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Hawking überrascht mit Theorie Wie man einem Schwarzen Loch entkommt

Von Kai Stoppel

In dem Film "Interstellar" fliegt die Hauptfigur ebenfalls in das Schwarze Loch Gargantua - und überlebt.

In dem Film "Interstellar" fliegt die Hauptfigur ebenfalls in das Schwarze Loch Gargantua - und überlebt.

(Foto: Paramount Pictures/Warner Bros.)

Sie gelten als die Höllenschlunde des Universums: Schwarze Löcher. Wer hineinfällt, heißt es, verschwindet für immer. Stimmt nicht, sagt der weltberühmte Physiker Stephen Hawking. Es gebe einen Weg, wie man ein Schwarzes Loch überleben kann.

Bisher galt die Devise: Wer im Weltraum in ein Schwarzes Loch hineinfällt, hat für immer ausgespielt. Doch Stephen Hawking, der wahrscheinlich berühmteste lebende Astrophysiker, überraschte nun mit einer neuen Erkenntnis. "Wenn Sie das Gefühl haben, in ein Schwarzes Loch gefallen zu sein, geben Sie nicht auf. Es gibt einen Ausweg", sagt Hawking bei einem Vortrag an der Königlich Technischen Hochschule (KTH) im schwedischen Stockholm, über den die KTH auf ihrem Blog berichtet.

Als Schwarzes Loch bezeichnet man einen ehemaligen großen Stern, dessen Materie in sich zusammengefallen ist: zu einer sogenannten Singularität. Das ist ein Punkt ohne räumliche Ausdehnung und mit unendlich hoher Dichte. Dessen Gravitation ist dabei so stark, dass sich um die Singularität herum ein sogenannter Ereignishorizont bildet - das eigentliche Schwarze Loch -, aus dem weder Licht noch Materie nach außen gelangen können. Das dachte man zumindest bisher.

Astronaut wird zu 2D-Hologram

Hawking jedoch wirft diese alte Vorstellung über Bord - und löst damit ein bekanntes Problem der Physik (dazu später mehr). Nach Hawkings neuer Theorie würde etwa ein Raumfahrer, der sich mit seinem Raumschiff einem Schwarzen Loch nähert, nicht von der gewaltigen Gravitation des Lochs für immer verschlungen werden. Vielmehr, so Hawking, gibt es zwei Wege, auf denen der Raumfahrer überlebt. Mehr oder weniger. Allerdings klingen beide etwas kurios.

Der erste Weg: Der Astronaut wird am Rande des Schwarzen Lochs in ein zweidimensionales Hologram umgewandelt. Besser gesagt: die Information zu dem Aufenthaltsort der einzelnen Teilchen wie Atome, aus denen er besteht. Die zweite Möglichkeit: Der Astronaut rutscht durch das Schwarze Loch hindurch in eine andere Dimension. Dies erinnert an eine Szene aus dem Science-Fiction-Film "Interstellar" (2014) von Regisseur Christopher Nolan. Auch hier schafft es die Hauptfigur Cooper, nach dem Sturz in ein Schwarzes Loch diesem wieder zu entkommen. Im Inneren des Lochs fand er übrigens einen Tesserakt vor - einen vierdimensionalen Würfel.

"Ich möchte das sicher nicht ausprobieren"

Mit Hawkings neuer Theorie - die wohl im kommenden Monat publiziert wird - wäre auch das oben erwähnte, physikalische Problem, das sogenannte Informationsparadoxon, gelöst. Dies besteht, wenn man davon ausgeht, dass ein Schwarzes Loch einen Astronauten und damit die Informationen zu seiner Materie einfach unwiederbringlich zerstört. Das widerspräche den Gesetzen der Quantenphysik, nach denen keine Information verloren gehen kann - und vor allem nicht darf. Denn wäre das der Fall, würde heilloses Chaos im Universum ausbrechen.

Aber wie gelangt der Raumfahrer jetzt eigentlich wieder aus dem Schwarzen Loch heraus? Nun ja, Hawking gibt zu, dass nach der Umwandlung in ein zweidimensionales Hologram - wie es die eine Möglichkeit beschreibt - nicht mehr viel mit dem Raumfahrer anzufangen sei, würde die Information zu seiner Materie wieder in unsere Welt herausgefiltert.

Bei der zweiten Möglichkeit, der Sturz in eine andere Dimension, sei dies jedoch durchaus der Fall. "Wenn das Loch groß genug ist und rotiert", so Hawking, "könnte es eine Passage in ein anderes Universum darstellen." Allerdings: Der Astronaut, der durch ein Schwarzes Loch in eine andere Dimension fliegt, könnte nicht in unser Universum zurückkehren. Auch Hawking muss daher einräumen: "Obwohl ich gerne ins All fliegen würde, würde ich das sicher nicht ausprobieren."

Quelle: n-tv.de


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