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Deutsche oft schlechtes Vorbild UN wollen das globale Glück

Glücklich in Deutschland: feiernde Touristen. Deutschen fehlt oft das Zeug zur Zufriedenheit.

Glücklich in Deutschland: feiernde Touristen. Deutschen fehlt oft das Zeug zur Zufriedenheit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine florierende Wirtschaft, und schon sind die Menschen glücklich? So einfach ist es nicht. Die Zufriedenheit einer Nation hängt noch von anderen Faktoren ab. Eine UN-Resolution fordert alle 193 Mitgliedsstaaten dazu auf, für Glück und Wohlergehen ihrer Bürger zu sorgen. Deutschland hat beste Voraussetzungen - und hinkt dem Glück doch hinterher.

Es ist das erste Mal: Heute ist die Welt glücklich. Oder sollte sich zumindest Gedanken darüber machen, wie sie es werden könnte. Denn heute ist der Internationale Tag des Glücks. Ins Leben gerufen haben ihn weder überzeugte Positivdenker noch junggebliebene Althippies. Vielmehr waren es die Vereinten Nationen. Die Botschaft lautet: Zum Glück – einem grundlegenden Ziel des Menschen – gehört mehr als Wirtschaftswachstum und Umsatz.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärt, worum es geht: um die Verpflichtung, anderen zu helfen. Um Mitgefühl. Um eine nachhaltige menschliche Entwicklung. "Wenn wir zum Gemeinwohl beitragen, bereichern wir uns selbst", so Ban. "Mitgefühl erzeugt Glück und hilft, unsere Zukunft so zu bauen, wie wir sie wollen." Dem sozialen Miteinander kommt folglich die gleiche Bedeutung zu wie wirtschaftlichen Belangen. Den dritten Pfeiler für das menschliche Wohlergehen bilde, so Ban, die Umwelt. Und damit meint er den Erhalt von Ressourcen und Ökosystemen.

Bhutan und das "Bruttonationalglück"

Dass wirtschaftliches Wachstum nicht alles ist, hat ein kleines Königreich im Himalaya, Bhutan, schon lange erkannt. So war es auch dieses Königreich, das im vergangenen Sommer den Anstoß gab zum Welttag des Glücks. Seit 2008 ist das "Bruttonationalglück" in der Verfassung Bhutans verankert, und es spielt für das Land eine größere Rolle als das Bruttoinlandsprodukt. Die Zufriedenheit der Bevölkerung ist eben wichtiger als das Gesamteinkommen.

Um die Menschen glücklich zu machen, setzt Bhutan auf soziale Gerechtigkeit, auf die eigene Kultur, auf Umweltschutz und gute Regierungs - und Verwaltungsstrukturen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass 70 Prozent des Landes unter Naturschutz stehen. Rauchen und Plastiktüten sind verboten. Bei offiziellen Anlässen müssen die Bhutaner traditionelle Kleidung tragen. Die Krankenversorgung in Bhutan ist kostenlos, auf den Ausbau des Bildungssystems legt man großen Wert.

Staatsziel Glück! Lachende Schüler in Bhutan.

Staatsziel Glück! Lachende Schüler in Bhutan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Neun Indikatoren sind es, mit denen der König einschätzt, wie sich die Bhutaner wirtschaftlich, gesellschaftlich und emotional fühlen. Dazu gehören die Zeitverwendung (wie teilt sich der Tag auf? Wie viel Zeit ist der Arbeit gewidmet, wie viel ist Freizeit, wie viel bleibt zum Schlafen?), Umweltschutz, das Leben in der Gemeinschaft, die Gesundheit, psychologisches Wohlbefinden, Bildung, Kultur, Lebensstandard (Einkommen, materielle Güter) und die gute Regierungsführung.

"Die Regierung Bhutans arbeitet darauf hin, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen innere Ruhe finden", erklärt Tobias Pfaff. Der Wirtschaftswissenschaftler vom Institut für Ökonomische Bildung in Münster hat lange über das Bruttonationalglück Bhutans geforscht. Bhutan möchte, so Pfaff, den Menschen das Streben nach innerem Glück ermöglichen.

Vergleiche machen unglücklich

In Deutschland funktioniert Zufriedenheit anders: Hierzulande ist Glück häufig durch äußere Faktoren bestimmt, ein schickes Auto etwa, eine Eigentumswohnung oder ein großes Haus. Aber nicht der Besitz allein zählt. Er muss auch dem Vergleich mit der näheren Umgebung standhalten. Das Auto muss also mindestens so schick sein wie das von Nachbar Maier. Ist es das nicht, macht auch die Einsicht, dass es schicker ist als das von Nachbar Müller, nicht glücklich … "Wenn wir rein materialistisch denken, werden wir immer das Gefühl von Mangel haben", erklärt Arzt und Glücks-Experte Eckart von Hirschhausen das Phänomen.

Die Deutschen sind nicht gut im Glücklichsein. Betrachtet man die Industriestaaten, sind nur die Japaner noch unglücklicher. Doch das könnte sich ändern. Immer mehr Schulen in Deutschland bieten Glück als Schulfach an. Was die Schüler dort lernen? Sie machen Spiele und Übungen, die ihr Selbstvertrauen stärken. Sie machen sich gegenseitig Komplimente, erfahren ihre Stärken und entwickeln ein Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsamkeit führt zu Wohlbefinden. Das ist eine Erkenntnis, mit der Schüler aus dem Glücks-Unterricht herausgehen.

Andere Menschen sind für das eigene Glück enorm wichtig. Glück ist, wie Hirschhausen sagt, "eine zentrale Frage des Miteinanders". Dort, wo der gesellschaftliche Zusammenhalt groß ist, wächst Vertrauen, und die Menschen fühlen sich sicher. "Das Wissen, dass sich jemand kümmert, dass man nicht alleine ist, das ist eine wichtige Grundlage für Zufriedenheit", formuliert Pfaff.

Diese Weisheit steckt auch in der Botschaft der Vereinten Nationen. Die UN-Resolution zum Welttag des Glücks fordert alle 193 Mitgliedsstaaten auf, nachhaltig für Glück und Wohlergehen ihrer Bürger zu sorgen. Dennoch sollten wir eines nicht vergessen: Auch an dem Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" ist was dran. Und auf die Frage, was Glück bedeutet, findet nach wie vor jeder seine eigene Antwort.

Quelle: n-tv.de

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