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Nicht über Spüle und Toilette Wie man Medikamente richtig entsorgt

Eine Entsorgungsmöglichkeit: der Restmüll. Kinder müssen dann aber die Finger davon lassen.

Eine Entsorgungsmöglichkeit: der Restmüll. Kinder müssen dann aber die Finger davon lassen.

Viel zu oft landen Arzneimittelreste im Abwasser. Das hat Folgen für die Tierwelt und kann über das Trinkwasser langfristig auch beim Menschen zu chronischen Effekten führen. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich der Medikamente gewässerschonend zu entledigen.

Zur Entsorgung von Medikamenten gibt es in Deutschland keine einheitliche Regelung. Doch auf drei verschiedenen Wegen kann man Arzneimittel loswerden, ohne damit die Umwelt zu belasten: über den Restmüll, sofern der in der Kommune oder im Landkreis vollständig verbrannt wird, über Apotheken, wenn diese sie annehmen, und über Schadstoffsammelstellen.

Bislang nutzt knapp die Hälfte der Deutschen diese Möglichkeiten nicht. Sie entsorgen alte Medikamente über Waschbecken und Toilette. Das hat Folgen: Im Abwasser sind immer mehr Arznei-Wirkstoffe enthalten. "Viele Medikamente sind oft gar nicht oder nur sehr langsam biologisch abbaubar", sagt Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Konventionelle Kläranlagen sind nicht für diese Stoffe gemacht. Die unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten gehört daher laut Weyand zu den wichtigsten Ursachen für die Abwasserbelastung.

Ältere Menschen, mehr Medikamente

Dass das Auswirkungen auf die Tierwelt hat, ist bekannt. So schränken beispielsweise ins Wasser gelangte Hormone die Fortpflanzungsfähigkeit von Fischen ein. Für den Menschen kann eine Gesundheitsgefährdung durch Arzneimittelrückstände im Trinkwasser bislang ausgeschlossen werden. Doch Professor Martin Jekel vom Fachbereich Wasserreinhaltung der TU Berlin rechnet mit "nur schwierig erfassbaren chronischen Effekten", wenn der Mensch den Spurenstoffen lebenslang ausgesetzt ist.

Die bisher gefundenen Wirkstoffmengen variieren. Es kommt darauf an, an welcher Stelle im Wasserkreislauf sie gemessen wurden. Meist bewegen sich die Werte im Nanobereich. Experten erwarten aber, dass die Zahlen steigen – schon allein, weil die Bevölkerung altert und damit vermehrt auf Medikamente angewiesen sein wird. Während die Menschen in Deutschland nach Informationen des BDEW im Jahr 2002 rund 6200 Tonnen Arzneimittel verbrauchten, die für die Umwelt relevant sind, waren es zehn Jahre später bereits 8120 Tonnen. Schon heute gelangen, so der BDWE, täglich mehrere Tonnen Medikamente über die Kanalisation in die Gewässer und gefährden damit auch Trinkwasserressourcen - und es drohen noch mehr zu werden. Doch der "Pillenwelle" lässt sich entgegenwirken: mit der richtigen Entsorgung.

Quelle: n-tv.de , asc/dpa

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