Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 497 Was unterscheidet Lächeln vom Grinsen?

Nicht jeder Gesichtszug ist schnell und eindeutig einzuordnen.

Nicht jeder Gesichtszug ist schnell und eindeutig einzuordnen.

(Foto: imago/Westend61)

Ein Lächeln kann Türen öffnen, heißt es. Diese spezielle Art der nonverbalen Kommunikation läuft hauptsächlich über das Gesicht. Allerdings ist nicht jedes Hochziehen der Mundwinkel wirklich freundlich gemeint.

Der besondere Gesichtsausdruck des Lächelns, bei dem durch die Jochbeinmuskulatur, in der Medizin auch als Zgomaticus bekannt, die Mundwinkel zur Seite und nach oben gezogen werden, kann vieles bedeuten. Es kann Ausdruck des guten Willens oder der guten Laune sein. Es kann aber auch sein, dass man jemanden anderes anlächelt, um ins Gespräch mit ihm zu kommen. Oder um die eigene Verunsicherung zu kaschieren.

Es gibt also eine Reihe von unterschiedlichen Gründen, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Lediglich Kleinigkeiten im Gesicht lassen beim geübten Gegenüber die unterschiedlichen Motivationen erkennen, aus denen auch die unterschiedlichen Weisen zu Lächeln entstehen. Normalerweise entscheidet man im Bruchteil einer Sekunde, welche Art zu Lächeln jemand anderes zeigt. Doch was, wenn Verunsicherung entsteht, ob man beispielsweise freundlich angelächelt, beschmunzelt oder hämisch angegrinst wird?

Dann fragt man jemanden der es wissen muss. "Der grundlegende Unterschied zwischen Lächeln und Schmunzeln ist der Adressat", erklärt die Expertin für Körperrhetorik, Nadine Kmoth. Ein echtes Lächeln bezieht sich sehr oft auf andere. "Man lächelt jemanden an", so Kmoth weiter. Das bedeutet, man nimmt durch das Lächeln Kontakt zu anderen oder einer Situation auf. Die Körperhaltung dabei ist eher extrovertiert. "Beim Lächeln zeigt man sich insgesamt offener als beim Schmunzeln", stellt die Expertin einen wesentlichen Unterschied heraus. Manchmal können beim Lächeln sogar die Zähne durch die Lippen hindurchblitzen.

Lächeln vor der Kamera wirkt meistens unecht.

Lächeln vor der Kamera wirkt meistens unecht.

(Foto: imago/Westend61)

Schmunzeln ist ein stilles Lächeln

Beim Schmunzeln hingegen, das als eine abgemilderte Form des Lächelns eingeordnet wird, ist man eher mit sich selbst beschäftigt. "Man schmunzelt oftmals still vor sich hin", sagt Kmoth, die auch Autorin ist und Coachings zur Körpersprache leitet. Schmunzeln kann entstehen, ohne dass man einen Interaktionspartner benötigt. Man schmunzelt über eine besondere Erinnerung oder einen absurden Gedanken in einer bestimmten Situation. "Körpersprachlich ist es eher als stilles Lächeln zu bezeichnen", betont die Expertin. Die Lippen bleiben geschlossen und die Körperhaltung ist eher introvertiert. 

Das Grinsen dagegen ist eher eine starke, provokante Form des Lächelns. Man grinst jemanden anders zumeist bewusst an, um sein Gegenüber herauszufordern, zu provozieren oder sogar abzuwerten. Grinsen entsteht oftmals auf der Basis von Zynismus, Arroganz und Abgrenzung – und manchmal auch aus Verlegenheit. "Jemanden anderes anzugrinsen ist eher eine Kampfansage als ein freundliches Kommunikationsangebot", erläutert die Expertin. Die Körperhaltung ist unbeteiligter als bei den anderen Formen des Lächelns, denn die gesamte Energie wird für die Mimik benötigt. Grinsen ist eine hochkomplexe Angelegenheit die beispielsweise Kleinkinder nicht bewusst beherrschen. Fangen ältere Kinder in Stress- oder Streitsituationen zu Grinsen an, dann treibt es Eltern oftmals in den Wahnsinn. Sie glauben, dass das Grinsen der Ausdruck einer zusätzlichen Frechheit ist. Doch das ist in den meisten Fällen nicht so. Mit ihrem Grinsen zeigen Kinder eine Art evolutionäre Demutsgeste, mit der sie um Verzeihung bitten wollen. Leider wissen die meisten Eltern nichts davon.

Auch wenn prinzipiell die Unterscheidung zwischen Lächeln, Schmunzeln und Grinsen gemacht werden kann, bleibt die nonverbale Kommunikation zwischen Menschen individuell, komplex und situationsabhängig. Zudem entwickelt sie sich stetig weiter. Ein Dauerlächeln von Frauen im Job kann beispielsweise auch als Unterwerfungsgeste gedeutet werden und die Karriere behindern. Ist man verunsichert, wie ein Lächeln wirklich gemeint ist, sollte man auf das spontane Bauchgefühl hören oder aber den anderen direkt darauf ansprechen.

Übrigens: Menschen, die in Berufen arbeiten, in denen Lächeln als Dauerzustand  verordnet wird, machen nicht nur einen Knochenjob, sondern haben zudem ein erhöhtes Risiko krank zu werden. Empfangspersonal, Flugbegleiter oder Animateure beispielsweise leiden deutlich öfter unter Depressionen, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Problemen entwickeln als Menschen in anderen Berufsgruppen.

Quelle: n-tv.de

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