Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 470 Warum wird man vom Saulus zum Paulus?

Mosaik des Apostels Paulus in Rom.

Mosaik des Apostels Paulus in Rom.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sich "vom Saulus zum Paulus" zu wandeln, kann sprichwörtlich ganz schnell gehen. Die Redewendung beruht auf einer historischen Figur, von der in der Bibel erzählt wird - und auf einem Missverständnis.

Wenn ein Mensch eine 180-Grad-Wende vollzogen hat, sich vom Schlechten ab- und zum Guten hinwendet, dann ist er sprichwörtlich vom "vom Saulus zum Paulus" geworden. Die Redewendung beruht auf einer biblischen Erzählung. Doch eine solche Namensänderung hat es beim richtigen Paulus gar nicht gegeben.

Im Allgemeinen lautet die Erklärung für die Herkunft dieses Sprichwortes so: Saulus war ein gesetzestreuer Jude, der die ersten Christen mit aller Härte verfolgte und alles daran setzte, diese neue jüdische Sekte auszurotten. Dann, eines Tages, geschah etwas mit ihm, als er auf dem Weg nach Damaskus war: Er hatte eine Vision, in der ihm Jesus erschien. Saulus stürzte von seinem Pferd und erblindete drei Tage lang. Daraufhin änderte sich sein Leben vollständig. Er nannte sich nicht mehr Saulus, sondern Paulus. Er wurde zum Christen. Und zwar nicht zu irgendeinem, sondern zu dem, der durch seine Missionsreisen wesentlich dazu beitrug, das Christentum zu einer Weltreligion zu machen. Diese Episode aus Saulus' Leben nennt man auch "Damaskuserlebnis".

So weit, so gut. Es gibt nur ein Problem. Wer die Geschichte in der Bibel nachliest, im neunten Kapitel der Apostelgeschichte, der wird feststellen: Von einer Namensänderung des Protagonisten ist dort keine Rede. Durchweg bleibt Saulus auch Saulus. Und auch in den folgenden Kapiteln ist das der Fall. Der Name Paulus taucht nicht auf. Erst vier Kapitel später heißt es lapidar: "Saulus aber, der auch Paulus heißt, ..." - und fortan wird nur noch von Paulus gesprochen. Das heißt: Saulus bleibt Saulus, ob als Christenverfolger oder Christ.

Zwei Namen, eine Person

Was aber steckt dann hinter den beiden Namen dieses Mannes? Die Erklärung ist recht simpel - und hängt gar nicht mit einem veränderten Lebenswandel zusammen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Saulus zeitlebens auch auf den Namen Paulus hörte. "Saulus" (von Saul, "der Erbetene") ist schlicht sein hebräischer Name, den er in seinem jüdischen Umfeld benutzte. Es war damals für Juden nicht unüblich, im hellenistisch-römischen Umfeld einen weiteren Namen zu benutzen, der dem hebräischen ähnelte, für andere aber sofort verständlich war. Bei Saulus war das: Paulus (griechisch Παuλος, "der Kleine").

Wie Paulus angesprochen wurde, hing also mit dem Umfeld zusammen, in dem er sich bewegte. Er selbst erwähnt in seinen Briefen an keiner Stelle seinen hebräischen Namen Saulus, sondern bezeichnet sich immer als Paulus. Mit seiner Bekehrung bringt auch der Apostel seinen Namenswechsel nicht in Verbindung. Im Gegenteil: In Auseinandersetzungen mit judenchristlichen Kritikern innerhalb der ersten Gemeinden betont er immer wieder, dass er ebenfalls Jude sei.

Streng genommen handelt es sich bei dem Sprichwort "vom Saulus zum Paulus" in seiner gängigen Bedeutung also um ein Missverständnis. Irrtümlich wurde der Namens- mit dem Lebenswandel in Verbindung gebracht. In der Bibel wird es in keiner Weise so dargestellt. Woher dieser jedoch Irrtum kommt,  kann heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Quelle: n-tv.de


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