Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 466 Wie gefährlich sind Steckdosen?

Von Andrea Schorsch

Kinder finden Steckdosen spannend. Ein lebensgefährliches Spiel - wenn die Steckdose nicht auf die eine oder andere Weise abgesichert ist.

Kinder finden Steckdosen spannend. Ein lebensgefährliches Spiel - wenn die Steckdose nicht auf die eine oder andere Weise abgesichert ist.

(Foto: imago/JOKER)

Viele erinnern sich noch, wie die Eltern früher mahnten: Finger weg von Steckdosen! Und bloß nichts reinstecken! Heute hört man immer wieder: Kindersicherungen in Steckdosen braucht man eigentlich nicht. Was stimmt?

Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren zu Hause auf Entdeckungstour gehen, werden sie von diesen Schweinsnasen-ähnlichen Dingern in der Wand mitunter magisch angezogen. Die Testreihe, was alles in die eigenen Nasenlöcher passt, läuft vielleicht noch. Und was liegt da näher, als mal zu schauen, wie es sich mit diesen kleinen Steckdosen-Öffnungen verhält?

Dass der Nachwuchs sie mit den Fingern erkunden und dann gut leitende Stricknadeln, Büroklammern oder Nägel darin versenken könnte, ist der Alptraum vieler Mütter und Väter. Um einen tödlichen Stromschlag auf einfache Weise zu verhindern, kleben sie Kindersicherungen in die Steckdosen.

Doch es gibt auch Eltern, die in dieser Hinsicht von vornherein recht entspannt sind. Sie meinen, dass man für Steckdosen heutzutage eigentlich keine Kindersicherungen mehr brauche. Haben sie recht? Was passiert, wenn man in eine Steckdose fasst?

Bei modernen Anlagen fliegt die Sicherung raus

"Die Finger sind nicht so sehr das Problem", sagt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), auf unsere Frage. "Für Erwachsene jedenfalls sind intakte Steckdosen berührungssicher, denn deren Finger passen ja nicht in die Öffnungen."

So kann er aussehen: ein im Sicherungskasten eingebauter Fehlerstrom-Schutzschalter mit Prüftaste.

So kann er aussehen: ein im Sicherungskasten eingebauter Fehlerstrom-Schutzschalter mit Prüftaste.

(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

Das dürfte sogar auch für die meisten Kinderfinger gelten und ist schon mal beruhigend. Doch wenn es der Nachwuchs mit der Stricknadel versucht? "Dann kommt es darauf an, wie die Steckdose abgesichert ist", so Dechert, und er schickt das Zauberwort gleich hinterher: Fehlerstrom-Schutzschalter.

Wer einen solchen im Sicherungs- beziehungsweise Verteilerkasten hat, ist auf der sicheren Seite. Denn ein Fehlerstrom-Schutzschalter unterbricht in Millisekunden den Stromkreis, wenn etwas anderes als ein Schuko-Stecker in der Steckdose landet. "Er misst die Differenz des Stroms, der rein- und rausfließt", erklärt der Fachmann. "Und sobald die Messung einen gewissen Wert überschreitet, löst der Fehlerstrom-Schutzschalter aus. Es passiert dann nichts, man spürt auch nichts. Innerhalb von Sekundenbruchteilen ist der Strom abgeschaltet und die Sicherung rausgeflogen."

Fehlerstrom-Schutzschalter lässt sich nachrüsten

Seit 2009 muss in Deutschland jeder neu in ein Haus eingebaute Steckdosen-Stromkreis mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (kurz: FI-Schutzschalter oder RCD) ausgerüstet sein. Stand der Technik aber ist das Gerät schon länger. Für Badezimmer waren FI-Schutzschalter bereits 1984 vorgeschrieben. Bei älteren Häusern allerdings ist er mitunter noch nicht montiert, denn eine Nachrüstpflicht besteht nicht.

"Wenn Kinder in alten Häusern, in denen es noch keinen Fehlerstrom-Schutzschalter gibt, auf die Idee kommen, mit Steckdosen zu experimentieren, kann das lebensgefährlich sein - das muss man ganz klar sagen", warnt Dechert. Auch er verweist auf Klebesicherungen, doch man könne auch die üblichen Steckdosen gegen Kindersicherungsdosen austauschen: "Bei denen sind die Öffnungen von innen verschlossen und gehen nur auf, wenn man zwei Kontakte gleichzeitig und auf beiden Seiten mit gleichem Druck hineinsteckt", erklärt Dechert.

Da sich ein solcher Steckdosenschutz aber immer auch überwinden lasse, rät der Experte in jedem Fall dazu, einen Fehlerstrom-Schutzschalter einzubauen. Meist sei eine solche Nachrüstung möglich. "Das hängt vom Alter der Anlage ab", sagt Dechert, "aber das kann der Fachmann schnell überprüfen".

Eines muss dann noch gewährleistet sein: Die Kontakte des FI-Schutzschalters dürfen im Lauf der Zeit nicht verkleben. Deswegen sollte der Mieter oder Hausbesitzer immer mal wieder den entsprechenden Prüfknopf drücken – am besten monatlich. "Wenn man es hundertprozentig sicher haben will", so Dechert, "hat man beides: einen Fehlerstrom-Schutzschalter und dann noch Kindersicherungsdosen dazu." Doppelt hält eben besser. Und mehr geht in diesem Fall dann auch wirklich nicht.

Quelle: n-tv.de

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