Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 464 Macht Sport schlau?

Von Sophia Wagner

Sport macht den Kopf frei. Was passiert da im Gehirn?

Sport macht den Kopf frei. Was passiert da im Gehirn?

(Foto: imago/Westend61)

Sport hält fit und gesund. Gerade im Alter, wenn der Körper langsam abbaut, hilft regelmäßiges Training, Verletzungen vorzubeugen. Außerdem wird Sport als Präventionsmaßnahme für Demenz diskutiert. Trainiert er also auch das Gehirn?

Beim Sport scheiden sich die Geister. Die einen lieben die schweißtreibenden Strapazen, die anderen können sich einfach nicht dazu aufraffen. Dabei ist Sport genau das Richtige, um nach einem stressigen Tag abzuschalten.

"Sport und Bewegung verlangen viel von unserem Gehirn, vor allem vom motorischen Kortex", sagt Stefan Schneider. Er ist Professor für Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln. Der motorische Kortex ist im Gehirn für die Koordinierung von Bewegungsabläufen zuständig. Beim Sport muss er enorme Leistungen vollbringen, die Kapazitäten des Gehirns sind aber begrenzt. "Deshalb nimmt beim Sport die Aktivität im präfrontalen Kortex ab. Das ist der jüngste Teil unseres Gehirns, der für das Denken und Erinnern zuständig ist", sagt Schneider.

"Wirkt wie ein Computer-Reset"

Der präfrontale Kortex ist die Rechenzentrale unseres Gehirns. Hier kommen die Informationen an, werden verarbeitet und wieder hinausgeschickt. Bilanzen, Rechnungen, Kundengespräche - im Arbeitsalltag ist der präfrontale Kortex immer dabei. Aber auch er hat kein unendliches Fassungsvermögen. "Irgendwann sind es zu viele Informationen, das Gehirn kommt mit der Verarbeitung nicht mehr hinterher, es ist überfordert", meint Schneider: "Sport wirkt hier wie ein Computer-Reset. Durch die Verlagerung der Hirnaktivität in den motorischen Kortex wird der präfrontale Kortex 'entlastet'. Der Kopf wird dadurch quasi frei gemacht, der Stress ist weg." Wichtig ist allerdings, dass der Sport wirklich anstrengend ist. Außerdem, und das ist vermutlich für viele der Haken an der Sache: der Sport muss Spaß machen.

"Unsere Tests haben gezeigt, dass sich Leute bis zu 30 Minuten nach dem Sport wesentlich besser konzentrieren können. Der präfrontale Kortex wurde quasi geleert und kann neue Informationen schneller verarbeiten", sagt Schneider. Bei manchen Sportlern kann es sogar zum Flow-Erlebnis kommen: Man geht völlig im Moment auf und denkt nicht an vorher oder nachher. "Man kennt das vielleicht von kleinen Kindern, die komplett in ihr Spiel vertieft sind", sagt Stefan Schneider, "zu einem solchen Flow-Erlebnis kann es zum Beispiel auch während einer Meditation kommen." Sport macht also nicht schlauer, aber er hilft aber dabei, zu entspannen und dadurch das Gehirn besser zu nutzen.

Am Ball bleiben

Neben dem stressreduzierenden Effekt für das Gehirn wird Sport in den letzten Jahren auch vermehrt als Präventionsmaßnahme für Demenz diskutiert. "Sport wird vermutlich keine Auswirkungen auf die durch Demenz bedingten strukturelle Änderung im Gehirn haben, aber ein regelmäßiges Training kann dabei helfen, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen", sagt Schneider.

Denn das Gehirn braucht Input, um richtig zu funktionieren. Deshalb ist im Alter die Teilhabe am Alltag ein wichtiger Faktor. "Wer gesund und kräftig ist, der kann zum Beispiel seine Einkäufe länger selber erledigen. Der Weg zum Supermarkt, Produkte suchen, bezahlen, mit der Kassiererin reden, das alles ist multisensorischer Input, der unserem Hirn dabei hilft, am Ball zu bleiben", meint Schneider. Er empfiehlt deshalb, spätestens ab Mitte 30 bis Anfang 40 ein regelmäßiges Sportprogramm in den Alltag zu integrieren.

Quelle: n-tv.de

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