Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 477 Wird aus Schoko-Weihnachtsmann ein Hase?

Von Jana Zeh

Kein Schokohase war früher ein Schokoweihnachtsmann.

Kein Schokohase war früher ein Schokoweihnachtsmann.

(Foto: imago/Karina Hessland)

Stimmt es, dass nicht verkaufte Schoko-Weihnachtsmänner in Fabriken wieder eingeschmolzen und zu Schoko-Osterhasen verarbeitet werden?

Jedes Jahr stellt sich die gleiche Frage: Was wird aus den Schokoladenweihnachtsmännern, die nicht verkauft werden? Eingeschmolzen und zu Osterhasen gemacht, glauben manche. Doch das stimmt nicht. Der Mythos, der jedes Jahr von Neuem aus der Schublade geholt wird, hält sich wahrscheinlich so standhaft, weil sich Schokoladenliebhaber nicht vorstellen können, dass die niedlichen Leckereien in Häschenform im Müll landen, wenn sich auch zum halben Preis nach den Festtagen keine Abnehmer finden. Das geschieht wohl auch nicht so oft, denn Kindereinrichtungen und die Tafeln in Deutschland sind auch nach Ostern dankbare Abnehmer.

Aus rein technischer Sicht wäre ein Einschmelzen und Wiederherstellen neu geformter Schokoladenhohlkörper machbar, selbst in hochautomatisierten Großbetrieben. Dennoch gibt es eine Reihe von Gründen, es nicht zu tun. An erster Stelle steht wohl die Rentabilität. Für die großen Hersteller lohnt es sich einfach nicht, die übriggebliebenen Hasenhohlkörper abzuholen, von Hand auszupacken, einzuschmelzen und neu herzustellen. Dieser Aufwand würde den Preis der Schokoladenfiguren ungefähr vervierfachen. Zudem könnte es Probleme mit der sogenannten Chargenkennzeichnung geben.

Hygienevorschriften machen es unmöglich

Das Gesetz jedoch, keine alten Lebensmittel zu verwenden, gibt es heute nicht mehr. Es ist unnötig geworden, weil die penibel überwachten Hygienevorschriften in Lebensmittelfabriken klar regeln, dass Produkte, die bereits in Läden standen, weder in die Fabriken zurückkehren noch dort weiterverwendet werden dürfen.

Ein weiterer Grund wäre der Geschmack. Da sich durch zu große Hitze und mehrfaches Schmelzen der Fettgehalt in der Schokoladenmasse verändert wird, kann sich auch der Geschmack verändern. Das trifft vor allem die Vollmilchschokolade beziehungsweise das Fett im Milchpulver, das sich in ihr befindet. Herbe oder sehr dunkle Schokoladen dagegen könnten öfter geschmolzen werden, ohne dass der Geschmack leidet. Grund ist die Kakaobutter, die das einzige Fett in einer Bitterschokolade ist.

Die Herstellung von Schokoladenhohlfiguren ist anspruchsvoll, denn sie müssen besonders vorsichtig behandelt werden. Bricht die Figur, so wird sie in vielen Betrieben tatsächlich wieder eingeschmolzen und neu gefertigt. Ein alter Weihnachtsmann allerdings wird nicht eingeschmolzen, um daraus Osterhasen zu fertigen.

Übrigens: In kleinen Konditoreien wird das Schokoladen-Recycling mit Einschmelzen und Wiederverwenden auch praktiziert, allerdings nur, wenn die Schokolade noch frisch genug ist.

Quelle: n-tv.de

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