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Essen, Gerüche, Erkrankungen Partner gleichen sich bis in den Tod

Gleich und gleich: Viele Paare tragen auch ähnliche Kleidung.

Gleich und gleich: Viele Paare tragen auch ähnliche Kleidung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Isst du nicht gern Fisch, mag ich ihn auch nicht: Im Laufe ihres gemeinsamen Lebens nähern sich Paare immer stärker an. Sie sind beide dick oder dünn, mögen den Geruch von Rosen oder auch nicht. Die Annäherung wirkt bis in den Tod.

Mit wem wir zusammenleben, bestimmt zu einem guten Teil mit, wie wir aussehen, wie wir leben, wie gesund wir sind - und sogar, wann wir sterben. "Die Korrelation des Sterbealters bei Eheleuten ist generell höher, als wenn man zwei zufällige Personen auswählt", sagt der Demografieforscher Sven Drefahl von der Universität Stockholm. Erklärbar sei das über Faktoren wie Haushaltseinkommen, sozioökonomische Position und Lebensweise. Unklar sei allerdings noch, ob es einen eigenen "Ehe-Effekt" gebe oder die ähnliche Lebenserwartung allein auf Merkmale wie Bildungsniveau und Rauchverhalten zurückgehe.

Bei so manchem älteren Paar denkt man: Meine Güte, sehen die zwei sich ähnlich. Das kann daran liegen, dass sich Gleich und Gleich tatsächlich gern gesellt - hübsche Menschen sich also zum Beispiel einen ebenfalls gut aussehenden Partner suchen. Zudem prägt das tägliche Miteinander die Gesichtszüge - bei manchen in Form verbittert verzogener Mundwinkel, bei anderen mit Lachfältchen.

Männer bekommen eher Diabetes, wenn Partnerin übergewichtig

Bei der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Lissabon berichteten Forscher kürzlich, dass Männer eher an Diabetes erkranken, wenn ihre Partnerin übergewichtig ist. Die Forscher um Adam Hulman und Omar Silverman-Retana von der Universität Aarhus hatten Daten von etwa 7000 älteren Briten analysiert. Diese hatten über 17 Jahre hinweg berichtet, wie sich ihr Gesundheitszustand veränderte. Die Forscher sahen sich vor allem an, wie sich das Gewicht entwickelte und ob die Männer an Altersdiabetes erkrankten.

Ähnliche Interessen: Ein Senioren-Paar in Japan.

Ähnliche Interessen: Ein Senioren-Paar in Japan.

(Foto: picture alliance / Everett Kenne)

Das Ergebnis: Die Männer entwickelten eher Diabetes, wenn ihre Frau übergewichtig war. Stieg der Body Mass Index einer Frau um fünf Maßeinheiten - was dem Übergang von Normal- zu Übergewicht entspricht - erhöhte sich das Diabetes-Risiko für den Mann um 21 Prozent. Frauen hingegen erkrankten nicht häufiger, wenn der Mann übergewichtig war.

Die Forscher untersuchten auch, ob sich umgekehrt eine schon vorhandene Diabetes-Erkrankung auf das Gewicht des Partners auswirkt. Hier zeigte sich bei Männern und Frauen das gleiche Bild: Beide nahmen eher zu, wenn der Partner Diabetiker war. Der Zusammenhang zeigte sich allerdings erst ab einem Alter von 55 Jahren.

Aus früheren Studien war bekannt, dass Partner von Diabetikern ein höheres Risiko haben, selbst zu erkranken. Wissenschaftler führen das auf die ähnliche Lebenssituation zurück. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass es angebracht sein könnte, die Partner von übergewichtigen Menschen vorsorglich auf Diabetes hin zu untersuchen", hieß es nun von den dänischen Forschern.

"Wir suchen uns meist ähnliche Partner"

"Wir suchen uns meist ähnliche Partner, ein sportlicher Mensch wird deshalb seltener mit einem übergewichtigen Partner zusammen sein", erläutert Thomas Klein, Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Heidelberg. Zudem wirkten sich Faktoren wie Wohnsituation, Ernährung, sportliche Aktivität und Stresslevel auf beide Partner aus.

Vorlieben gleichen sich im Verlauf einer Partnerschaft immer stärker an.

Vorlieben gleichen sich im Verlauf einer Partnerschaft immer stärker an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Grundsätzlich könne die Angleichung genauso in die positive Richtung verlaufen und den Partnern gesundheitlich helfen, ergänzt Klein: "Ganz allgemein ist es sogar so, dass Menschen, die Partner haben, weniger oft krank sind und auch eine längere Lebenserwartung haben."

Pärchen kann es leichter fallen, gesund zu leben: Zusammen legen Partner schädliche Laster wie Rauchen, schlechte Ernährung oder wenig Bewegung wesentlich leichter ab, berichteten Forscher 2015 im Fachmagazin "JAMA Internal Medicine". Die Chancen auf Erfolg stünden dann sogar besser, als wenn der Lebensgefährte bereits ein gesundes Leben führt.

Geruchs- und Geschmacksempfinden gleicht sich immer stärker an

Auch das Geruchs- und Geschmacksempfinden gleicht sich bei Paaren im Laufe der gemeinsamen Jahre immer stärker an, wie Forscher aus Dresden und Breslau im Fachmagazin "Appetite" berichten. Das Team um Agata Groyecka von der Universität Breslau hatte 100 Paare in seine Analyse einbezogen, die auf drei Monate bis 45 Jahre gemeinsame Zeit zurückblickten. Die 18 bis 68 Jahre alten Männer und Frauen sollten jeweils auf einer Skala zwischen eins und fünf angeben, wie sehr sie rund 40 präsentierte Gerüche wie Rose, Eukalyptus und Pfirsich sowie fünf Geschmacksrichtungen wie bitter und salzig mögen. Ergänzend wurde über einen Fragebogen erfasst, wie glücklich die Männer und Frauen in ihrer Beziehung waren - oder auch nicht.

Praktisch: Auch Wiener Würstchen gibts als Paar.

Praktisch: Auch Wiener Würstchen gibts als Paar.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Das Ergebnis: Die Vorlieben gleichen sich im Verlauf einer Liaison immer stärker an. Die Zufriedenheit mit dem Partner werde durch ein besonders ähnliches Geschmacks- und Geruchsempfinden aber nicht zwingend gesteigert, ergänzen die Forscher. Im Gegenteil: Paare mit ähnlichen Geruchspräferenzen waren im Mittel unzufriedener mit der Beziehung. Eine mögliche Erklärung sei, dass das Geruchsempfinden auf das Erbgut zurückgehe - und Menschen mit möglichst unterschiedlicher DNA fühlen sich früheren Analysen zufolge zueinander hingezogen.

Auch Oxytocin hat Anteil

Neben dem Geruch hat auch ein Hormon seinen Anteil an trauter Zweisamkeit: Oxytocin. Haben Männer eine erhöhte Dosis des Botenstoffs im Gehirn, erscheint die eigene Partnerin im Vergleich zu anderen Frauen attraktiver, berichteten Bonner Forscher 2013 in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Sie hatten 40 heterosexuellen, in einer Partnerschaft lebenden Männern ein Oxytocin-Nasenspray verabreicht und die Auswirkungen des Hormonschubs dokumentiert.

Paare berühren sich wohl auch deshalb so häufig, weil so der Oxytocin-Spiegel hochgehalten wird.

Paare berühren sich wohl auch deshalb so häufig, weil so der Oxytocin-Spiegel hochgehalten wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Bindungshormon sorge dafür, dass beim Anblick der Partnerin das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird, hieß es. "Dieser biologische Mechanismus ist einer Droge sehr ähnlich." Paare berührten sich wohl auch deshalb so häufig, weil so der Oxytocin-Spiegel hochgehalten werde.

Schweigen in Streitsituationen

Mit langjährigem Zusammenleben geht eine weitere Anpassung einher, die das Zusammenbleiben erheblich erleichtern dürfte: das Schweigen in Streitsituationen. Während junge Paare Probleme gerne ausdiskutieren, setzen ältere vieles daran, Konflikte zu vermeiden, berichteten Forscher im Fachjournal "Journal of Marriage and Family". Ältere Eheleute lenken demnach ihre Aufmerksamkeit lieber auf andere Themen anstatt auf die oft altbekannten Konfliktbereiche.

Die Forscher hatten 127 lange miteinander verheiratete Paare über 13 Jahre immer wieder eingeladen, vor laufender Kamera zu streiten. Vom Abwasch bis zum Haushaltsgeld war den Wissenschaftlern jedes Konfliktthema recht - Hauptsache, die Emotionen kochten über. Die Videoaufnahmen der Treffen zeigten, dass die Streitlust mit den Jahren abnahm. Ältere Menschen konzentrierten sich wohl lieber auf erfreuliche Erlebnisse - möglicherweise, weil sie ihre verbleibende Lebenszeit bestmöglich nutzen wollen.

Niemals hungrig streiten

Dass bei jungen Paaren, die ihre Positionen noch nicht so gut abgesteckt haben, öfter mal die Fetzen fliegen, ist völlig normal - auch sie allerdings sollten einen Rat beherzigen: niemals hungrig streiten. Einer Studie zufolge steigen die Aggressionen zwischen Partnern, wenn ihr Blutzuckerspiegel sinkt. Streit, Konflikte und vielleicht sogar häusliche Gewalt seien womöglich zum Teil Folge eines einfachen, aber oft übersehenen Zustandes: Hunger.

Zu diesem vor einiger Zeit in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften vorgestellten Ergebnis kamen die Wissenschaftler mit einem recht skurril wirkenden Versuch: Sie drückten verheirateten Paaren zwei Voodoo-Puppen in die Hand - mit dem Hinweis, dass diese jeweils den Partner symbolisiere. Dazu bekamen die Eheleute je 51 Nadeln. Insgesamt drei Wochen lang sollten sie abends - unbeobachtet von Gatte oder Gattin - Nadeln in die Puppe bohren. Und zwar umso mehr, je ärgerlicher sie auf ihren Partner waren. Parallel dazu wurde zweimal täglich der Blutzuckerspiegel gemessen.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Je geringer der abendliche Blutzuckerspiegel der Probanden, desto mehr Nadeln rammten sie in ihren Puppen-Partner. In einem weiteren Versuch waren hungrige Eheleute auch eher bereit, ihren Partner mit unangenehmen Geräuschen zu traktieren.

Die Forscher erklärten den Zusammenhang mit einer verminderten Selbstkontrolle durch einen sinkenden Blutzuckerspiegel. Glucose sei eine Art Treibstoff für das Gehirn und für die Selbstkontrolle erforderlich. Im Englischen gibt es gar ein Wort für die Mischung von Hunger und Ärger: "Hangry", eine Kombination aus hungry (hungrig) und angry (ärgerlich). Beim nächsten drohenden Streit sollte es also vielleicht mal heißen: Jetzt lieber nicht, ich bin gerade so "hung-ärg-lich".

Quelle: n-tv.de , Nadja Wolf und Annett Stein, dpa

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