Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 457 Hilft Schnaps bei Erkältung?

Von Andrea Schorsch

Erkältung im Anmarsch. Jetzt mit Schnaps gurgeln?

Erkältung im Anmarsch. Jetzt mit Schnaps gurgeln?

Die einen schwören auf Hühnersuppe, die anderen auf Ingwertee. Und auch Whiskey oder Wodka gelten bei vielen als probates Mittel gegen Halsweh und verstopfte Nase. Alkohol desinfiziert schließlich, dagegen lässt sich kaum etwas einwenden. Oder?

"Rachenputzer": Ist damit nicht eigentlich schon alles gesagt? Hochprozentiger Alkohol räumt im Hals auf, er desinfiziert, sodass es den Erkältungserregern an den Kragen geht, und bereitet damit der ach so zähen Verschleimung ein Ende – möchte man meinen. Aber das stimmt so nicht. Auf Schnaps jedenfalls trifft diese Annahme nicht zu; weder auf Obstler und Likörchen noch auf Whiskey oder Wodka. Der Grund: Hochprozentig ist nicht gleich hochprozentig.

"Um eine keimabtötende Wirkung zu erzielen, müsste man einen 80-prozentigen Alkohol benutzen", sagt Dr. Michael Deeg, Sprecher vom Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte, auf unsere Frage. "Eine so hohe Alkoholkonzentration finden Sie aber in keinem Getränk. Deswegen sind Schnäpse völlig ungeeignet gegen Erkältung – egal, ob man sie trinkt oder damit gurgelt. Sie haben keine keimabtötende Wirkung."

Warmes Bier wirkt heilungsfördernd

Hinzu kommt, wie der HNO ausführt, dass starker Alkohol die Schleimhäute angreift und letztlich dem ganzen Organismus nicht gut bekommt. "Medizinisch-chemisch betrachtet", sagt Deeg, "ist Alkohol ein Zellgift. Der Körper muss dieses Gift unter einem gewissen chemischen Aufwand unschädlich machen. Das spricht ganz klar gegen Alkohol als Therapeutikum bei Erkältungen."

Wie so oft, gibt es aber eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. In diesem Fall ist es warmes Bier. "Hier verfliegt der Alkohol ja weitgehend, wenn das Bier erhitzt wird", sagt Deeg. "Und was dann tatsächlich gegen die Erkältung hilft, ist der Hopfen. Der enthält Bitterstoffe und ätherische Substanzen, die entzündungshemmend und heilungsfördernd wirken."

Doch wer trinkt schon gerne warmes Bier? Geschmacklich ist es von Medizin kaum zu unterscheiden. Anders die Hühnersuppe, die ebenfalls als Hausmittel bei Erkältung gilt. Was ist von der zu halten? Ist sie nur lecker oder wirkt sie auch? "Eine warme Suppe wird einfach als wohltuend empfunden, wenn man einen entzündlichen, empfindlichen Hals hat", sagt Deeg. "Und was auf jeden Fall vorteilhaft ist, ist natürlich die Flüssigkeitszufuhr. Denn bei einem Infekt verliert der Körper sehr viel mehr Flüssigkeit als unter normalen Bedingungen." Hühnersuppe ist also durchaus hilfreich, echte Wirkstoffe aber sind ihr nicht ohne Weiteres zuzuschreiben.

Ingwertee schmeckt und hilft

Wer die sucht und das warme Bier umgehen will, kann Ingwertee trinken. "Ingwer ist eine tolle Pflanze, die verschiedene wirksame Stoffe enthält", schwärmt der Mediziner. "Man kann ätherische Öle darin nachweisen, und dann ist da auch noch der aromatische Schärfestoff Gingerol. Beide, die ätherischen Öle und der Schärfestoff, haben eine entzündungshemmende Wirkung. Das ist erwiesen."

Und die Pflanzenwelt hat noch mehr zu bieten, wenn es um Erkältungsmittel geht: "Bei hartem Reizhusten etwa, diesem Husten, der schon wehtut, helfen Extrakte aus Hibiskus oder isländisch Moos oder Malve", sagt Deeg. "Bei starker Verschleimung hingegen sind Extrakte aus Thymian oder Fenchel angeraten." Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt empfiehlt entsprechende Phytopharmaka, also Medikamente auf pflanzlicher Basis, aus der Apotheke. Die greifen, wie die Hausmittel, auf die uralte Erfahrungsmedizin zurück und sind, wie Deeg sagt, "richtig gut und wirksam" – im Gegensatz zu Schnaps.

Quelle: n-tv.de

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