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Noch unter Kontrolle oder doch süchtig? So erkennt man Alkoholabhängigkeit

Einen edlen Tropfen gönnt man sich gern. Der Übergang von risikoarmem zu riskantem oder gar gefährlichem Alkoholkonsum ist allerdings fließend.

Einen edlen Tropfen gönnt man sich gern. Der Übergang von risikoarmem zu riskantem oder gar gefährlichem Alkoholkonsum ist allerdings fließend.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren ... Die Redensart kennt jeder, und sie trifft zu, wenn es um das gelegentliche Glas Wein zum Essen geht. Doch was, wenn das Glas zur Gewohnheit wird und sich ein zweites und drittes hinzugesellen? Ist das womöglich nicht nur ungesund, sondern schon eine Sucht?

Wer gelegentlich und in Maßen Alkohol zum Essen genießt, der gebraucht ihn. Wer ihn in Stresssituationen, bei Wut oder Trauer mit deutlichen Auswirkungen auf Körper oder Seele konsumiert (womöglich bis zum Rausch), der missbraucht ihn. Die nächste Stufe ist die Alkoholsucht. Sie kann sich schleichend einstellen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Männern, pro Tag nicht mehr als einen halben Liter Bier oder einen Viertel Liter Wein zu trinken. Das entspricht etwa 20 Gramm Alkohol. Bei Frauen liegt die Grenze bei der Hälfte dieser Menge. An zwei bis drei Tagen in der Woche sollte auf den Alkoholgenuss komplett verzichtet werden. So besteht keine Gefahr, sich körperlich oder psychisch an Alkohol zu gewöhnen und womöglich abhängig zu werden.

Für eine Alkoholsucht gibt es konkrete Merkmale. Nach der internationalen Klassifikation für Erkrankungen liegt sie dann vor, wenn drei der folgenden Kriterien zeitgleich einen Monat lang oder innerhalb eines Jahres wiederholt zutreffen:

  • Es besteht ein starker Wunsch oder gar Zwang, Alkohol zu trinken.

  • Es gelingt nur schwer oder gar nicht, die konsumierte Menge zu kontrollieren.

  • Bleibt der Alkoholkonsum aus oder wird reduziert, stellen sich körperliche Entzugserscheinungen ein (etwa Zittern, schneller Puls, Magenschmerzen).

  • Die Trinkmenge, mit der ein Effekt erreicht wird, muss stetig gesteigert werden (Mediziner sprechen von Toleranzbildung, der Volksmund nennt es Trinkfestigkeit).

  • Arbeit, Familie und Hobbys werden vernachlässigt; sei es um Alkohol zu konsumieren oder um sich von den Folgen des Konsums zu erholen.

  • Trotz spürbarer körperlicher Schäden (etwa einer Lebererkrankung) und schädlicher Folgen (wie zum Beispiel Führerscheinentzug) wird weiterhin Alkohol konsumiert.

Eine Alkoholabhängigkeit geht mit Schuld- und Schamgefühlen einher. Oft versuchen Betroffene, ihren Konsum zu verheimlichen und finden Ausreden, auch vor sich selbst, die ihr Trinkverhalten rechtfertigen. Das ist die Krux: Wer tatsächlich süchtig ist, wird mit einer "Selbstdiagnose" unter Umständen Schwierigkeiten haben.

Es gehört zum Krankheitsbild dazu, dass Abhängige ihre Sucht abstreiten und der Meinung sind, jederzeit mit dem Konsum der Droge aufhören zu können. Tatsächlich aber scheitern die Versuche, das Trinken zu beenden, immer wieder. Die Sucht ist nicht steuerbar. Es ist Hilfe von außen nötig, zum Beispiel durch den Hausarzt oder eine Suchtberatungsstelle. Erste Hinweise darauf, ob der eigene Umgang mit Alkohol problematisch ist oder nicht, kann der Selbsttest der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geben.

Quelle: n-tv.de , asc

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