Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 462 Macht zu viel Schlaf müde?

Wenn Sie morgens nicht in die Gänge kommen, haben Sie vielleicht zu viel geschlafen.

Wenn Sie morgens nicht in die Gänge kommen, haben Sie vielleicht zu viel geschlafen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um topfit und konzentriert seiner Arbeit nachgehen zu können, braucht der Mensch im Durchschnitt sieben Stunden Schlaf. Manch einer fühlt sich aber auch nach einer sehr langen Nachtruhe noch müde und schlapp. Wie kann das sein?

Bei den meisten Menschen in Deutschland klingelt der Wecker werktags in der Regel nach sechs bis acht Stunden Schlaf. Mindestens sieben sollten es sein, um leistungsfähig in den neuen Tag starten zu können, heißt es in der Schlafmedizin. Doch das individuelle Schlafbedürfnis ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich: Manch einer steigt bereits nach sechs Stunden topfit aus dem Bett, während sich andere auch nach einer sehr langen Nachtruhe noch müde und erschöpft fühlen.

Wenn eine Erkrankung sowie Eisen- oder Vitaminmangel als Ursachen für ständige Müdigkeit ausgeschlossen werden können, stellt sich die Frage: Kann etwa zu viel Schlaf müde machen?

Offenbar ja, allerdings nicht wirklich müde, sondern eher depressiv. Das erklärt Dr. Hans-Günther Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): "Zu viel Schlaf macht nicht jeden Menschen müde, lust- oder antriebslos, aber immerhin zwei Drittel unserer Bevölkerung. Wenn diese Menschen lange schlafen, haben sie von einem bestimmten Schlafstadium, dem REM-Schlaf, sehr viel. Auf diesen erhöhten Schlafanteil reagieren 70 Prozent der Bevölkerung mit Stimmungsveränderungen". In diesen Fällen, so erklärt es der Schlafmediziner, "sprechen wir dann von einer 'Mini-Depression'". Genau aus diesem Grund werde depressiven Menschen in der Therapie auch der Schlaf entzogen, nicht weil man ihnen verbieten will zu schlafen, sondern um den REM-Schlaf zu vermeiden. Das wirke stimmungsaufhellend und erhöhe die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie.

Schlafbedürfnis ist genetisch bedingt

Eigentlich signalisiert der Körper mit zwischenzeitlichem Aufwachen, dass er ausgeschlafen hat. Doch gerade am Wochenende wird dieses Signal gerne ignoriert, sich noch einmal umgedreht, das Aufstehen herausgezögert – und somit das eigentliche Schlafbedürfnis überschritten. Die Konsequenz: Man fühlt sich lustlos und kommt nicht richtig in die Gänge.

"Für alle Menschen, die sensibel auf den REM-Schlaf reagieren, ist es wichtig, dass sie nicht zu lange schlafen, sondern nur die Schlafmenge bekommen, die ihren Bedürfnissen entspricht", sagt Weeß. Die Schlafmenge, die wir benötigen, ist genetisch bedingt; einen Einfluss darauf haben wir nicht. Neugeborene, Kleinkinder und Teenager haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Sie schlafen bis zu 16 Stunden am Tag. Mit den Jahren nimmt es kontinuierlich ab und bleibt ab dem Erwachsenenalter relativ konstant.

Die meisten Leute leiden heutzutage unter einem chronischen Schlafdefizit. Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, lasse sich deswegen am besten im Urlaub herausfinden, so Weeß. In der zweiten Woche stelle sich heraus, wie viel Schlaf ein Mensch wirklich benötige. Das Wachwerden ohne Wecker dient dabei als bestes Indiz für das persönliche Schlafbedürfnis.

Schlafqualität spielt eine Rolle

In besonderen Stresssituationen verlängert sich die individuelle Schlafdauer häufig, weil der Körper in der Nacht längere Regenerationsphasen braucht. Etwa 2 Prozent der Männer und 1,5 Prozent der Frauen brauchen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin regelmäßig zehn Stunden Schlaf, um tagsüber fit zu sein. Oftmals ist es für Betroffene schwierig, ihr genetisch bedingtes Schlafbedürfnis in Einklang mit einem normalen Arbeitsalltag zu bringen.

Doch nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Qualität des Schlafes bestimmt, wie erholt man sich am nächsten Morgen fühlt. Menschen, die durchschlafen, sind deswegen nach weniger Stunden erholter, als diejenigen, die sich nachts oft von der einen Seite auf die andere wälzen. Der Zeitpunkt des Zubettgehens spielt dabei keine Rolle - die Schlafphasen bleiben die gleichen.

 

Quelle: n-tv.de


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