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Ohne Nachfolger Autos, die ihrer Zeit voraus waren

Der Opel Ampera war 2011 seiner Zeit voraus. Auch wenn das Konzept heute veraltet anmutet.

Der Opel Ampera war 2011 seiner Zeit voraus. Auch wenn das Konzept heute veraltet anmutet.

In der Geschichte des Automobils haben sich hoffnungsvolle Neuheiten immer wieder als Flop entpuppt. Diese Einschätzung muss aber nicht für alle Zeiten gelten. Einige erfolglose Modelle sind heute gefragte Gebrauchte oder gar auf dem Weg zum Klassiker.

Wenn Autos floppen, handelt es sich nicht automatisch um besonders schlechte Exemplare. Manchmal sind sie sogar besonders gut, nur ist die Welt noch nicht bereit. Fünf Beispiele von Pkw, die in ihrer Zeit ohne Nachfolger eingestellt wurden, heute aber wieder Chancen hätten.

Der Audi A2

Heute ist der A2 ein Kleinwagen-Klassiker. Ende der 1990er-Jahre wollten den eiförmigen Fünftürer nur ausgewiesene Spritsparfüchse haben. Vor allem die Variante mit dem 1,2-Liter-Diesel brachte es als Dreiliter-Auto zu Berühmtheit. Für Geizkragen war der kleinste Audi dennoch nicht die richtige Wahl, war er doch dem Premiumanspruch der Marke entsprechend teuer. Bis heute hat sich das nicht wirklich geändert: Der zuverlässige, dank Alu-Karosserie rostfreie und längst auch optisch zum Klassiker gereifte A2 ist trotz fortgeschrittenen Alters ein gesuchter und deshalb immer noch teurer Kleinweagen.

Schön war der Audi A2 nie. Dafür aber ein Raum- und Sparwunder.

Schön war der Audi A2 nie. Dafür aber ein Raum- und Sparwunder.

Die Neuauflage des A2 in Form eines Elektroautos hat es bis heute nicht in die Produktion geschafft. Dabei war die Elektrifizierung des A2 bereits im Jahr 2011 angedacht. Der Prototyp wurde seinerzeit auf der IAA gezeigt. Noch vor fünf Jahren wurde darüber gemunkelt, das der A2 mit E-Antrieb eine schlagkräftige Antwort auf den i3 von BMW sein könnte. Als Marktstart war des Jahr 2015 angedacht, aber die Pläne wurden schnell wieder ad acta gelegt.

Die Mercedes R-Klasse

Wer einmal in dem Stuttgarter Businessgleiter gefahren ist, kann sich nicht mehr erklären, warum der 2005 gestartete Crossover-Van der Oberklasse kein Hit geworden ist: Soviel Platz gibt es jenseits eines Kleinbusses nirgends – jedenfalls nicht in Kombination mit solch einem Fahrkomfort. Als Reiseauto war die R-Klasse nahezu perfekt. Die europäische Kundschaft griff stattdessen lieber zu den immer stärker aufkommenden SUV.

Die R-Klasse von Mercedes feierte in Europa nur mäßige Erfolge. In den USA lief 2017 das letzte Modell vom Band.

Die R-Klasse von Mercedes feierte in Europa nur mäßige Erfolge. In den USA lief 2017 das letzte Modell vom Band.

Dass dem R immerhin in China ein Achtungserfolg beschieden war, bekam hierzulande keiner mehr mit. Auch nicht, dass das letzte Modell erst 2017 in den USA vom Band lief. Künftig könnten luftige Raumkonzepte wie bei der R-Klasse wieder in Mode kommen – spätestens wenn das autonome Fahren das Auto immer mehr zum rollenden Wohnzimmer macht.

Der Renault Avantime

Schon der Name deutete an, dass Renaults Van seiner Zeit voraus war, lässt sich der französisch-englische Mix doch als "Vor-der-Zeit" übersetzen. Auch heute noch würde der zweitürige Edelvan wohl für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Immer noch zeitgemäß bis avantgardistisch wäre wohl seine Kunststoffkarosserie, die schon vor der Hochzeit des Leichtbaus die Pfunde purzeln ließ.

Der Renault Avantime ist auch aus heutiger Sicht ein recht verkorkstes Auto.

Der Renault Avantime ist auch aus heutiger Sicht ein recht verkorkstes Auto.

Umweltfreundlich im engeren Sinne oder auch nur praktisch war der durchgestylte Franzose aber nicht: Auf der Fläche eines Großraum-Vans brachte der skurrile Wagen lediglich zwei Erwachsene und ihre maximal drei Kinder unter. Für Schönheit allein wollte auch niemand zahlen. Am Ende wurden kaum mehr als 10.000 Exemplare zwischen 2001 und 2003 gebaut. In den heutigen Zeiten sehr teurer und recht unpraktischer SUV-Coupés hätte der Avantime vielleicht wieder eine Chance.

Der Toyota iQ

Pfiffig, praktisch und für einen Toyota sogar vergleichsweise chic rollte der Toyota iQ 2009 auf die Straßen. Der Kleinstwagen sollte die Herzen und Hirne der deutschen Großstädter im Sturm erobern. Dass das nicht klappte, hatte vor allem einen Grund: den hohen Preis. Was der Smart am Ende einfach ausgesessen hat, hat den Japaner die Karriere gekostet. In einem Umfeld mit haufenweise 10.000-Euro-Autos hatte der mindestens 30 Prozent teurere Kleinstwagen keine echte Chance. Und das trotz eines pfiffigen Zuschnitts: Keine drei Meter liegen die beiden Stoßstangen auseinander, innen finden jedoch bis zu vier Personen Platz.

Während Toyota mit seiner Plug-in-Idee viel Geduld bewies, hatten die Japaner beim iQ keine.

Während Toyota mit seiner Plug-in-Idee viel Geduld bewies, hatten die Japaner beim iQ keine.

Der Beifahrer ist so weit vorne platziert, dass hinter ihm ein weiterer Erwachsener sitzen kann. Nebendran, hinter dem Fahrersitz, gibt es einen weiteren Notsitz, auf dem zumindest kleine Kinder Platz finden. Zudem finden bis zu 400 Liter hinter der Heckklappe Platz.

Opel Ampera

Für den Mutterkonzern General Motors sollte der Cevrolet Volt ab 2011 der Retter aus der Image-Krise werden. Für Opel in Form des Ampera ein Leuchtturm technischen Vorsprungs. Elektroautos galten damals als heißer Trend, aber eher für die ferne Zukunft als für die unmittelbare Gegenwart. Der Ampera verließ sich daher nicht allein auf seine Batterie, sondern hatte noch einen Verbrennungsmotor an Bord, der die Akkus während der Fahrt auflud.

Eine weder elegante noch besonders effiziente Lösung, die folgerichtig bis heute nur wenig Nachahmer gefunden hat. Dafür schwingt sich das reine Elektroauto unterdessen auf sein Image als Kurzstreckenfahrzeug zu verbessern. Eine vernünftige Infrastruktur gibt es bis dato dennoch nicht, Dafür aber ein Haufen offener Fragen. Vielleicht sind die ja geklärt bis Opel den E-Corsa mit PSA-Technik auf den Markt bringt. Geplant ist der Marktstart am Ende des Jahrzehnts.

Quelle: n-tv.de , hpr/sp-x

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