Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 476 Helfen Placebos auch bei Liebeskummer?

Placebos sollen helfen, mit den Schmerzen des Verlustes fertig zu werden.

Placebos sollen helfen, mit den Schmerzen des Verlustes fertig zu werden.

(Foto: imago/Westend61)

Eine Liebe endet, ein geliebter Mensch weist einen zurück - das gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die man machen kann. Wer das erleidet, hat eine 20 Mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Depression. Helfen gegen den Schmerz auch Scheinmedikamente?

Placebos helfen auch bei Liebeskummer. Die Gabe eines Scheinmedikaments mindert die schmerzhaften Empfindungen beim Anblick des oder der Verflossenen, berichten US-Forscher im Fachblatt "The Journal of Neuroscience". Ihre Untersuchungen zeigten, dass das Placebo bei der Unterdrückung emotionaler und körperlicher Schmerzen dieselben Hirnbereiche beeinflusst.

Die Wirksamkeit von Placebos bei der Behandlung körperlicher Beschwerden sei bereits recht gut untersucht, schreiben die Forscher um Leonie Koban von der University of Colorado in Boulder. Darüber, wie Scheinmedikamente die Gemütsverfassung beeinflussen, wisse man hingegen noch recht wenig - trotz der zum Teil erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen.

20 Mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Depression

Von einer geliebten Person zurückgewiesen zu werden, gehöre zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die ein Mensch machen könne. Menschen, die das erleben, hätten eine 20 Mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Depression als die Allgemeinheit.

Um die mögliche Wirksamkeit eines Placebos zu untersuchen, rekrutierten die Forscher 40 Menschen, die in den zurückliegenden sechs Monaten eine schmerzhafte, ungewollte Trennung erlebt hatten. Die Teilnehmer mussten auf einem Bildschirm Fotos ihrer Verflossenen oder eines guten Freundes betrachten und anschließend angeben, wie sie sich auf einer Skala von 1 bis 5 fühlen - von sehr schlecht bis sehr gut.

In einem zweiten Teil des Experiments bekamen die Teilnehmer einen schmerzhaften Hitzereiz am Unterarm verpasst. Wiederum mussten sie die Stärke ihrer Empfindungen angeben. Per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) zeichneten die Wissenschaftler während der Tests die Aktivität verschiedener Gehirnbereiche auf.

Dann begann die eigentliche Testphase. Die Probanden bekamen ein Salzwasser-Nasenspray verabreicht. Einem Teil der Probanden sagten die Wissenschaftler, es handele sich dabei um ein wirkungsvolles Schmerzmittel, das auch emotionale Schmerzen und negative Gefühle lindere. Den anderen Probanden sagten sie, das Mittel würde lediglich die Qualität der fMRT-Aufnahmen verbessern.

Soziale Schmerzen gelindert

Die anschließende Auswertung ergab, dass das Placebo tatsächlich die sozialen Schmerzen gelindert hatte. Die Hirnscans zeigten, dass die Aktivität in Bereichen abnahm, die mit sozialer Zurückweisung in Verbindung gebracht werden. Auch die körperlichen Schmerzen nahmen unter Placebo-Einfluss ab. Weitere Analysen ergaben, dass soziale und körperliche Schmerzen in den gleichen Hirnbereichen verarbeitet werden.

Letztes hatten auch schon frühere Studien gezeigt. Forscher um Nathan DeWall von der University of Kentucky hatten etwa vor einiger Zeit herausgefunden, dass ein einfaches Schmerzmittel wie Paracetamol bei Liebeskummer und Gefühlen von sozialer Zurückweisung helfen kann.

Quelle: n-tv.de , Anja Garms, dpa

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