Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 456 Warum verfliegt die Motivation so schnell?

Von Wilhelmine Bach

Keine prompte Belohnung? Dann sieht es schlecht aus mit der Motivation.

Keine prompte Belohnung? Dann sieht es schlecht aus mit der Motivation.

(Foto: imago/Westend61)

Wenn ich eine Deadline einhalten muss, habe ich oft schon nach kurzer Zeit keine Lust mehr auf meine Arbeit. Mir kommt es so vor, als hätte ich nur eine bestimmte Menge an Motivation zur Verfügung. Ist das so? (fragt Alina S. aus Kiel)

Es ist der Horror aller, die auf Termine hinarbeiten müssen – seien es Studenten oder Selbstständige: Obwohl die nächste Deadline ansteht, kann man sich einfach nicht dazu aufraffen, etwas zu tun. Und wenn man etwas Motivation angesammelt hat, ist diese meist schon nach kurzer Zeit wieder verflogen. Warum? Stimmt da irgendetwas nicht? Sind Menschen, denen es so geht, etwa besonders faul?

Die Antwort heißt: Nein, sie sind einfach nur Säugetiere. Die Wurzel des Problems liegt - wie so oft - in der Evolution. Diese hat nämlich diejenigen zu Gewinnern gemacht, die viel essen und sich möglichst häufig paaren.

Späte Belohnung lockt nicht

Auf beide Aktivitäten folgte ein sofortiges Belohnungsgefühl in Form einer Ausschüttung der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin. "Unser Gehirn neigt deshalb dazu, Belohnung, die in ferner Zukunft liegen, als weniger wertvoll anzusehen, als solche, die sich in unmittelbarer Reichweite befinden", erklärt Martin Moder, Autor von "Treffen sich zwei Moleküle im Labor", das Motivationsproblem.

Dem Science-Slam-Europameister und Mikrobiologen zufolge können wir uns eher zu Aktivitäten motivieren, die einen schnellen Dopamin-Schuss hervorrufen. "Die Evolution hat uns leider nicht dafür optimiert, so abstrakte Ziele wie eine gute Benotung zu würdigen", sagt Moder.

Hilfe mit der Pomodoro-Technik

Doch es gibt Arbeitstechniken, die sich genau das zunutze machen: Moder empfiehlt die in Italien entwickelte Pomodoro-Technik. Diese Methode zur Steigerung der Produktivität sorgt für regelmäßige Dopamin-Kicks - und hält so die Arbeitsmoral hoch.

Auf jedes Arbeitsintervall von 25 Minuten folgt dabei eine 5-minütige Pause. Die lässt sich zum Beispiel für einen kurzen Social-Media-Check nutzen oder auch für ein wenig Gymnastik. Die Pause hebt das Dopamin-Level, die Genugtuung darüber, das gesetzte 25-Minuten-Intervall abgearbeitet zu haben, tut ein Übriges. Nach viermal 30 Minuten wird eine längere Pause von 15 bis 20 Minuten eingelegt - für den noch größeren Kick.

Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein: "Unsere Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist limitiert und aufbrauchbar" – wie Moder sagt. Warum das so ist, versuchen Forscher noch herauszufinden. Es gibt Hinweise darauf, dass es mit dem Zuckerverbrauch zusammenhängen könnte. Deswegen wird leider auch die Pomodoro-Technik nicht helfen, endlos motiviert zu bleiben.

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Quelle: n-tv.de

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