Rechtsunsicherheit. Und so stellte der Bundesgerichtshof als oberstes Zivilgericht klar: Für Alltags- und Freizeitradler muss allein ein fehlender Helm keine negativen Folgen haben. Wer allerdings mit dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs ist, kann ohne Helm aufgrund des höheren Verletzungsrisikos eine höhere Mitschuld tragen.

Quelle: n-tv.de , hpr/sp-x

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