Wissen

Regen in der Wüste Solarrennen in Australien kämpft mit Unwetter

Widrige Umstände: Bei diesem Wetter kommt der Huawei-Sonnenwagen der Aachener Studenten nur mit Minimalgeschwindigkeit voran.

Widrige Umstände: Bei diesem Wetter kommt der Huawei-Sonnenwagen der Aachener Studenten nur mit Minimalgeschwindigkeit voran.

(Foto: Screenshot: https://www.facebook.com/sonnenwagen/videos/vb.1529876350668014/1926960404292938/?type=2&theater)

Was können Autos, die allein mit der Kraft der Sonne Tausende Kilometer zurücklegen sollen, am wenigsten gebrauchen? Wolken. Aber solche sind bei einem Rennen durch die Wüste ja eher selten – denkt man. Und wird eines Besseren belehrt.

So schlecht war das Wetter während der World Solar Challenge in Australien noch nie: Das härteste Solarautorennen der Welt findet seit 30 Jahren statt, in dieser Woche zum 14. Mal. Doch noch nie waren Dauerregen, Sturm, Gewitter und eine dichte Wolkendecke über mehrere Tage Teil des Programms. Wer rechnet bei einem Rennen quer durchs Outback mit solchen meteorologischen Bedingungen?

Das Team vom Sonnenwagen Aachen jedenfalls hatte nicht geahnt, auf den 3022 Kilometern vom nordaustralischen Darwin ins südliche Adelaide mit beinahe deutschen Wetterverhältnissen klarkommen zu müssen. "Regen, der Feind eines jeden Solarautos", wie die Aachener bei Facebook schrieben, war über weite Strecken des Rennens ihr Begleiter.

Bereits am dritten Renntag lechzte das Team nach Sonne, um weiterhin in der anspruchsvollen Challenger Class mithalten zu können. Ein Nachladen der Batterie ist in dieser Rennklasse verboten, die gut 3000 Kilometer müssen allein mit der Kraft der Sonne bewältigt werden. Die jedoch kam nicht hinter den Wolken hervor. Um die Batterie zu schonen, fuhr der Sonnenwagen mit Minimalgeschwindigkeit, teilweise mit nur 35 km/h. Vielen Kontrahenten ging es ähnlich. Nach Tag drei waren bereits 15 Teams aus dem offiziellen Wettbewerb ausgeschieden. Der Sonnenwagen Aachen aber war – als einziger Newcomer – noch immer dabei. Die vier anderen Wettbewerbs-Neulinge hatten sich da schon lange verabschiedet.

Gegenwind, Steigung und Wolken

Es am vierten Tag rechtzeitig bis zum nächsten Kontrollpunkt in Alice Springs zu schaffen, erschien als Ding der Unmöglichkeit. Kein Sonnenschein in Sicht, die Batterie nur noch zu zehn Prozent geladen – so startete das Team in den Tag. "Die Fahrt geht weiter, mit fast leerer Batterie", ließen die Studenten ihre Fans über die sozialen Medien wissen. Doch so widrig die Umstände auch waren, mit Gegenwind, einer Steigung und Wolken: Sie schafften es rechtzeitig nach Alice Springs. Und dann riss der Himmel auf.

Hochstimmung! Aber bislang war erst etwa die Hälfte der Gesamtstrecke geschafft. Als Nächstes galt es, die Opal-Stadt Coober Pedy rechtzeitig zu erreichen. Nach dem fünften Renntag schrieb das Sonnenwagen-Team bei Facebook: "Mein Gott, war es auf den letzten Etappen knapp." Und weiter: "Nach 2187 Kilometern verpassten wir den Checkpoint in Coober Pedy um 10 Minuten."

Das bedeutet: Der Sonnenwagen legt die letzten 835 Kilometer in der Adventure Class zurück – und damit außer Konkurrenz. Dort befindet er sich allerdings in bester Gesellschaft: Die Adventure Class ist im Lauf des Rennens stark angewachsen.

Bochum hat den zweitbesten Cruiser

Das Unwetter hatte die Aachener zu weit zurückgeworfen, es sei ihnen daher leider nicht gelungen, in diesem Jahr mit den Top Teams mitzuhalten, schreiben sie. In diesem Jahr? Das klingt ganz so, als wollten es die Studenten beim nächsten Rennen 2019 nochmal versuchen. Treten sie wieder an? Bislang waren sie noch nicht für eine persönliche Stellungnahme zu erreichen. Aber auf jeden Fall sind die Aachener guter Dinge: "Wir sind immer noch dabei, und das ist, was zählt."

Die Gewinner der diesjährigen World Solar Challenge sind übrigens bereits seit gestern am Ziel. Zum dritten Mal in Folge hat ein niederländisches Team das Solarautorennen gewonnen: Das "Nuon Solar Team" aus Delft hatte Australien mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 81 km/h in 37 Stunden reiner Fahrzeit von Nord nach Süd durchquert. Die Delfter waren zum neunten Mal dabei.

Gewann zum dritten Mal in Folge: das Nuon Solar Team aus den Niederlanden.

Gewann zum dritten Mal in Folge: das Nuon Solar Team aus den Niederlanden.

(Foto: AP)

In der Cruiser Class, in der die eher "alltagstauglichen", solarbetriebenen Mehrsitzer an den Start gehen, die nachladen dürfen, wann immer sich die Gelegenheit bietet, fuhr das einzige andere deutsche Team aus Deutschland - der Blue.Cruiser von der Hochschule Bochum - den zweiten Platz ein. Auch die Bochumer sind schon alte Hasen bei der World Solar Challenge: Sie waren bereits acht Mal mit sieben verschiedenen Wagen dabei.

Die World Solar Challenge gilt nicht nur als das härteste Solarautorennen weltweit, sondern auch als einer der bedeutendsten Technologie-Wettbewerbe. Ziel ist es, die Entwicklung von Solarautos voranzutreiben. In diesem Jahr hat sich gezeigt: Man braucht nicht einmal immer eitel Sonnenschein, um in wenigen Tagen mit einem solchen Wagen durch ganz Australien zu kommen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema