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Kirschen, Pflaumen, Aprikosen "Viele Steinobstblüten sind erfroren"

Je weiter eine Blüte aufgeblüht ist, umso empfindlicher ist sie bei Frost.

Je weiter eine Blüte aufgeblüht ist, umso empfindlicher ist sie bei Frost.

(Foto: dpa)

Eis und Schnee mitten im Frühling sind der Albtraum für Obstbauern. Eine Frostperiode zur Blütezeit kann im schlimmsten Fall zum Totalausfall der Ernte führen. Wie unterschiedlich sich die derzeit niedrigen Temperaturen auf Kirschblüten und Apfelbäume auswirken, erklärt Professor Jens Wünsche von der Universität Hohenheim im Gespräch mit n-tv.de.

n-tv.de: Welche Pflanzen tragen denn die meisten Schäden durch die gegenwärtigen Temperaturen davon?

Jens Wünsche: In erster Linie sind die Steinobstgehölze, also Kirchen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche von den niedrigen Temperaturen betroffen. Ich bin heute Vormittag auf unserer Versuchsstation gewesen und habe mir die Blüten angesehen. Die meisten Blüten beim Steinobst waren dort erfroren. Wir hatten Nachttemperaturen von minus sieben Grad. Beim Kernobst, also Äpfel und Birnen, hält sich der Schaden noch in Grenzen.

Wie ist es denn mit den Erdbeeren?

Freiland-Erdbeeren können mit Vlies vor Frost geschützt werden.

Freiland-Erdbeeren können mit Vlies vor Frost geschützt werden.

(Foto: dpa)

Erdbeeren blühen ja später, erst zwischen Ende April und Anfang Mai, und werden oftmals geschützt durch Folien oder Hochtunnel angebaut, so dass es in diesem Bereich kaum erfrorene Blüten gibt.

Warum ist die Blütezeit so ausschlaggebend?

Erfrorene Blüten können nicht befruchtet werden. Wenn eine Bestäubung schon erfolgt ist, können die Früchte nicht ansetzen. Die Früchte sind für diese Saison verloren. Bei Kernobst dagegen kann der Frost dazu führen, dass man weniger ausdünnen muss. Das bedeutet, dass nur ungefähr zehn Prozent der Blüten bei Äpfel- und Birnenbäumen benötigt werden, um kommerziell gute Erträge an den Bäumen zu haben. Aus diesem Grund werden 90 Prozent der Blüten mit mechanischen oder chemischen Verfahren von den Bäumen entfernt. In diesem Fall könnte die Natur den Obstbauern geholfen haben. Ob das tatsächlich so ist, muss abgewartet werden.  

Wie lange kann eine Blüte denn Minusgrade überstehen?

Höchstens wenige Stunden. Schon ein einmaliger Temperatursturz würde ausreichen, um die Blüten zu schädigen. Je weiter eine Blüte entwickelt ist, umso empfindlicher ist sie dann auch gegenüber tiefen Temperaturen. Im Vollblütestadium reichen minus zwei bis drei Grad aus, um die Blüte zum Absterben zu bringen. Im Knospenstadium hingegen sind sieben bis acht Grad minus über Stunden hinweg nötig, um Frostschäden hervorzurufen.

Gab es rückblickend schon einmal solche Temperatureinbrüche wie in diesem Jahr?

Ja, das kommt immer mal wieder vor und ist keine Ausnahmeerscheinung. Wir haben schon öfter im Laufe der Jahre starke Ausfälle bei Steinobst gehabt, weil es ja früher blüht als das Kernobst, das gegenüber tiefen Temperaturen etwas robuster ist. Ich vermute, dass es in diesem Jahr tatsächlich reduzierte Erträge beim Steinobst geben wird und das in vielen Regionen des Landes. Obstbäume in Hausgärten sind oftmals weniger stark betroffen als die offenen Anlagen des kommerziellen Anbaus.  

Was beeindruckend aussieht, ist der verzweifelte Versuch von Winzern in den Alpen, die frischen Triebe an den Weinstöcken vor Frost zu schützen.

Was beeindruckend aussieht, ist der verzweifelte Versuch von Winzern in den Alpen, die frischen Triebe an den Weinstöcken vor Frost zu schützen.

(Foto: AP)

Gibt es Möglichkeiten, Pflanzen und Blüten vor Frost zu schützen?

Im Freilandanbau, wo der Obstbau betrieben wird, gibt es kaum Möglichkeiten. Ab und zu werden Rauchkerzen aufgestellt. Das kann helfen, allerdings auch nur bis zu einem gewissen Temperaturbereich. Durch den Rauch der Kerzen kann man die Temperaturen in den Anlagen um zwei bis drei Grad höher halten. Wenn die Temperaturen allerdings sehr stark fallen, dann helfen die auch nicht mehr. Im Hausgarten ist es möglich, die Bäume in den Frostnächten abzudecken. Das ist natürlich in großen Anlagen nicht möglich.

Mit Professor Jens Wünsche sprach Jana Zeh

Quelle: n-tv.de

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