Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 69 Wie bekommen Schnecken Junge?

Die große Weinbergschnecke steht unter Naturschutz. Sie frisst die Eier von Nacktschnecken.

Die große Weinbergschnecke steht unter Naturschutz. Sie frisst die Eier von Nacktschnecken.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Meine Klasse, eine erste Klasse, hat die Schnecke für sich entdeckt. Sie glaubten, Schneckenkinder zu sehen. Nun, wie bekommen Schnecken ihre Nachkommen? Per Ei? (fragt Veit Lamprecht von der Grundschule in Lutter)

Ja, Schnecken legen Eier, bestätigt Walter Wimmer, Schneckenexperte des NABU und Leiter des Nationalparkhauses Sankt Andreasberg. Die meisten unserer einheimischen Schnecken sind Zwitter, das heißt, sie können bei der Paarung entweder Männchen oder Weibchen sein. Die Annahme, dass sich während einer Paarung beide Schnecken gegenseitig befruchten, ist bis auf wenige Ausnahmen falsch. Die Befruchtung passiert in der Regel nacheinander, also bei einer späteren Begattung. Dann legen die Schnecken die Eier und aus denen schlüpfen die jungen Schnecken. Allerdings nur, wenn sie eine geeignete Umgebung zur Reifung vorfinden. Die Umgebung der Eier sollte eine gewisse Feuchtigkeit haben, damit die Eier nicht austrocknen. Für viele Arten ist starkes Totholz ganz wichtig, denn dieses kann eine ganze Menge Feuchtigkeit halten.

Haben frisch geschlüpfte Schnecken ihre Häuser gleich dabei?

Schneckenarten mit Häusern, so genannte Gehäuseschnecken, schlüpfen tatsächlich mit einem kleinen Haus aus dem Ei. Bei ausgewachsenen Schnecken kann man am oberen Teil des Schneckenhauses auf der Spitze einen ganz kleinen glatten Bereich entdecken. Das ist quasi die Babyschale der Schnecke, mit der sie auf die Welt geschlüpft ist, erklärt Wimmer weiter.

Solange die Schnecke wächst, wächst auch das Haus der Schnecke mit. Gehäuseschnecken sind mit ihrem Haus verwachsen und können es nicht verlassen. Leere Schneckenhäuser sind die Überreste von Schnecken, die entweder gestorben sind oder von einem Feind gejagt und verspeist wurden. Dabei werden kleine Schnecken ganz verschluckt und größere Arten oft zertrümmert. So kann man gelegentlich an den so genannten Drosselschmieden ganze Haufen von Gehäusen verschiedener Bänderschnecken finden, die von Drosseln auf einem Stein zertrümmert wurden, um an den Weichkörper zu gelangen.

Indische Laufenten lieben Nacktschnecken. Leider sind diese Enten in unseren Gärten recht selten.

Indische Laufenten lieben Nacktschnecken. Leider sind diese Enten in unseren Gärten recht selten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie viele Eier legt eine Schnecke und in welchem Alter wird sie geschlechtsreif?

Das kommt auf die Schneckenart an. Die Weinbergschnecke beispielsweise legt 30 bis 40 relativ große, weiße Eier pro Gelege lose in dafür selbst gegrabene Erdlöcher. Manche Arten legen auch deutlich weniger Eier. Viele unserer Schneckenarten werden noch innerhalb des ersten Lebensjahres geschlechtsreif.

Was kann man gegen Schnecken im Salat im Garten machen?

Wichtig ist, dass nicht alle Schneckenarten Schäden anrichten. Die meisten Gehäuseschnecken fallen als Schädlinge praktisch nicht ins Gewicht, da sie überwiegend von totem Pflanzenmaterial leben. Unangenehm sind vor allem die Spanischen Wegschnecken, da sie kaum Feinde haben.

Gegen die anderen unliebsamen Schnecken helfen zunächst ihre natürlichen Gegenspieler. Das können Vögel, Bilche, Marder, Igel und andere Tiere sein. Sollte das nicht ausreichen und die Schnecken tatsächlich den Salat kahlfressen, können einige schneckenfreundliche Tipps helfen:

- Gießen Sie Ihre Salatpflanzen am besten am Morgen, denn da haben sich die Schnecken verkrochen. Am Abend werden die Schnecken von der Feuchtigkeit angelockt.

Hier wird eine Weinbergschnecke von zwei Hainbänderschnecken überholt.

Hier wird eine Weinbergschnecke von zwei Hainbänderschnecken überholt.

(Foto: picture-alliance / dpa)

- Sammeln Sie die Schnecken von den Pflanzen ab und setzen Sie diese weit weg vom Salat wieder aus. Wenn man sie nur über den Gartenzaun wirft, ist das Absammeln nicht sinnvoll, denn sie kommen zurück.

- Steinmehl oder Sägespäne als Sperren um das Salatbeet sind nur geringfügig sinnvoll, denn nach jedem Regen weichen die Sperren auf und sind damit unwirksam. Zerbröselte Eierschale lockt Schnecken eher an, denn sie brauchen den Kalk, damit ihr Haus gut weiter wachsen kann. Außerdem können sie mit Hilfe ihres Schleimteppichs ohne Verletzungen auch über zerbröselte und scharfkantige Eierschalen oder Ähnliches kriechen.

- Aufwendig, aber wirkungsvoll sind so genannte Schneckenzäune, über die die Tiere wegen ihres umgebogenen Randes nicht kriechen können. Eine einmalige Anschaffung zahlt sich aus.

- Sehr wirkungsvoll, aber aufwendig ist ein kleiner Wassergraben um das Salat- und Gemüsebeet, denn Schnecken gehen ohne Not nicht ins oder durchs Wasser. Aber achten Sie darauf, dass Sie keine Schnecken oder Schneckeneier innerhalb der Begrenzung haben.

Übrigens: Das Überstreuen von Schnecken mit Salz oder das Ertränken von Schnecken in Wasser- oder Bierfallen bedeutet für die Tiere einen qualvollen Tod und ist mit dem Tierschutz nicht vereinbar, denn Schnecken sind wichtige Tiere für das ökologische Gleichgewicht. Sämtliche Singvögel in unseren Breiten beispielsweise füttern ihre Jungen mit Schnecken, damit der darin enthaltene Kalk ihren Jungen bei der Knochenbildung zugute kommt und die Weibchen später auch die Eierschalen bilden können. Das ist nur ein Beispiel dafür, welche Bedeutung Schnecken im gesamten Naturhaushalt haben. In sauren Böden beispielsweise geht der Bestand der Schnecken zurück. Daraufhin hat mancherorts schon der Bruterfolg von Singvögeln nachgelassen, weil die Eierschalen nicht mehr stark genug ausgebildet waren, berichtet Wimmer.

Quelle: n-tv.de