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Einzelgänger oder treue Seele Welcher Stoff unterstützt welches Verhalten?

Im Zustand des Verliebtseins gibt es ein ganzes Feuerwerk an körpereigenen Stoffen.

Im Zustand des Verliebtseins gibt es ein ganzes Feuerwerk an körpereigenen Stoffen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Glücks-, Kuschel- oder Treuehormon: Ob jemand schnell Kontakt zu anderen Personen aufbauen kann oder lieber als Einzelgänger durchs Leben geht, wird auch von körpereigenen chemischen Stoffen beeinflusst. Welcher Stoff wofür steht, untersuchen Forscher.

Unser Gehirn bildet eine Vielzahl von Botenstoffen, die das Wohlbefinden und Sozialverhalten beeinflussen. Die Aufgaben einzelner Stoffe sind dabei recht spezifisch für bestimmte soziale Eigenschaften, zeigten britische Forscher. Einige seien vor allem für die Qualität der Partnerschaft wichtig, andere beeinflussten das Engagement in größeren sozialen Gruppen.

Eine zentrale und übergreifende Rolle spielten Endorphine und Dopamin, berichten die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Ihre Ergebnisse seien vor allem angesichts der wachsenden Erkenntnis wichtig, dass auch soziale Faktoren die Gesundheit oder die Lebenserwartung eines Menschen beeinflussen.

Die Neurobiologie des Sozialverhaltens wird seit einigen Jahren intensiv erforscht. Viele Studien haben sich mit dem Hormon Oxytocin beschäftigt, das oft als "Kuschelhormon" bezeichnet wird. Es löst Wehen aus, stimuliert den Milchfluss und ist für die Mutter-Kind-Beziehung relevant. Studien zufolge spielt es zudem bei der Paarbindung eine Rolle, fördert Vertrauen und hilft bei der Bewältigung von Ängsten.

Mehr als die Ausschüttung von Oxytocin

Die Fokussierung auf einzelne Neuropeptide wie Oxytocin spiegele das Geschehen im Körper nicht ausreichend wider, erklären die Forscher um Eiluned Pearce von der University of Oxford. Es gebe weit mehr Neuropeptide, die das Sozialverhalten eines Menschen in vielen Facetten beeinflussten. Die Forscher befragten nun mehr als 757 Menschen, 423 davon Frauen, nach ihren Beziehungen und ihrem Sozialleben. Sie gliederten die sozialen Eigenschaften in drei Bereiche: das soziale Naturell, die Paarbeziehung und das soziale Netzwerk der Probanden.

Zudem analysierten die Forscher Varianten von Genen, die mit der Bindung von sechs verschiedenen Neuropeptiden im Zusammenhang stehen: Oxytocin, ß-Endorphin, Vasopressin, Dopamin, Serotonin und Testosteron. In der Auswertung prüften sie dann, in welchem Verhältnis genetische Ausstattung und Sozialverhalten der Probanden miteinander stehen.

Sie stellten fest, dass Dopamin vor allem die sozialen Bindungen in größeren Netzwerken - außerhalb von Zweierbeziehungen - beeinflusst. Dopamin gilt als "Glückshormon". Der Zusammenhang lasse sich erklären, da Beziehungen zu anderen in größeren Gruppen oft mit angenehmen Aktivitäten in Verbindung stehen, etwa gemeinsamen Lachen, Singen oder Tanzen.

Endorphine steuern Empathie

Unterschiedliche Varianten in Endorphin-Bindungsstellen standen hingegen mit Unterschieden im empathischen Verhalten im Zusammenhang, also mit der Fähigkeit, sich in andere hineinzufühlen. Die Probanden waren unterschiedlich gut in der Lage, emotionale Gesichtsausdrücke richtig zu identifizieren. Die durch Endorphine vermittelte Fähigkeit zur Empathie beeinflusse vermutlich auch die festgestellten Unterschiede in der Zufriedenheit mit der Partnerschaft, berichten die Wissenschaftler weiter. Oxytocin stand wie in früheren Untersuchungen auch vor allem mit unterschiedlichen Aspekten der Paarbindungen im Zusammenhang.

Zusammenfassend stellen die Forscher fest, dass die meisten der von ihnen untersuchten Neuropeptide in jeweils bestimmten sozialen Zusammenhängen eine Rolle spielen. Nur Dopamin und Endorphin waren über alle drei Bereiche hinweg aktiv.

Mangelnde Sozialkontakte verkürzen das Leben

Schlechte Beziehungen und mangelnde Einbindung in soziale Netzwerke machten krank und verkürzten das Leben, einer Studie zufolge sogar stärker als Rauchen, Alkoholmissbrauch oder mangelnde Bewegung, schreiben die Wissenschaftler. Während die letzgenannten Zusammenhänge gut untersucht und verstanden seien, sei das Verständnis von menschlicher Geselligkeit und ihren neurobiologischen Grundlagen bestenfalls lückenhaft.

In einer zweiten in "PNAS" veröffentlichten Studie untersuchten US-Forscher an Rhesus-Makaken die Idee, Oxytocin zur Behandlung von "sozialen Dysfunktionen" wie zum Beispiel Autismus-Erkrankungen einzusetzen. Verabreichten sie den Affen Oxytocin und blockierten gleichzeitig die Wirkung von Opioiden, nahm die Aufmerksamkeit der Tiere füreinander zu. Sie blickten sich zum Beispiel länger an.

Quelle: n-tv.de , Anja Garms, dpa

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