Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 451 Können durch Husten Rippen brechen?

Von Jana Zeh

Beim Husten sollte man nicht nur die Hand vor den Mund nehmen, um andere zu schützen, sondern auch, um den Druck abzumildern.

Beim Husten sollte man nicht nur die Hand vor den Mund nehmen, um andere zu schützen, sondern auch, um den Druck abzumildern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich habe immer mal wieder heftige Hustenanfälle. Eine Freundin riet mir, mir das schleunigst abzugewöhnen, damit ich mir keine Rippe breche. Ich bin 32 und gesund. Kann das trotzdem passieren? (fragt Thomas M. aus Jena)

"Das ist tatsächlich möglich und gar nicht so selten" sagt Dr. Michael Barczok, der im Lungenzentrum Ulm praktiziert. "Mindestens einmal im Monat sehe ich so etwas", erzählt der Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde aus seiner Praxis. Betroffene bringen ihre Schmerzen allerdings nur sehr selten mit ihrer Art zu Husten in Verbindung. "Die meisten Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, dass Husten ein extrem aggressiver, körperlicher Akt ist", betont Barczok.

"Im Alltag atmen wir normalerweise langsam und ruhig", erklärt der Experte. Beim Husten dagegen wird zuerst eingeatmet, dann werden fast alle Muskeln im Oberkörper aktiviert, um die Luft mit Orkanstärke von bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus dem Körper zu befördern. Bei dieser Art des Hustens wird ein immenser Überdruck im Brustkorb erzeugt, bei dem große Kräfte frei werden, die durchaus zu einer Rippenprellung oder sogar zu einem sogenannten Hustenbruch führen können. "Dieser ist zwar schmerzhaft, aber aus medizinischer Sicht unbedenklich" sagt Barczok. Ein normaler Rippenbruch heilt innerhalb von sechs Wochen und wird meistens nur mit Schmerzmitteln behandelt.

Anders ist es bei Patienten mit porösen oder instabilen Knochen. Bei diesen kann es schon durch leichtere Belastungen zu Knochenbrüchen kommen. Osteoporose oder auch einige Krebsarten können die Ursachen für eine verminderte Knochendichte sein. Diese Patienten sowie jene mit chronischem Husten sollten unbedingt lernen, wie man bronchien- und knochenschonend hustet. 

Ein Rippenbruch wird mit einem Röntgenbild diagnostiziert.

Ein Rippenbruch wird mit einem Röntgenbild diagnostiziert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Schutzreflex des Körpers

Das Husten an sich ist ein Schutzreflex des Körpers, bei dem die Atemwege von Fremdkörpern oder Schleim befreit und gesäubert werden sollen. Dennoch kann man die Art und Weise, wie man hustet, aktiv beeinflussen. "Man sollte immer zärtlich Husten", rät der Experte. Das bedeutet, dass man in die vor den Mund gehaltene Faust hustet, um so die Luft etwas abzubremsen. So werden die Bronchien besser geschützt.

Wenn die Luft mit großer Geschwindigkeit durch das ungezügelte Husten aus dem Körper gejagt wird, bildet sich in den Bronchien ein Vakuum. In der Folge schlagen die Schleimhäute aufeinander und verletzen sich gegenseitig. Das wiederum führt zu neuem Hustenreiz. "Wird über einen längeren Zeitraum brutal gehustet, entsteht ein Teufelskreis", erklärt Barczok kurz und bündig.

Wie erkennt man einen Rippenbruch?

Ein durch Husten entstandener Rippenbruch wird meistens zufällig entdeckt. Er äußert sich durch plötzliche Schmerzen im Bereich von Brustwand, Schulter oder Rücken und wird oftmals mit Rücken- oder Bandscheibenproblemen in Verbindung gebracht. Auch ein Knirschen oder Knacken beim Ein- und Ausatmen ist möglich. Patienten mit solchen Symptomen sollten einen Arzt aufsuchen, um die Ursache für ihre Beschwerden klären zu lassen. Meistens bringt dann ein Röntgenbild Klarheit. Zudem kann man damit auch Tumorerkrankung erkennen oder ausschließen.

Der Bruch einer oder mehrerer Rippen birgt das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Grund ist die Schonhaltung, die durch den Bruch eingenommen wird. Aufgrund der Schmerzen, die durch dann beim Atmen entstehen, wird nicht mehr tief genug ein- und ausgeatmet. Die tiefer liegenden Lungenbereiche können nicht mehr ausreichend belüftet werden. So entsteht ein guter Nährboden für Bakterien, die dann eine Lungenentzündung auslösen kann.

Übrigens: Nicht nur durch Husten, sondern auch beim Niesen können Rippen brechen. Vor allem beim unterdrückten Niesen, bei dem man sich Nase und Mund zuhält. Gefährdet sind vor allem Personen mit Osteoporose oder anderen Knochenkrankheiten. Bei Menschen mit gesunden Knochen kommt das hingegen extrem selten vor.

Quelle: n-tv.de

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