Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 499 Warum kriechen Nacktschnecken auf Wege?

Der Name ist Programm: Die Spanische Wegschnecke kriecht nach einem Regenschauer gern auf Wegen.

Der Name ist Programm: Die Spanische Wegschnecke kriecht nach einem Regenschauer gern auf Wegen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Vor allem morgens muss man derzeit auf Wegen sehr aufpassen, um nicht auf Nacktschnecken zu treten oder sogar darauf auszurutschen. Die Tiere kriechen dutzendfach über Wege und Straßen, obwohl sie doch dort außerordentlich gefährdet sind. Warum machen sie das?

"Wenn die Tiere wüssten, dass die Wege gefährlich für sie sind, würden sie diese bestimmt nicht betreten", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland mit einem Augenzwinkern. Die Tiere verlassen ihr Versteck, wenn es feucht genug ist. Da der vergangene Winter relativ mild war und  der Sommer sehr feucht, haben Schnecken in diesem Jahr ideale Lebensbedingungen. Es scheint mehr von ihnen zu geben, als in den Jahren zuvor. Besonders die Spanische Wegschnecke, der Name weist bereits darauf hin, kann man nach einem Regenschauer auf Wegen und Straßen sehen – und wegen ihrer Braunfärbung schnell auch mal mit Hundekot verwechseln.

Größter Feind: die Trockenheit

"Nach dem Regen sind die Wege feucht. Das sind dann optimale Voraussetzungen für Nacktschnecken, um sich auf Futtersuche zu machen", erklärt der Zoologe die Motivation der langsamen Tiere. Über die asphaltierten Wege gleiten die Schnecken zudem leichter als im Unterholz oder auf Rasen, solange der Untergrund feucht genug ist. Dennoch suchen sich die Tiere nicht gezielt die für sie gefährlichen (Rad-)Wege oder Straßen aus. Die Futtersuche geschehe oft auf gut Glück, so der Experte weiter. Zudem sind nicht Fußgänger, Fahrräder oder der Straßenverkehr der größte Feind der Nacktschnecken, sondern die Trockenheit.

Doch Spanische Wegschnecken haben auch natürliche Feinde: Sie stehen auf dem Speisezettel von Igeln, Kröten und Blindschleichen. Die Tiere sind zwittrig; bei der Fortpflanzung haben sie damit "freie Auswahl". Sie legen mit bis zu 400 Eiern mehr als doppelt so viele Eier im Vergleich zu Bänderschnecken, die ein Haus auf ihrem Körper tragen. Die gefräßigen Tiere sind sowohl für Hobby-Gärtner als auch für professionelle Gemüsebauern ärgerlich. Egal ob Salat oder Hortensie - haben sie sich erst einmal ein Gebiet als Futterstelle erschlossen, fressen sie fast alles kahl, was sie finden können. Dennoch sind die Schnecken keine reinen Pflanzenfresser. Sie vertilgen auch abgestorbene Pflanzenteile, Aas, Kot und sogar die Körper ihrer toten Artgenossen.

Übrigens: Wer die Schnecken im Garten auf ganz natürliche Art und Weise loswerden will, der könnte sich Laufenten ausleihen. In einigen Regionen wird dieser Miet-Service bereits angeboten. Für die Tiere sind Schnecken der reinste Festschmaus, und vielen Gartenbesitzern macht es auch noch Spaß, ihnen beim Fressen zu zusehen.

Quelle: n-tv.de

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