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Überall wo Mäuse sind Hantavirus breitet sich aus

Eine infizierte Rötelmaus erkrankt selbst nicht.

Eine infizierte Rötelmaus erkrankt selbst nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Frühling ist die Jahreszeit für Großreinemachen und Aufräumen - auch in Kellern und Schuppen. Doch im Staub lauert womöglich eine unsichtbare Gefahr, die krank machen könnte.

Fieber, Kopfweh sowie Rücken- und Bauchschmerzen gehören zu den typischen Symptomen einer Infektion mit dem sogenannten Hantavirus. Der Krankmacher wird von Nagern auf den Menschen übertragen und kann die Nieren irreversibel schädigen. Im schlimmsten Fall führt er sogar zum Tod. In Deutschland ist er derzeit auf dem Vormarsch. Neben bisher mehr als 100 Fällen in Baden-Württemberg - als Hotspot der Erkrankung - wird erstmals auch ein Hantavirus-Fall in Sachsen gemeldet. Bundesweit haben die Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Dem Robert Koch-Institut seien bis Mitte März 136 Fälle gemeldet worden - deutlich mehr als 2016, als es 38 Fälle im gleichen Zeitraum gab.

Als Ursache für die erhöhte Aktivität des Virus sehen Experten die hohe Zahl an Rötelmäusen, die neben Brand- und Gelbhalsmäusen hierzulande als Überträger der Hantaviren gelten. Rötelmäuse ernähren sich vorzugsweise von Bucheckern und von diesen hat es im vergangenen Jahr mehr als üblicherweise gegeben. Ein gutes Futterangebot führt zu einem Anstieg der Population - und in diesem Fall auch zu einem Anstieg der Infektionszahlen.

Viren im Mäusedreck

Die Nager, die selbst nicht an dem Hantavirus erkranken, scheiden die Erreger über Speichel, Urin und Fäkalien in großen Mengen aus. Gelangen die Viren aus dem getrockneten Mäusedreck in die Luft - zum Beispiel durch Räumen, Fegen, Saugen oder Wind - können sie vom Menschen eingeatmet werden. Doch auch durch den Kontakt mit dem infizierten Mäusedreck an einer verletzten Hautstelle oder den Biss eines Nagers kann es zu einer Infektion mit Hantaviren kommen. Dann treten oftmals grippeähnlichen Symptome wie Fieber, Schüttelfrost sowie Bauch- und Rückenschmerzen auf. Im Verlauf können auch Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis zum -versagen hinzukommen. Die Zeit zwischen der Ansteckung und den ersten Symptomen schwankt stark zwischen fünf und sechzig Tage. Eine Infektion kann jedoch auch ohne jegliche Erkrankungszeichen ablaufen.

Am häufigsten infizieren sich Männer zwischen 40 und 50 Jahren. "Ein Grund dafür ist sicherlich, dass diese sich häufig mit Wald-, Garten- und Kellerarbeit befassen. Auch in Schuppen, Ställen oder Scheunen kann eine Übertragung stattfinden - überall dort, wo die Rötelmaus sich wohl fühlt", erklärt Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des Centrum für Reisemedizin. Auch wenn eine Infektionsgefahr prinzipiell das ganze Jahr über besteht, kommt es von Mai bis September zu den meisten Ansteckungen.

Handschuhe und Mundschutz

Um sich vor einer Infektion mit dem Hantavirus zu schützen, sollte man bei Arbeiten in Kellern, Gärten, Ställen oder Scheunen stets einen geeigneten Mundschutz und Handschuhe tragen. Bei Reinigungs- oder Aufräumarbeiten wird zunächst ein gründliches Lüften empfohlen. Anstelle eines Staubsaugers sollte man lieber nass wischen. Zu einem gründlichen Händewaschen nach den Reinigungsarbeiten wird dringend geraten. Alle Nahrungsmittel, die man in Räumen aufbewahrt, zu denen Nager sich Zugang verschaffen könnten, sollten in Behältern aufbewahrt werden.

Treten dennoch typische Symptome auf, sollten sich Betroffene an ihren Hausarzt wenden. Dieser kann gegebenenfalls über das Blutbild eine Erkrankung mit dem Hantaerreger erkennen. "Ist beispielsweise die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) erniedrigt oder haben sich die Nierenwerte verändert, kann eine Infektion vorliegen", erklärt Jelinek weiter. Ärzte sind angehalten, eine Hantavirus-Erkrankung dem Gesundheitsamt zu melden. Die Krankheit selbst kann nicht medikamentös therapiert werden. Lediglich die Symptome können gelindert werden.

An einer Impfung gegen Hantaviren wird derzeit geforscht. Das Robert-Koch-Institut stellt ein Merkblatt mit Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen zur Verfügung.

Quelle: n-tv.de , jaz

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