Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 475 Lächelt Mona Lisa oder nicht?

Viele Jahre wurde darüber gestritten, ob Mona Lisa traurig oder fröhlich schaut.

Viele Jahre wurde darüber gestritten, ob Mona Lisa traurig oder fröhlich schaut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie ist weltbekannt und dennoch weiß keiner, wer sie war. Das Rätsel um die Identität der Mona Lisa konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Wie die Mimik der unbekannten Schönen auf Betrachter wirkt, untersuchen Forscher mit eindeutigem Ergebnis.

Das Porträt der Mona Lisa ist berühmt. Das Gemälde ist das vielleicht bekannteste der Welt und könnte das meistkopierte aller Zeiten sein. Dabei birgt es viele Rätsel. Bis heute konnte weder geklärt werden, wer die Porträtierte ist, noch, warum Leonardo da Vinci Anfang des 16. Jahrhunderts die junge Frau malte. Streit gibt es auch immer wieder über ihren Gesichtsausdruck. Zeigt das Werk eine lächelnde oder eine traurige Frau?

Wie die Mimik der Mona Lisa auf Betrachter wirkt, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg deshalb untersucht. Sie fanden heraus, dass fast alle befragten Studienteilnehmer sie mit einem lächelnden Gesicht sehen. "Es war für uns eine große Überraschung, dass die Original-Mona-Lisa fast immer als fröhlich wahrgenommen wird. Das widerspricht der gängigen Meinung der Kunstgeschichte", sagt Jürgen Kornmeier, Leiter der Forschungsgruppe Wahrnehmung und Kognition am Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene.

Bei ihrer Untersuchung legten die Forscher den Probanden das Gemälde als Original und in acht verschiedenen Bild-Variationen vor. Auf denen waren die Mundwinkel leicht nach oben oder leicht nach unten verschoben. So entstand einerseits ein fröhlicherer und andererseits ein traurigerer Gesichtsausdruck.

Insgesamt 12 Probanden wurde das Original und vier bearbeitete Bilder in zufälliger Reihenfolge vorgelegt. Die Studienteilnehmer sollten beim Betrachten mittels Knopfdruck entscheiden, ob sie es als fröhlich oder traurig wahrnehmen und wie sicher sie sich in ihrer Entscheidung sind. Fast alle waren sich beim Original und bei den nach oben verschobenen Mundwinkeln sicher, dass Mona Lisa fröhlich aussieht. Zudem wurden die fröhlichen Varianten wesentlich schneller wahrgenommen als die traurigen. "Es scheint, als hätten wir einen Filter für positive Gesichtsausdrücke in unserem Gehirn", so Kornmeier. Bei den Bildern, bei denen die Forscher die Mundwinkel leicht nach unten verschoben hatten, schätzten die Teilnehmer die Mimik eher als uneindeutig ein.

Aus uneindeutig wird traurig

Doch die einfache Frage nach der Wahrnehmung des Gesichtsausdrucks reichte den Forschern nicht aus. Mit Hilfe eines weiteren Experiments wollten sie wissen, wie die Einschätzung der Mimik beeinflusst wird. Die Original-Mona-Lisa wurde den Teilnehmern nun als fröhlichste von acht Varianten gezeigt. Dadurch verschob sich die Wahrnehmung der Probanden. Sie bezeichneten das Original zwar immer noch als fröhlich, stuften jedoch die anderen Varianten, die sie noch im ersten Versuch als uneindeutig bezeichneten, nun als traurig ein. "Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", resümiert Kornmeier. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature".

Quelle: n-tv.de , jaz

Mehr zum Thema