Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 176 Haben Schnecken Zähne?

Wie frisst eine Weinbergschnecke?

Wie frisst eine Weinbergschnecke?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ich habe so etwas im Fernsehen gesehen, kann es aber nicht glauben: Hat eine Weinbergschnecke Zähne? Sind diese auf der Zunge? Und wenn ja, wie viele sind es? (fragt Isolde M. aus Lübeck)

Das Fernsehen konnte es nicht, doch vielleicht vermag Experte Jens Scharon vom NABU Berlin unsere Leserin zu überzeugen. Denn Schnecken haben in der Tat Zähne. Und zwar eine ganze Menge. Doch fangen wir vorne an:

"Wie alle Weichtiere besitzt die Weinbergschnecke ein spezialisiertes Organ zur Nahrungsaufnahme und -aufbereitung, die Radula", sagt Scharon. Wie dieses Organ verwendet wird, erkenne man am besten, wenn die Schnecke am Rand eines Salatblattes frisst, so der Naturschützer. "Dann kann man sehen, wie die Zunge aus der Mundöffnung hervorgestreckt wird, ein Stück des Blattes ergreift und in den Mund zieht, wo es vom Oberkiefer abgeschnitten wird."

Jens Scharon ist Referent für Artenschutz beim NABU Berlin.

Jens Scharon ist Referent für Artenschutz beim NABU Berlin.

(Foto: NABU / Scharon)

Die Kiefer alleine sind es also nicht, mit denen Schnecken "zubeißen". Vielmehr spielt ihre Zunge, in diesem Fall die Radula, die zentrale Rolle. "Unter dem Mikroskop erkennt man, dass die Zunge eine Art Raspelzunge ist", sagt Scharon. "In zahlreichen Querreihen sind dort mikroskopisch kleine Zähnchen angeordnet." Und zwar, wie er ergänzt, rund 40.000 Stück.

Ohne Mikroskop sieht man sie nicht: die zahlreichen, in Querreihen angeordneten Zähnchen einer Radula.

Ohne Mikroskop sieht man sie nicht: die zahlreichen, in Querreihen angeordneten Zähnchen einer Radula.

Raffinierte Technik

Dabei folgt der Einsatz der Zunge einer bestimmten Technik: "Die Radula der Weinbergschnecke ähnelt einem Schaufelradbagger", führt der Experte weiter aus. "Sie bewegt sich über einen Knorpelkern und wird durch die Nahrung gezogen. Die Radulazähnchen lösen dabei kleine Teilchen aus der Nahrung heraus und befördern sie nach hinten in den Schlund."

Weil sich die Zähnchen schnell abnutzen, entstehen im hinteren Teil der Radula ständig neue. Die Raspelzunge wächst also von hinten her nach.

Hier gut zu erkennen: der Schaufelradbagger im Einsatz.

Hier gut zu erkennen: der Schaufelradbagger im Einsatz.

(Foto: Wikipedia)

Neben den Schnecken gehören auch Muscheln und Tintenfische zu den mit einer Radula ausgestatteten Weichtieren. Radula-Typus, Anzahl der Zähnchen, Anordnung und Einsatztechnik sind allerdings sehr unterschiedlich. Sie hängen von der jeweiligen Lebens- und Ernährungsweise ab. Doch ganz gleich, um was für eine Radula es sich handelt: Es ist durchaus möglich, einer Schnecke auf den Zahn zu fühlen.

Quelle: n-tv.de

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