Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 488 Was tun bei Gewitter im Wald?

Von Andrea Schorsch

Blitzschlag ist nicht die einzige Gefahr, die einem im Wald bei Gewitter droht.

Blitzschlag ist nicht die einzige Gefahr, die einem im Wald bei Gewitter droht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer von einem Gewitter überrascht wird, weiß im Allgemeinen, dass es jetzt keine gute Idee wäre, sich unter einen Baum zu stellen. Doch was macht man, wenn das blitzreiche Unwetter auf einer Wanderung im Wald über einen hereinbricht?

Blitze schlagen oft in die höchste Erhebung ein, die sich ihnen bietet. Deswegen sollte man sich von einzelnen Bäumen, Baumgruppen und auch dem Waldrand fernhalten, wenn es gewittert. Daran ändert auch die alte Volksweisheit "Buchen sollst du suchen, vor Eichen sollst du weichen" nichts. Für den Blitz ist es völlig unerheblich, um was für einen Baum es sich handelt, er hat da keine Präferenzen. Es gibt nur die eine Regel: Abstand halten, großen Abstand! Denn fährt der Blitz in den Baum hinein, kann sich die elektromagnetische Welle auch im Boden darum herum ausbreiten. Wer in der Nähe des Baumes steht, bekommt dann immer noch so viel Strom ab, dass das Herz-Kreislauf-System lebensgefährlichen Schaden nehmen kann.

Doch wie ist das, wenn man ausgerechnet auf einem Wald-Ausflug von einem Gewitter überrascht wird und gar nicht anders kann, als unter Bäumen zu stehen? "Da befindet man sich unter Umständen in akuter Lebensgefahr", sagt n-tv-Meteorologe Björn Alexander. Ist man mitten im Wald und die Bäume sind gleichmäßig hoch, ist das Risiko eines Blitzschlags zwar geringer als bei einer Baumgruppe auf der freien Wiese. Doch Alexander weist noch auf eine weitere Gefahr hin: "Die Windböen, die mit Blitz, Donner und den Schauern einhergehen können, sind unberechenbar", sagt er. "Mit ihnen droht Windbruch." Das bedeutet: Äste können abbrechen, Bäume abknicken oder entwurzelt werden. Und sie können Menschen erschlagen.

Wie Blitze entstehen

Die Brutstätte von Blitzen sind Gewitter. Diese entstehen, wenn warm-feuchte Luftmassen aufsteigen. Dann kondensiert das Wasser in ihnen und türmt sich zum ambossförmigen Cumulonimbus auf, einer Gewitterwolke. In der Höhe gefrieren die Wassertropfen zu kleinen Eisstücken, die sich durch Aufwinde im oberen Teil der Wolke halten können. Bei der Trennung von den absinkenden, flüssigen und halbgefrorenen Wassertropfen kommt es zu Reibung: Wassertropfen entreißen den Eisstücken Elektronen. Dadurch lädt sich der obere Teil der Wolke positiv, der untere negativ auf - es entsteht ein elektrisches Feld. Beim Überschreiten der kritischen Feldstärke entladen sich die Spannungen schließlich. Blitze zucken innerhalb der Wolke oder von der Wolke zur Erde.

Rein in die Wetterhütte

"In diesem Fall würde auch das auf einem Waldweg geparkte Auto womöglich keine ausreichende Sicherheit bieten", gibt Alexander zu bedenken. Auf keinen Fall sollte man sich auf Anhöhen, Hochsitze oder einen Aussichtsturm flüchten. Auch von Funkmasten, Antennen oder metallischen Gitterzäunen sollte man sich fernhalten. "Hierhin verirrt sich der Blitz eben besonders gern", so der Meteorologe.

Was also tun? Sich in eine Mulde zu hocken, kann eine Notlösung sein, wenn es um den Blitzschlag geht. Doch vor herabfallenden Ästen ist man auch damit nicht geschützt. "Richtigen Schutz bietet bei Gewitter im Wald nur eine stabile Wetterhütte", betont Alexander.

Da die aber nicht immer in erreichbarer Nähe ist, kann der Experte nur eines empfehlen: "Am besten ist es, vor und während eines Ausflugs in den Wald den Wetterbericht, die Wetterwarnungen oder eine Wetterapp mit einem Radarfilm im Blick zu behalten - auch wenn das nervig ist und wenig naturverbunden."

Gewitter und ihre Begleiterscheinungen lassen sich nicht bis ins Detail vorhersagen. Doch die heutige Technik erlaubt es zumindest, die Entwicklungen zu beobachten und frühzeitig zu reagieren. "Man sollte sich im Vorfeld immer über die Gewitterwahrscheinlichkeit informieren", sagt Alexander - und zwar nicht nur im Wald, sondern auch am Wasser, auf dem Feld und in den Bergen.

Quelle: n-tv.de

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