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Unabhängig vom Lehrplan Längere Schulzeit steigert die Intelligenz

Schüler eines Gymnasiums  bei ihrer Abiturprüfung im 13. Schuljahr.

Schüler eines Gymnasiums bei ihrer Abiturprüfung im 13. Schuljahr.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

12 oder 13 Jahre Schule bis zum Abitur? Darüber wird bis heute viel gestritten. Welche Auswirkungen ein Jahr längere Beschulung auf die Intelligenz von Teenagern hat, können Forscher nun mit großer Gewissheit sagen.

Über die Frage, wie lange Heranwachsende bis zum Abitur in die Schule gehen sollen, gibt es immer wieder Streit. Aus diesem Grund haben sich Forscher der Universität Dortmund und der Universität Marburg zu Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie sich die unterschiedliche Zeit der Beschulung auf die Intelligenz der Schüler auswirkt.

Die Forscher verglichen in zwei Untersuchungen mit Hilfe von Tests die Intelligenz von G8- und G9-Schülern an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen. Als G8 werden die Schüler bezeichnet, die acht Jahre das Gymnasium besuchen, also nach insgesamt 12 Schuljahren das Abitur ablegen. G9-Schüler sind neun Jahre auf dem Gymnasium und schließen entsprechend nach 13 Schuljahren ab. Die G8-Schüler waren zum Zeitpunkt der Tests in der zehnten, die G9-Schüler in der elften Jahrgangsstufe.

Das G9-Volksbegehren in Hamburg 2014 scheiterte.

Das G9-Volksbegehren in Hamburg 2014 scheiterte.

(Foto: picture alliance / dpa)

In beiden Untersuchungen wurden insgesamt 244 G8- und 204 G9-Schüler im Zeitraum zwischen 2007 und 2013 getestet. Zusätzlich erhoben die Forscher in beiden Studien Informationen zu den Notendurchschnitten des letzten Zeugnisses aller Schüler sowie zu ihrem Geschlecht, Alter und dem höchsten Bildungsgrad ihrer Eltern.

Alterseffekte sind nur gering

Es stellte sich heraus, dass die G9-Schüler in fast allen Intelligenzbereichen besser abschnitten als die G8-Schüler. Die Unterschiede waren auch noch vorhanden, nachdem die Forscher den Alterseffekt statistisch herausrechneten. Die Ergebnisse der beiden Untersuchungen weisen den Autoren zufolge also darauf hin, dass die Dauer der Beschulung mit einer Steigerung der Intelligenz einhergeht.

Wie genau die längere Beschulung Fähigkeiten wie logisches Schlussfolgern oder das Kurzzeitgedächtnis fördert, lässt sich aus den Daten nicht schlussfolgern. Dennoch äußern die Forscher Vermutungen darüber. Demnach begegnen Schüler im Laufe ihrer Schulzeit vielen kognitiven Herausforderungen sowie verschiedenen Lehrern und müssen sich einer Reihe von Anpassungsprozessen stellen. "In diesen Prozessen findet das Denken immer stärker losgelöst von den eigentlichen Aufgaben statt. Im Laufe der Jahre wird abstrakteres Denken immer mehr unterstützt und eingeübt", erklärt Sebastian Bergold, Juniorprofessor für Kinder- und Jugendpsychologie an der TU Dortmund. "Ein Jahr mehr Beschulung kann diesen Prozessen folglich auch mehr Raum geben." Der Zuwachs der Intelligenz entsteht wahrscheinlich unabhängig vom Curriculum (Lehrplan). Um diesen Befund zu stützen, sind weitere Untersuchungen nötig.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Cognitiv Development".

Quelle: n-tv.de , jaz

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