Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 458 Heilen Wunden durch Pusten besser?

Schürfwunden sind bei spielenden, aktiven Kindern kaum zu verhindern.

Schürfwunden sind bei spielenden, aktiven Kindern kaum zu verhindern.

(Foto: imago/blickwinkel)

Egal, ob drinnen oder draußen: Wenn Kinder sich bewegen, kann es schon mal zu Verletzungen kommen. Probate Tröster haben Eltern schnell parat. Erstmal pusten und dann einfach Spucke drauf. Doch sind das wirklich geeignete Wundheiler?

Nach einem Sturz mit blutigem Knie oder aufgeschürften Ellenbogen machen Eltern meistens erstmal eines: pusten. Denn das hilft bei Wunden - heißt es zumindest oft. Ob das wirklich stimmt, weiß eine Expertin.

"Es ist nicht von Vorteil, auf eine Wunde zu pusten", sagt Sylke Schneider-Burrus, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin. Zwar habe das Pusten sicherlich psychologisch gesehen einen positiven Effekt. "Es bedeutet für Kinder Zuwendung und Aufmerksamkeit", sagt Schneider-Burrus. Und: "Die Luftbewegung bringt eine gewisse Kühlung und Linderung der Schmerzen."

Aber genauso wie beim Niesen oder Husten werden auch beim Pusten Erreger, wenn auch nur in geringer Menge, ausgestoßen, erklärt Schneider-Burrus. Diese könnten dann direkt in die Wunde gelangen. Außerdem kann durch zu viel pusten die Wunde zu trocken werden und so schlechter heilen. Die Zellen, die für die Wundheilung zuständig sind, gedeihen nämlich am besten in feuchtem Milieu.

Spucke drauf und gut

Das allerdings bedeutet nicht, dass man die Wunde seines Kindes mit Mutter- oder Vaterspucke benetzen muss. Auch wenn es immer wieder heißt "Spucke hilft", sollte fremder Speichel auf Wunden dringend vermieden werden. Im Mund befinden sich viele verschiedene Bakterienarten, die normalerweise harmlos sind, im schlimmsten Fall aber über eine Wunde in den Körper eindringen und so zu Infektionen führen können. Vor allem für Personen mit geschwächtem Immunsystem ist diese Art der Wundversorgung deshalb riskant.

Die eigene Spucke zur Wundversorgung heranzuziehen, ist nur ratsam, wenn kein sauberes Wasser zur Verfügung steht. Offene Wunden müssen nämlich vor allem sauber und ohne Fremdkörper sein, damit sie gut heilen können. Aus diesem Grund sollte man frische Wunden mit reichlich klarem Wasser ausspülen oder falls nötig sogar auswaschen. Sand, Steinchen oder Dreck sollten entfernt werden. Und dann? So keimfrei wie möglich abdecken. Damit ist auch die Frage geklärt, ob man Wunden lieber an der frischen Luft oder unter einem Pflaster heilen lassen sollte. Allerdings müssen Pflaster und Verbände regelmäßig gewechselt werden.

Größere, schlecht heilende oder infizierte Wunden sollten sowieso von einem Arzt versorgt werden, da es bei der Wundheilung zu verschiedenen Problemen und im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung kommen kann.

Übrigens: Tröstende Eltern müssen ja nicht mit voller Kraft direkt auf die offene Wunde pusten. Genauso tröstend ist es, wenn der heilende Luftstrom nur zart und ungefähr in Richtung Wunde weht. Wem das immer noch zu unsicher ist, der denkt sich einfach ein neues tröstendes Ritual aus.

Quelle: n-tv.de , jaz/dpa

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