Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 453 Warum hat der Mond keinen Namen?

Ist im Sonnensystem nur ein Trabant von vielen: der Erdmond.

Ist im Sonnensystem nur ein Trabant von vielen: der Erdmond.

(Foto: dpa)

Sie heißen Kallisto, Enceladus oder Titan: Die Monde, die andere Planeten im Sonnensystem begleiten, haben wohlklingende Namen. Bloß unseren eigenen Trabanten nennen wir schlicht Mond. Warum ist das so?

Sage und schreibe 182 Monde sind inzwischen bekannt, die um Planeten und Zwergplaneten im Sonnensystem ihre Bahnen ziehen. Allein Jupiter kann mit 67 Trabanten aufwarten. Bis auf einige recht kleine, die vorerst Bezeichnungen wie S/2003 J 5 oder S/2011 J 1 erhielten, haben alle Jupitermonde einen sagenumwobenen Namen: Die vier größten heißen Io, Europa, Ganymed und Kallisto; auch die anderen wurden nach Helden der griechischen Mythologie benannt. Bei den Trabanten von Mars, Saturn, Uranus und Neptun sieht es überwiegend genauso aus.

Der Erdmond hingegen heißt schlicht und ergreifend Mond – ohne kreative Schnörkel. Er ist nur ein Trabant von vielen. Und doch zeichnet unseren Mond natürlich eines aus: Er musste nicht entdeckt werden. Er war einfach da, von ihm wussten die Menschen von Anfang an. Lange Zeit rechnete niemand damit, dass es noch andere Trabanten geben könnte. Und das dürfte der Grund dafür sein, dass unser Mond keinen weiteren Namen hat.

Einfach göttlich

Für den Himmelskörper, der – im zunächst vorherrschenden geozentrischen Weltbild – ebenso um die Erde kreiste wie die Sonne und die fünf bis dahin bekannten Planeten, fanden die verschiedenen Völker ihre jeweils eigene Bezeichnung. "In den Sprachen der prähistorischen Zeit und dann der Antike bekam dieser Mond ganz unterschiedliche Namen", sagt Ulrich Köhler, Planetengeologe am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin, auf unsere Frage. "Sie nannten ihn Yutu in China, das ist der Jadehase, der die Mondgöttin begleitete, oder Jah in Ägypten. Bei den Römern hieß er Luna; Selene, die Leuchtende, bei den Griechen; Mani, was wohl der Wanderer am Himmel ist, bei den Germanen. Meistens", so Köhler, "wurde er mit einer Gottheit in Verbindung gebracht, die in oder auf dem Himmelskörper wohnte."

Fantasielos waren die Bezeichnungen für den Erdtrabanten also keinesfalls. Aus dem germanischen Namen Mani entwickelte sich das Wort 'Mond'. Und das sollte später zum Oberbegriff für 'Planeten begleitende Himmelskörper' werden. Denn 1610 machte Galileo Galilei eine unerwartete Entdeckung: "Er richtete erstmals das Fernrohr auf den Jupiter und das veränderte alles", erzählt Köhler. "Er sah nämlich, dass Jupiter von vier 'Sternen' umgeben ist, die jede Nacht ihre Position verändern. Es konnten also keine 'Fix'-Sterne sein wie all die anderen. Galilei hatte die ersten 'Monde' an einem anderen Planeten entdeckt!"

Auch Shakespeare inspirierte

Das war übrigens gleich in mehrfacher Hinsicht eine Sensation. Schließlich hatte der italienische Astronom mit eigenen Augen gesehen, dass es tatsächlich Himmelskörper gab, die sich nicht um die Erde drehten. "Das verschaffte Galilei die Gewissheit, dass Kopernikus recht hatte mit seinem 'heliozentrischen' Weltbild", sagt Köhler.

Die vier neu entdeckten Himmelskörper brauchten natürlich Namen. "Wie das damals in der Welt der Renaissance, des Humanismus und der Aufklärung üblich war, wurde da nicht lange gefragt", sagt der Planetenforscher mit einem Augenzwinkern. "Die Astronomen wählten in Absprache mit ihren Mäzenen, den Herrschenden, Figuren aus dem unerschöpflichen Fundus der klassischen Götterwelt der Griechen und Römer."

Aus diesem Fundus bediente man sich auch bei allen weiteren Trabanten, die in den folgenden Jahrhunderten mit immer besseren Teleskopen ausfindig gemacht werden konnten. Nur bei Uranus ließ man sich etwas anderes einfallen: Seine Monde wurden fast alle nach Figuren aus den Stücken Shakespeares benannt.

Und wie ist das heute? "Mit den Vorbeiflügen von Raumsonden im letzten Jahrhundert änderte sich der Brauch allmählich", sagt Köhler. "Die damit neu entdeckten winzigen Monde bekamen auch Namen aus anderen Mythologien, etwa von den Ureinwohnern Amerikas, den Inuit oder den Germanen."

Unser Mond aber bleibt der Mond – der Wanderer am Himmel.

Quelle: n-tv.de

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