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Studie zur Lebenserwartung Glück ist kein Schlüssel für langes Leben

Für die Studie beobachteten die Forscher 10 Jahre lang knapp 720.000 Britinnen im Alter um 60 Jahre.

Für die Studie beobachteten die Forscher 10 Jahre lang knapp 720.000 Britinnen im Alter um 60 Jahre.

(Foto: imago/Westend61)

Wer glücklich ist, lebt länger? Diese weit verbreitete Annahme stimmt leider nicht. Es gibt keine wissenschaftliche Verbindung zwischen Glück und der Lebensdauer. Das ist das Fazit einer groß angelegten Studie britischer Forscher.

Glückliche Menschen leben einer Studie zufolge nicht länger als unglückliche. Wie zufrieden jemand ist, habe keinen direkten Einfluss auf die Lebenserwartung, berichtet ein Forscherteam nach einer groß angelegten britischen Untersuchung im Fachblatt "The Lancet". Andere Wissenschaftler loben den Umfang der Studie, ein deutscher Experte kritisiert aber die Vorgehensweise.

Für die Studie beobachteten die Forscher zehn Jahre lang knapp 720.000 Britinnen im Alter um 60 Jahre. In einem Fragebogen mussten die Frauen zunächst angeben, wie gesund, glücklich oder gestresst sie waren. Dabei bezeichneten sich fünf von sechs Frauen als generell glücklich.

Im Lauf der Untersuchung starben 30.000 Teilnehmerinnen. Die Todesrate war den Forschern zufolge unter glücklichen und unglücklichen Frauen ähnlich hoch. Bei der Analyse der Daten berücksichtigten die Wissenschaftler aber, dass sich kranke oder arme Menschen tendenziell eher als unglücklich bezeichnen, dies aber auch Gründe für eine niedrigere Lebenserwartung sein können. Daher wurden Frauen, die etwa Krebs, einen Schlaganfall oder eine Herzkrankheit hatten, aus der Analyse ausgenommen.

Widerlegung älterer Studien

"Krankheit macht unglücklich, aber Unglücklichsein selbst macht nicht krank", erklärt Erstautorin Bette Lui von der australischen University of New South Wales in einer Mitteilung der Zeitschrift. Ältere Studien, die zu einem anderen Ergebnis gekommen waren, entkräftet Ko-Autor Richard Peto von der University of Oxford: "Viele denken immer noch, dass Stress oder Unzufriedenheit Krankheiten verursachen, aber sie verwechseln schlicht Ursache und Wirkung."

Die Studie sei die bisher umfangreichste Untersuchung dieser Art, kommentieren die Altersforscher Philipe de Souto Barreto und Yves Roland von der Uniklinik Toulouse die Studie in "The Lancet". Die Resultate seien äußerst wertvoll und belastbar - zum einen wegen der hohen Zahl der Teilnehmer, zum anderen wegen der sorgfältigen Analysen der Autoren.

Einwand aus Deutschland

Die große Zahl der Teilnehmerinnen zeichne die Studie in der Tat aus, sagt auch der Mediziner Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum in München. Allerdings sei die Methode problematisch. Denn bis zu 30 Prozent der Befragten schätzten seinen Erfahrungen zufolge ihren Gesundheitszustand entweder zu positiv oder zu negativ ein - etwa weil sie Fragen falsch verstehen, von einer Erkrankung nicht wissen oder umgekehrt Beschwerden als Zeichen einer Krankheit interpretieren, an der sie aber nicht leiden.

Der Experte für medizinische Psychologie stört sich außerdem an dem bei der Befragung verwendeten Begriff "happiness". Dieser beschreibe lediglich einen zeitweiligen, aber keinen dauerhaften Zustand. In einer deutschen Umfrage würde man wohl eher den neutraleren Begriff der "Lebenszufriedenheit" verwenden, so Ladwig. Dies könne die Selbsteinschätzung der Frauen beeinflussen und damit auch das Resultat der Untersuchung.

Quelle: n-tv.de , sni/dpa

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