Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 452 Können Hunde Menschen verstehen?

Den "Dackelblick" haben alle Hunde drauf.

Den "Dackelblick" haben alle Hunde drauf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Meine Freundin meint, dass mein Hund, ein sechsjähriger Labrador-Dobermann-Mix, nicht mitbekommen würde, wenn sie ihm mit sanfter Stimme böse Wörter sagt. Ich bin da ganz anderer Meinung. Selbstversuche haben keine eindeutige Antwort gebracht. Können Sie weiterhelfen? (fragt Anton L. aus Göttingen)

Lange Zeit sind Hundetrainer davon ausgegangen, dass die Stimmlage von Herrchen oder Frauchen das wichtigste Instrument beim Training mit ihren Vierbeinern ist. Ein Kommando sollte in einem Ton gegeben werden, der vom Hund eindeutig erkannt wird, genauso wie ein Lob. Die Wörter selbst waren zweitrangig, sollten aber möglichst immer dieselben für bestimmte Aktionen sein.

Eine neue Untersuchung hält dagegen. Sie rät den Hundehaltern, bei der Ansprache ihrer Tiere sowohl auf den Inhalt als auch auf den Tonfall zu achten. Verhaltensforscher von der Universität Budapest haben mit ausgefeilten Versuchsreihen herausgefunden, dass die Vierbeiner separat verarbeiten, wie und was ihnen gesagt wird. Die Verfahrensweise ist vergleichbar mit der im menschlichen Gehirn. Die Tiere nehmen Lob demnach nur dann als solches auf, wenn die Wörter sowie der Tonfall lobend sind.

Trainierte Hunde an einem Magnetresonanztomographen der Eötvös-Loránd-Universität.

Trainierte Hunde an einem Magnetresonanztomographen der Eötvös-Loránd-Universität.

(Foto: Eniko Kubinyi/Eötvös Loránd University/dpa)

Für ihre Untersuchung haben die Forscher um Attila Andics von der Eötvös-Loránd-Universität die Gehirnaktivitäten von 13 Hunden gemessen, während die Tiere Tonaufnahmen ihrer Trainerin hörten. Den sechs Border Collies, fünf Golden Retrievern, einem Deutschen Schäferhund und einem Chinesischen Schopfhund wurden verschiedene Versionen vorgespielt: lobende Worte mit lobender Intonation, lobende Worte mit neutraler Intonation und neutrale Worte mit lobender Intonation.

Normale Familienhunde

Alle Hunde, die untersucht worden sind, waren ganz normale Familienhunde, die ständig von Menschen und deren Gesprächen umgeben sind. Ihnen wurde vor der Untersuchung von ihren Haltern lediglich beigebracht, ruhig zu liegen. Nur so können die Gehirnaktivitäten mittels Magnetresonanz-Tomographen gesehen werden. 

Hund und Mensch verstehen sich manchmal auch ohne Worte.

Hund und Mensch verstehen sich manchmal auch ohne Worte.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Hörten die Hunde Wörter, die sie kannten, beispielsweise "Platz" oder "brav", wurden Teile der linken Hirnhälfte aktiv. Bei unbekannten Wörtern war das nicht der Fall  – ganz unabhängig von der Sprechweise. Umgekehrt aktivierten ein lobender und ein neutraler Tonfall in unterschiedlichem Maß Areale der rechten Hemisphäre, und zwar egal, bei welchem Wortinhalt.

Links Bedeutung, rechts Tonfall

Die Ergebnisse zeigen Andics zufolge, dass das Gehirn eines Hundes ähnlich wie das eines Menschen Sprache verarbeitet: Die linke Gehirnhälfte sei primär für die Bedeutung von Worten zuständig, die rechte für den Tonfall. Zudem sei bei den Hunden das Belohnungszentrum nur aktiviert worden, wenn sowohl die Worte als auch die Stimme der Trainerin lobend waren.

"Also können Hunde nicht nur auseinanderhalten, was wir sagen und wie wir es sagen, sie können beides auch kombinieren, um die Worte korrekt zu interpretieren", erklärt Andics. Die Studie kann den Wissenschaftlern zufolge dazu beitragen, dass die Kommunikation zwischen Menschen und Hunden noch effizienter wird. Die Grundlagen der Sprache teilen Menschen durchaus mit ihren geliebten Hunden.

Übrigens: Besonders schlaue Hunde können rund 1000 verschiedene Wörter unterscheiden. Die Vierbeiner können ihre Herrchen und Frauchen nicht nur in gewissem Maße verstehen, sie erkennen sie sogar auf einem Porträtfoto. Und damit nicht genug: Sie können bei unbekannten Personen auch unterscheiden, ob diese lächeln oder nicht. Guter Hund!

Quelle: n-tv.de , jaz/dpa

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