Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 469 Warum sind Flamingos rosa?

Du bist, was du isst - das gilt auch für Flamingos.

Du bist, was du isst - das gilt auch für Flamingos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am Anfang sind sie grau. Junge Flamingos unterscheiden sich farblich sehr von ihren Eltern. Erst wenn sie erwachsen sind, leuchtet ihr Gefieder in sattem Pink oder schimmert rosa. Wie kommt die Farbe in das Tier?

Farbenprächtige Vögel gibt es viele. Man denke an den Pfau, den Eisvogel, an Kolibris oder Papageien. Wie die Tiere zu ihrem bunten Federkleid kommen, ist in vielen Fällen noch gar nicht genau erforscht. Mal entsteht die Farbe durch Pigmente, die in den Hautzellen enthalten sind, mal durch bestimmte Federstrukturen und damit einhergehende Lichtbrechungen. Beim Flamingo hingegen gilt: Du bist, was du isst.

Wenn Flamingos schlüpfen, haben sie einen grauen Flaum. Es dauert Jahre, ehe sich ihr Gefieder färbt. Erst im reiferen Alter werden sie rosa oder auch pink. Und der Grund dafür ist ihre Nahrung. Auf dem Speiseplan wild lebender Flamingos stehen nämlich Algen der Gattung Dunaliella und Kleinkrebse. Die einen wie die anderen enthalten ganz bestimmte Farbpigmente: Karotinoide.

Dieses Flamingo-Küken ist erst zwei Wochen alt. Es dauert noch eine Weile, bis es Farbe annimmt.

Dieses Flamingo-Küken ist erst zwei Wochen alt. Es dauert noch eine Weile, bis es Farbe annimmt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie der Name schon andeutet, sind es Karotinoide, die Karotten orange werden lassen. Auch Kürbisse, Apfelsinen und Aprikosen haben ihnen ihre Farbe zu verdanken. Tomaten sind durch Karotinoide rot, Mais gelb. Die gesunde Gesichtsfarbe von Babys, die viel Möhrenbrei essen, ist ebenfalls auf Karotinoide zurückzuführen. Selbst Grünkohl und Spinat enthalten den Farbstoff, doch wird er hier von grünem Chlorophyll überdeckt. Bei Flamingos nun lagert sich das Pigment in den Federn ab und färbt sie rosa oder pink.

Auch Mikroben mischen mit

Wie intensiv die Färbung ausfällt, hängt vom Nährstoffangebot ab. An der Laguna Colorada, einem See in Bolivien, werden Flamingos sogar tiefrot. Kein Wunder, hat doch der See selbst eine ähnliche Farbe - hervorgerufen von besonders vielen Dunaliella-Algen.

Daneben gibt es auch bestimmte Mikroben, die Gewässer rot färben, weil sie reich an Karotinoiden sind: das "Salzbakterium", wissenschaftlich Halobacterium salinarum genannt. Es steht am Beginn der Nahrungskette. Von den winzigen Organismen, die in stark salzhaltiger Umgebung zuhause sind, ernähren sich die Kleinkrebse - die dann wiederum von den Flamingos gefressen werden.

Das Halobacterium salinarum wurde jüngst zur Mikrobe des Jahres 2017 gekürt. Und es trägt maßgeblich zur Fortpflanzung der Flamingos bei. Die Weibchen der eleganten Vögel mögen es nämlich ausschließlich bunt. Blasse Männchen kommen bei ihnen nicht gut an. Im Zoo, wo die Ernährung der Flamingos eine andere ist und selten Algen oder Kleinkrebse zur Verfügung stehen, hat man beobachtet, dass die Tiere weiß bleiben – und es mit Nachwuchs infolgedessen nicht klappt. Deswegen fügt man dem Futter hier extra Farbstoffe hinzu.

Übrigens: Flamingos können in freier Wildbahn 20 bis 30 Jahre alt werden, im Zoo bei guter Pflege sogar über 80. In einigen Regionen der Welt wurden Flamingos bis ins 20. Jahrhundert hinein wegen ihres Fleisches gejagt. Ihre rosa schimmernden Federn jedoch waren nie begehrt. Der Grund? Sie verlieren nach dem Rupfen ihre Farbe.

Quelle: n-tv.de

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