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Steiler Aufstieg, harte Landung? Der Traum vom fliegenden Auto lebt

Terrafugia hat angekündigt, 2019 den Transition auf den Markt zu bringen.

Terrafugia hat angekündigt, 2019 den Transition auf den Markt zu bringen.

Bereits vor über 100 Jahren wurde das Flugauto erdacht. Im Zuge des zunehmenden Verkehrs wurden immer wieder Versuche gestartet, das Auto in die Luft zu bringen. Ein Durchbruch blieb bislang aus. Doch das könnte sich schon bald ändern.

Kaum dass das Auto laufen lernte, durfte es auch schon abheben. Der Traum von Zwittern, die beides - fahren und fliegen - können, ist fast so alt wie das Auto selbst. Zu wirtschaftlichen Höhenflügen hat es allerdings nie gereicht. Das soll sich allerdings ändern, denn diverse Firmen tüfteln seit einigen Jahren an sehr ambitionierten Flugauto-Projekten, die nach deren Vorstellungen bald schon in größerer Zahl abheben sollen. Ein Blick zurück auf die Anfänge, die jüngere Vergangenheit und eine doch recht vage Zukunft.

Der Entwurf eines "Autoplane" von Glenn Curtiss aus dem Jahr 1917 schaffte es nicht in die Serie.

Der Entwurf eines "Autoplane" von Glenn Curtiss aus dem Jahr 1917 schaffte es nicht in die Serie.

Während der Zeit des Ersten Weltkriegs, als die Fliegerei vor allem aus militärischen Erwägungen heraus mächtig Auftrieb bekam, wurde auch erstmals ein Flugzeug entwickelt, das gewisse Züge eines Automobils in sich trug. 1917 stellte der Luftfahrtpionier Glenn Curtiss, der unter anderem recht erfolgreich erste Flugboote baute, auch ein Flugauto vor. Zwar konnte das Autoplane kurzzeitig abheben, doch flugfähig war dieser Prototyp nicht.

Waterman Arrowbile

Es mussten knapp 20 weitere Jahre vergehen, bis, wiederum in den USA, das Pitcairn Autogyro AC-35 abhob. Das im Auftrag des US-amerikanischen Handelsministeriums von Pitcairn Aircraft gebaute Einzelstück war allerdings keine Mischung aus Auto und Flugzeug, sondern ein Tragschrauber mit geschlossener Kabine, der auch auf Straßen fahren konnte.

Am 21. März 1937 führte Watermann mit seinem "Aerobile" den Jungfernflug durch.

Am 21. März 1937 führte Watermann mit seinem "Aerobile" den Jungfernflug durch.

Das erste fliegende Auto ließ nur gut ein Jahr auf sich warten. 1937 hob das über sechs Meter lange Waterman Arrowbile mit gut elfeinhalb Meter breiten Flügeln tatsächlich ab. In der Luft als auch auf Land wurde das Gefährt von einem Automotor der Firma Studebaker angetrieben. Im Flugmodus waren rund 180 km/h möglich, auf Land um die 100 km/h. Eigentlich war eine Serienproduktion angedacht, doch das Kundeninteresse blieb trotz eines in Aussicht gestellten Kaufpreises von nur 1200 US-Dollar gering. Nach drei Exemplaren wurde bereits der Serienbau gestoppt. Insgesamt wurden sechs Arrowbiles gebaut, das letzte 1957 mit einem 120 PS starken, wassergekühlten Franklin-Tucker-Motor, der eine bessere Performance auf Land und in der Luft erlaubte als die Vorgängerversionen. Nummer 6 bekam sogar die Zulassung der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA, blieb aber ein Einzelstück.

Abheben für 1500 US-Dollar

Einen anderen Ansatz verfolgte seit dem Ende des zweiten Weltkriegs der amerikanische Erfinder und Abenteurer Robert Edison Fulton mit seinem Airphibian. Es handelte sich dabei um ein straßentaugliches Flugzeug, welches sich aus zwei Teilen zusammensetzte. Die vordere Flugkabine mit vier Rädern und Propeller ließ sich vom Flugzeugkörper mit den Tragflächen abkoppeln. Rund 90 km/h auf der Straße und über 190 km/h in der Luft waren möglich. Doch der ebenfalls von der US-Flugbehörde 1950 zugelassene Zwitter galt in der Luft als äußerst träge. Es blieb bei einem Airphibian.

Die zehn Meter Spannweite machten das ConvAirCar von 1947 für den Straßenverkehr völlig untauglich.

Die zehn Meter Spannweite machten das ConvAirCar von 1947 für den Straßenverkehr völlig untauglich.

(Foto: Getty Images file)

Ein weiterer US-Pionier der Nachkriegszeit war Moulton Taylor mit seinen Aerocar-Modellen I bis III. Entwurf Nummer 3, dessen Kernkörper sehr autoartig wirkte, hob 1968 erstmalig ab, konnte jedoch, trotz anderslautender Pläne, wie seine Vorgänger nie in Serie produziert werden.

Sogar ein richtiges Auto war das Convair Modell 118 aus dem Jahr 1947, das sich mit einem motorisierten Tragflächen-Körper koppeln ließ und so tatsächlich abheben konnte. Auch hier wurden Pläne für eine Großserienproduktion geschmiedet. Beim Bau von 160.000 Convairs wurde ein Stückpreis von 1500 US-Dollar avisiert. Gebaut wurden lediglich zwei Exemplare.

Schluss mit den Bruchlandungen

Recht ambitionierte Prototypen hat seit den 1960er-Jahren Paul Moller mit seinen Skycars M200M und M400 verfolgt. Die Skycars sehen wie futuristische Mini-Jets aus, deren Mantelpropellern von Wankel- und E-Motoren angetrieben werden. Diese Technik soll in ihrer stärksten Ausbaustufe über 500 km/h Fluggeschwindigkeit erlauben. Zwar hat Moller technisch eindrucksvolle Entwicklungsarbeit geleistet, die mehr als 200 Millionen Dollar verschlungen haben soll, doch auch der bislang letzte Anlauf für einen Marktstart im Jahr 2013 scheiterte.

2019 soll der Liberty von PAL-V abheben.

2019 soll der Liberty von PAL-V abheben.

Bei allen historischen Flugautos handelte es sich um hochtrabende Pläne, die stets mit Bruchlandungen endeten. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit an mehreren Serienmodellen gearbeitet wird, die bereits zeitnah in den Markt kommen sollen. Die ambitioniertesten Projekte sind ein fahrender Gyrocopter der holländischen Firma PAL-V, das slowakische Aeromobil sowie das mittlerweile vom chinesischen Autokonzern Geely einverleibte US-Unternehmen Terrafugia.

Terrafugia hat erst kürzlich angekündigt, das bereits 2009 vorgestellte Flugauto Transition im nächsten Jahr auf den Markt bringen zu wollen. Ebenfalls 2019 will PAL-V seinen rund 300.000 Euro teuren Liberty ausliefern. Aeromobil will 2020 mit dem 4.0 STOL so weit sein und 2025 den Senkrechtstarter 5.0 VTOL nachreichen. Man darf gespannt sein, ob das Flugauto dieses Mal zu einer steilen Karriere abhebt.

Quelle: n-tv.de , hpr/sp-x

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