Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 459 Warum beißen Marder in Kabel?

Marder lieben warme Motorräume.

Marder lieben warme Motorräume.

(Foto: imago stock&people)

Einsteigen, Zündschlüssel drehen und - nichts passiert. Viele Autofahrer haben das schon mal erlebt und ziemlich oft ist ein Tier daran schuld: Der Marder frisst im Motorraum so ziemlich alles an, was er findet. Aber warum?

Rund 160.000 Autos werden jedes Jahr allein in Deutschland von Mardern attackiert. Da stellt sich schnell die Frage, warum die Tiere so scharf auf Zündkabel, Bremsschläuche und sogar Keilriemen sind. Ist es ein bestimmter Stoff in den Kunststoffteilen oder die pure Langeweile, die die gefräßigen Raubtiere an diesem besonderen Plätzchen zu überbrücken versuchen?

"Weder noch", sagt Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland. "Auch wenn man lange Zeit glaubte, dass Weichmacher die Tiere auf den Geschmack bringen, weiß man heute, dass es der Geruch von Rivalen ist", erklärt der Experte n-tv.de. Das aggressive Verhalten der Tiere ist quasi ein Abreagieren, aber wahrscheinlich auch ein Markierungsverhalten. "Das kommt besonders häufig dann vor, wenn ein Marder in einem bereits besetzten Gebiet die Konkurrenz riecht, beispielsweise in einem Motorraum - und daraufhin alles anfrisst, was er dort finden kann." Das zerstörerische Gebaren vor allem der männlichen Tiere ist der Grund, warum viele Fahrzeuge wegen Marderbiss so stark beschädigt werden, dass sie repariert werden müssen.

Warum verkriechen sich die Tiere im Motorraum?

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Der Motorraum unter einem geparkten Auto ist ein geschützter, trockener und meistens auch ruhiger Platz, in dem die Tiere hervorragend Nahrungsreserven deponieren können. Vor allem in der kalten Jahreszeit bietet der Platz unter der Motorhaube nach jeder Fahrt auch ein warmes Plätzchen. "Da man sein Auto meistens an der gleichen Stelle oder zumindest in der Nähe abstellt, erkennen die Marder ihre Behausungen auf vier Rädern ganz leicht wieder", so Heiermann weiter.

Wer den Marder, der im Motorraum des Wagens lebt, loswerden will, muss einige Dinge beachten. Marder - hierzulande sind es vor allem Stein- und Baummarder - dürfen nicht gejagt oder gefangen, nicht verletzt oder getötet werden. Die Tiere unterliegen dem Tierschutzgesetz und dem Jagdrecht. "Schon der Versuch, den Marder zu fangen und woanders auszusetzen, ist Jagdwilderei und kann geahndet werden", betont Heiermann.

Marderabwehr mit Elektroschocks

Es gibt auf dem Markt verschiedene Angebote, um den Marder zu vertreiben. Diese reichen von Düften über Ultraschallgeräte oder Geräte auf Basis von Elektroschocks, die im Motorraum eingebaut werden sollen. Auch eine Unterlage aus Maschendraht, die unter das geparkte Auto gelegt wird, so dass das Tier keinen Halt darauf hat, kann zur Marderabwehr gut eingesetzt werden. Welche Variante die geeignete und vor allem wirkungsvollste ist, hängt von mehreren Faktoren ab. 

Solche Gitter können helfen, sind aber in der Handhabung schwierig.

Solche Gitter können helfen, sind aber in der Handhabung schwierig.

"Am besten und nachhaltigsten zur Mardervergrämung wirken die Geräte, die auf Basis von Elektroschocks arbeiten", sagt Heiermann. Bei dieser Variante werden die Tiere bei Kontakt durch einen kleinen Stromstoß eher erschreckt, bleiben aber unverletzt. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, der kann auch einen Experten beim Vertreiben der kleinen Raubtiere zu Rate ziehen. Bei den meisten Schädlingsbekämpfern gehört auch die Mardervergrämung zu den angebotenen Dienstleistungen. Aber auch in Kfz-Werkstätten kann meistens weitergeholfen werden.

Übrigens: Die Felle von Mardern waren als Pelze lange Zeit heiß begehrt. Zur Zucht allerdings haben sich die Tiere nicht geeignet. Sie vermehrten sich in Gefangenschaft schlecht und die Fütterung mit Fleisch war teuer. Aus den Haaren der Raubtiere werden jedoch bis heute besondere Pinsel hergestellt. Marderhaar-Pinsel sollen sich hervorragend für Aquarellmalereien eignen. Allerdings, so Tierschützer, gibt es auch qualitativ gleichwertige vegane Alternativen.

Quelle: n-tv.de

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