Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 490 Welches Öl ist am gesündesten?

Von Andrea Schorsch

Öl ist nicht gleich Öl. Womit trifft man die beste Wahl?

Öl ist nicht gleich Öl. Womit trifft man die beste Wahl?

Kokosöl ist gerade angesagt. Nicht nur, weil es herrlich exotisch schmeckt; es soll auch sehr gesund sein und sogar beim Abnehmen helfen. Da scheinen andere Öle nicht mithalten zu können. Oder doch? Welches Öl empfehlen Ernährungsexperten?

Für Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke steht fest: Es gibt nicht das eine bestimmte Öl, das am gesündesten ist. "Olivenöl etwa ist gut", sagt die Wissenschaftlerin, "aber auch Rapsöl. Sonnenblumenöl hat ebenfalls seine Vorteile. Und wenn es nicht ums Braten geht, sind Walnussöl und Leinöl sehr empfehlenswert."

Oliven-, Raps- und Sonnenblumenöl? Das klingt geradezu profan und kein bisschen nach Superfood. Doch so gewöhnlich diese Öle für uns heutzutage sind, so gesund sind sie auch: "Olivenöl enthält sehr viele einfach ungesättigte Fettsäuren", erläutert Olias. Die können sich positiv auf die Blutfettwerte und den Cholesterinspiegel auswirken, wovon auch das Herz-Kreislauf-System etwas hat. "Und Olivenöl ist sowohl für Salate als auch – wenn es raffiniert ist – zum Braten gut geeignet", beschreibt die Expertin die Vorteile.

Mindestens ebenso sehr kann das Herz-Kreislauf-System von Rapsöl profitieren. Denn das hat, wie Olias sagt, "besonders viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ist reich an der Omega-3-Fettsäure." Das ist ein großer Pluspunkt, denn mehrfach ungesättigte Fettsäuren kann der menschliche Organismus nicht selbst produzieren, sie sind für ihn aber unentbehrlich. Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden. Dafür eignet sich zum Beispiel fetter Fisch wie Makrele, Lachs und Hering, die viel Omega-3-Fettsäure enthalten, oder eben Rapsöl.

Als das DIfE eine Studie mit übergewichtigen Männern durchführte, von denen eine Gruppe Rapsöl konsumierte und die andere Olivenöl, wirkte sich Rapsöl insgesamt besser auf den Fettstoffwechsel und die Leberwerte aus als das Olivenöl. Beide Öle waren raffiniert, um Effekte von sekundären Pflanzenstoffen zu vermeiden und sich so auf die Fettwirkung konzentrieren zu können. "Das ist nur eine einzelne Studie, aber sie zeigt, dass Rapsöl gesundheitsförderliche Effekte hat", betont Olias.

Auch Sonnenblumenöl hat viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, der Anteil an Omega-3-Fettsäuren aber ist deutlich geringer als bei Rapsöl. "Sonnenblumenöl ist dafür häufig sehr reich an Vitamin E, das die Zellen schützt", benennt die Wissenschaftlerin einen Vorteil dieses Öls. "Außerdem gibt es viele Sonnenblumenöle, die hitzebeständig sind und die man also auch zum Braten verwenden kann. Das ist dann auf dem Etikett vermerkt."

Kokosöl hat einen entscheidenden Nachteil

Mit dem Braten ist es nämlich so eine Sache. Fette, die dafür nicht geeignet sind, können beim Erhitzen ihre positiven Eigenschaften verlieren und unter Umständen sogar eine eher schädigende Wirkung entfalten. "Öl ist eben nicht gleich Öl", gibt Olias zu bedenken. "Man muss genau schauen: Native Öle etwa unterscheiden sich von raffinierten oft auch dadurch, dass sie einen tiefen Rauchpunkt haben." Dann gehören sie nicht in die Pfanne.

Das gilt zum Beispiel auch für Walnussöl und Leinöl. Die sind ebenfalls sehr reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere der Omega-3-Fettsäure, und daher sehr empfehlenswert – aber eben nur über Salat oder etwa zu Pellkartoffeln mit Quark. Diese beiden Öle sind nur für die kalte Küche geeignet.

Und wie steht es nun um das so in Mode gekommene Kokosöl? Olias ließ es auf unsere Frage nach den gesündesten Ölen zunächst unerwähnt. Spitzenreiter ist es unter Ernährungswissenschaftlern nicht. "Kokosöl enthält etwas mehr mittelkettige Fettsäuren", weiß die Expertin, "und diesen sagt man nach, dass sie günstig seien, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Krebs vorzubeugen. Außerdem", fährt Olias fort, "weisen einige Studien darauf hin, dass mittelkettige Fettsäuren bei einer Gewichtsabnahme unterstützend wirken können. Der Körper muss nämlich mehr Energie aufwenden, um sie für sich nutzbar zu machen."

Das hört sich alles sehr gut an, ob sich all diese Effekte aber auch mit Kokosöl beobachten lassen, sei fraglich. Zudem hat Kokosöl einen entscheidenden Nachteil: "Es ist reich an gesättigten Fettsäuren und davon essen wir ohnehin schon genug", sagt Olias. "Außerdem kann der Körper gesättigte Fettsäuren auch selbst herstellen." Gesättigte Fettsäuren werden mit schlechten Cholesterinwerten und Arterienverkalkung in Verbindung gebracht – sofern man es mit ihnen übertreibt. Sie sind in Butter und Fleisch vorherrschend. Und in Kokosöl. Dieses ist daher, so das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, kaum gesünder als Butter.

Verzichten muss man auf Kokosöl trotzdem nicht. In Maßen kann es durchaus zum Einsatz kommen in der Küche. "Am besten fährt man wohl", resümiert Olias, "wenn man verschiedene Öle variiert und mal das eine und mal das andere benutzt." Dann profitiert die Gesundheit und für Abwechslung im Geschmack ist ebenfalls gesorgt.

Quelle: n-tv.de

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