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Die rollende Rockshow Das coolste Checker Cab der Welt

Von außen fast unscheinbar, hat es das "Ultimate Taxi" von Jon Barnes aber in sich.

Von außen fast unscheinbar, hat es das "Ultimate Taxi" von Jon Barnes aber in sich.

Wer in das "Ultimate Taxi" von Jon Barnes einsteigt, dem geht es nicht ums Ankommen. Im coolsten Checker Cab der Welt ist der Weg das Ziel. Die Partylounge auf Rädern ist seit Jahren ein Hotspot im Nachtleben des noblen US-Skiortes Aspen.

Es ist kalt in Aspen und die Nachtschwärmer in dem noblen Skiort trauen sich immer nur für ein paar Minuten nach draußen. Denn selbst zum Ende der Saison kann es hier oben, wo der Höhenmesser am Talgrund schnell mal 2400 Meter anzeigt, noch ziemlich frostig werden. Doch wenn Jon Barnes mit seinem Taxi um die Ecke kommt, wird allen wieder warm. Denn sein Checker's ist so etwas wie eine rollende Partyzone, mit der er den späten Spaziergängern gehörig einheizt - nicht umsonst nennt er es das "Ultimate Taxi".

Jon Barnes fährt nicht nur Taxi, er bedient auch das Keyboard, trommelt und macht Zaubertricks.

Jon Barnes fährt nicht nur Taxi, er bedient auch das Keyboard, trommelt und macht Zaubertricks.

Den Namen verdient sich der gelbe Riese des in New York geborenen Mittfünfzigers zu Recht. Denn Barnes hat den Wagen nicht nur zu einer Art rollenden Disco umgebaut, sondern er selbst spielt während des Fahrens auch noch ein halbes Dutzend Instrumente, singt und macht Zaubertricks.

"Ich hatte einen Heidenspaß"

Statt des Radios hat er erst ein Kassettendeck eingebaut, später einen CD- und einen MP3-Player und mittlerweile einen Laptop mit Online-Verbindung. Dazu Discokugeln und tausende LED-Birnchen, hunderte Meter von Glasfaserkabeln – sogar eine Leinwand und einen Beamer hat er installiert. "Ich hatte zwar keine Ahnung von Technik und musste mir von einem Freund den Unterschied zwischen Watt und Volt erklären lassen, aber ich hatte einen Heidenspaß dabei", erinnert sich Barnes an die Arbeit, die offenbar nie zu Ende ist. "Was man halt so macht, wenn man nach seiner Nachtschicht um die Mittagszeit herum aufwacht und noch ein paar Stunden Zeit bis zum nächsten Einsatz hat."

Der Blick durch die Brille verschärft die Illusion.

Der Blick durch die Brille verschärft die Illusion.

Über mangelnde Nachfrage kann sich der mobile Entertainer dabei nicht beklagen, selbst wenn er für die Fahrt mit dem Ultimate Taxi bis zu 100 Dollar die Stunde nimmt. In der Hochsaison ist er oft über Wochen ausgebucht und auch sonst vergeht kaum ein Abend, an dem er nicht unterwegs ist. Kaum bricht die Dämmerung über dem Skiort herein, kommt er von Glenwood Springs das Tal herauf gefahren, kreuzt, zwei, drei Runden um die Fußgängerzone in der ehemaligen Minenstadt und schon ist seine Fuhre voll. Dann wummern tiefe Bässe aus dem Blech, bunte Blitze zucken durch die Nacht und es beginnt eine Party, wie man sie im Auto nicht oft erlebt.

Perfekte Illusion

Aus seiner digitalen Jukebox zaubert er die Lieblingshits seiner Fahrgäste, unter den Sitzen quillt Bühnennebel hervor, bunte Laser malen psychedelische Muster in den Raum und wer da noch immer nicht von Sinnen ist, dem setzt Jon kurzerhand eine Brille auf, mit der er die Welt in lauter Sternen sieht. Dann leiert er die Leinwand herunter und während man mit Elton Johns "Rocket Man" über eine Achterbahn ins Weltall geschossen wird, fährt Barnes exakt das passende Tempo zum Film, so dass die Illusion perfekt ist. Schließlich hat er das schon 1000 Mal genauso gemacht und kennt die passende Strecke dafür aus dem Effeff.

Wer bei Barnes mitfährt hat mit Sicherheit Spaß.

Wer bei Barnes mitfährt hat mit Sicherheit Spaß.

Und als wäre das noch nicht genug, zieht er plötzlich ein kleines Saxophon hervor und begleitet die Musiker. Oder er spielt auf dem E-Piano und dem elektrischen Schlagzeug, das er auf dem Beifahrersitz montiert hat. Oder alles zusammen. Und natürlich bleibt das Taxi dafür nicht stehen, sondern rollt im Schritttempo unbeirrt weiter durch die einsamen Nebenstraßen des Nobeldorfes. Wozu hat man schließlich Ellbogen und Knie, wenn nicht zum Lenken, fragt der Fahrer und sein Gesicht wechselt zwischen schelmisch und unschuldig.

Fast jeden Promi im Auto gehabt

Seit Barnes den Alleinunterhalter auf Rädern gibt, hat er schon so ziemlich jeden Promi im Auto gehabt. Nicht umsonst ist das arktisch kalte Aspen der winterliche Hotspot für den amerikanischen Jetset. Bon Jovi, Glenn Frey von den Eagles, George Clooney oder Scarlett Johannson, Thomas Gottschalk oder Steffi Graf - sie alle haben schon auf der durchgesessenen Bank gehockt und sich von Pink Floyd, Billy Joel oder Elton John in fremde Welten beamen lassen. Ja, selbst ein paar US-Präsidenten hat Barnes schon gefahren.

Das Barnes mit seinem Taxi unterwegs sein darf verdankt er auch der Bekanntschaft zum Polizeichef von Aspen.

Das Barnes mit seinem Taxi unterwegs sein darf verdankt er auch der Bekanntschaft zum Polizeichef von Aspen.

Zu seinen Stammgästen zählt allerdings auch jemand, mit dem Barnes nicht ganz so gerne hausieren geht – der örtliche Polizeichef. Nur diesem Kontakt ist es zu verdanken, dass das Ultimate Taxi noch immer seine verrückten Touren dreht. "Aber ich hatte in 20 Jahren noch nie einen Unfall, fahre immer nur auf Nebenstraßen und selten schneller als Schritttempo", spielt der Showman das Unschuldslamm. Dass er nur Nebenstraßen nutzt und langsam fährt, hat neben dem heimlichen Segen der Behörden aber noch einen weiteren Vorteil: Der Verbrauch des guten alten Chevy-Motors hält sich halbwegs in Grenzen. Aber im Grunde ist es Barnes ohnehin egal, wie viel Sprit durch den Achtzylinder fließt. "Hier geht es nicht um Miles per Gallon, sondern um Smiles per Gallon", sagt der Entertainer – und in dieser Disziplin ist das Ultimate Taxi unschlagbar.

Diese Karriere war nicht geplant

Geplant hat Barnes diese Karriere, die ihn mittlerweile in so ziemlich jede Promi-Sendung des US-amerikanischen Fernsehens gebracht und auch im Rest der Welt zum Medienstar gemacht hat, freilich nicht. Sondern, dass er irgendwann begonnen hat, auf einem elektrischen Piano zu klimpern und sich zum Showstar am Steuer zu mausern, ist eigentlich aus der Not geboren. Und aus der Langeweile, sagt Barnes. "Denn ich war es einfach irgendwann leid, mir wochenlang die eisigen Nächte im Winter von Colorado um die Ohren zu schlagen und zu dösen oder zu lesen, bis endlich mal wieder ein Fahrgast kommt."

Also habe er sich ein bisschen die Zeit vertrieben und irgendwann gelernt, dass er damit auch mehr Gäste bekommt. "Denn je besser ich wurde, desto öfter wollten die Leute einfach so mitfahren. Und nicht, weil sie irgendwo hin mussten." Diesen Gedanken hat Barnes mittlerweile perfektioniert und dreht immer die gleiche Runde. Wer bei ihm einsteigt, kommt deshalb nach 45 Minuten am exakt gleichen Platz wieder heraus. "Aber er hat ein breites Lachen im Gesicht."

Quelle: n-tv.de , Benjamin Bessinger, sp-x

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