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Saft aus der Vene Künstler spielt Blut-Synthesizer

55 Gläser mit je 200 Millilitern Blut haben einen kleinen Synthesizer acht Stunden lang Musik entlockt.

55 Gläser mit je 200 Millilitern Blut haben einen kleinen Synthesizer acht Stunden lang Musik entlockt.

(Foto: Dmitry Morozov)

Blut gilt als besonderer Saft: Im medizinischen Bereich wird es als Lebensretter und Kraftüberträger gesehen. Ein Künstler nimmt diese Zuschreibungen auf und beweist, dass man mittels Blut-Batterien einem Synthesizer stundenlang Musik entlocken kann.

Für diejenigen, die kein Blut sehen können, ist die Kunstinstallation von Dmitri Morosow nicht geeignet. Aber auch auf Hartgesottene dürfte "Until I Die" verstörend wirken. Der russische Künstler kreierte mit 4,5 Litern seines Blutes – ein 70 Kilogramm schwerer Mensch hat 5 bis 6 Liter im Körper – einen schaurigen Aufbau. Er befüllte insgesamt 55 Batteriezellen auf fünf Karussels und je elf Gläsern mit seinem Blut, das er sich über den Zeitraum von 18 Monaten hinweg abnehmen ließ.

Bei seiner Präsentation im Laznia-Zentrum für zeitgenössische Kunst im polnischen Gdansk ließ sich der Künstler vor laufender Kamera die letzten 200 Milliliter Blut abzapfen und in ein Glas füllen. In jedes Glas wurden Kupfer-Anoden und Aluminium-Kathoden gehängt. Alle Karussels lässt Morozov miteinander verbinden und effektvoll wie Kronleuchter an die Decke hängen.

Besondere Behandlung des Bluts

Um den Lebenssaft mit all seinen Eigenschaften über diesen Zeitraum haltbar zu machen, wurden die Blutkonserven mit destilliertem Wasser verdünnt und mit Antibiotika, Fungiziden, Glucose, Glycerol und Natriumcitrat versetzt. So sollen Homogenität, Sterilität und chemische Zusammensetzung erhalten bleiben.

Da Blut viele verschiedene Ionen enthält, wie zum Beispiel Na+, K+ oder HCO3-, kann es tatsächlich als Energieträger benutzt werden. Der russische Künstler schloss an seine Installation einen kleinen Synthesizer an, der acht Stunden lang Musik spielte, die von einem Algorithmus erzeugt wurde. Danach waren die Blut-Batterien offenbar leer.

Blut als Kraftquelle

In der Medizin wird Blut heute als lebensrettender Saft und Kraftspender gesehen. Seit Jahren wird untersucht, ob jugendliches Blut tatsächlich einen verjüngenden Effekt hat oder Alzheimer-Patienten hilft. In den USA bringen zahlungskräftige Personen große Summen auf, um das Blutplasma von jungen Menschen zu erhalten.

Die Idee, Menschen als Energiequelle zu nutzen, wurde bereits im bekannten Sci-Fiction "Matrix" thematisiert. Der US-Biologe Douglas Starr verglich Blut als "natürlichen Rohstoff" sogar mit Rohöl und betont, dass es zu den wertvollsten Flüssigkeiten der Welt gehört.

Der Künstler Dimitri Morosow will mit seiner aufsehenerregenden Performance "Until I Die" die ständige Suche nach neuen Energiequellen kritisch hinterfragen und eine ethische Diskussion anstoßen. Hätte er die 4,5 Liter Blut, die er für das Betreiben seines Synthesizer benötigte, an einem Abend aufbringen müssen, hätte er das nicht überlebt.

Quelle: n-tv.de , jaz

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