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Frage & Antwort, Nr. 478 Warum summen Mücken?

Na, hören Sie sie? Das Summen erzeugt die Mücke im vorderen Körper mithilfe ihrer Flugmuskulatur.

Na, hören Sie sie? Das Summen erzeugt die Mücke im vorderen Körper mithilfe ihrer Flugmuskulatur.

(Foto: imago stock&people)

Warum summen Mücken eigentlich so nervtötend, bevor sie stechen? Ist das nicht kontraproduktiv, weil wir uns dann wehren können? (fragt Jutta P. aus Plön)

Ssss – bei diesem Geräusch stellen sich die Nackenhaare auf. Eine Mücke ist im Raum und sie macht sich womöglich bereit, zuzustechen. Schon greift die Hand zur Fliegenklatsche. Schlaf muss sein.

"Eigentlich wäre doch ein lautloser Flug deutlich vorteilhafter", schreibt Mario Ludwig in seinem Buch "Gut gebrüllt! Die Sprache der Tiere". "Mit dem summenden Geräusch verraten die fliegenden Blutsauger ja ihrem potenziellen Opfer ihre genaue Position und bringen sich dadurch in akute Lebensgefahr." Dieses kann der Mücke dann, je nach Ausstattung, mit Insektenspray oder langen Schweifhaaren zu Leibe rücken und damit so gar nicht im Sinne der Mücke handeln. "Das Flügelsummen stellt also für die Stechmücken eigentlich ein echtes evolutionäres Handicap dar. Auf der anderen Seite erfüllt das summende Geräusch […] einen extrem wichtigen, arterhaltenden Zweck. Es dient der Kommunikation in Sachen Sex, genauer gesagt der Paarfindung", führt Ludwig aus.

Das Geräusch, das die Mücke im Vorderkörper mit Hilfe der Flugmuskulatur erzeugt, klingt nämlich verschieden, je nachdem, ob ein Männchen oder Weibchen summt. Der Flügelschlag versetzt die Luft um das Insekt herum in Schwingungen. Auf diese Weise erzeugen die größeren Weibchen mit lediglich 550 Flügelschlägen in der Sekunde ein tieferes Summen als die Männchen mit ihren 600 Schlägen. Dieser Unterschied ist von Vorteil, denn die Begattung spielt sich bei Stechmücken üblicherweise in großen Schwärmen ab. Die bestehen zum Großteil aus Männchen, die Weibchen werden von bestimmten Duftstoffen angelockt und fliegen hinein. Doch erst die geschlechtsspezifische Summfrequenz stellt sicher, dass Männchen und Weibchen zueinanderfinden.

Auf den richtigen Ton kommt es an

"Vernimmt ein Männchen also mit seinen äußerst empfindlichen Hörorganen, die sich an den Antennen der Tiere befinden, einen tiefen Sound, weiß es sofort, dass sich in seiner näheren Umgebung ein möglicherweise begattungswilliges Weibchen befindet", erklärt Ludwig. Da die Weibchen ebenfalls, wenn auch weniger sensibel, auf das Summgeräusch der Männchen reagieren, finden sie zueinander und die Begattung kann stattfinden.

Das geschlechtsspezifische Summen ist auch für Menschen nützlich. Denn so reicht ein einfacher Trick, um einen lästigen Mückenschwarm wegzulocken: Ein Musiker summt oder spielt auf einem Streichinstrument ein eingestrichenes C. Die Mückenmännchen, die dort irrtümlicherweise einen Schwarm paarungsbereiter Weibchen vermuten, werden sich dorthin in Bewegung setzten und die Weibchen mit sich ziehen.

Noch effizienter ist die Idee australischer Wissenschaftler: Sie bauten eine Falle, die die Mückenmännchen mit einer weiblichen Summfrequenz anlockt, um sie dann mit radioaktiver Strahlung zu sterilisieren. Mückenweibchen paaren sich nämlich nur einmal im Leben. Treffen sie dabei auf ein steriles Männchen, bleiben die Eier unbefruchtet. Eine solche Maßnahme – kurzfristig für den Menschen ein Gewinn – könnte allerdings langfristig zur Ausrottung der Stechmückenpopulation führen. Das wäre durchaus ein Verlust, denn die Insekten dienen vielen Singvogelarten als Futter. Und deren Gesang hören wir schließlich alle gern.

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Quelle: n-tv.de

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