Fakten & Mythen

Kein Küchenkrepp ins Altpapier Die häufigsten Müll-Mythen

Die etwas andere Art der Mülltrennung. Dit is' Berlin.

Die etwas andere Art der Mülltrennung. Dit is' Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mülltrennung in Deutschland - das ist eine Wissenschaft für sich. Wer hätte gedacht, dass Küchenkrepp im Altpapier nichts zu suchen hat? Und wofür sortieren wir Altglas nach Farben, wenn doch alles in ein und demselben LKW landet? Und was ist eigentlich mit blauem Glas? Hier die wichtigsten Fakten - und Mythen - im Überblick.

Batterien können inzwischen auch in den normalen Müll, weil der Hausmüll sowieso verbrannt wird.

Falsch. Batterien enthalten Schwermetalle und andere Schadstoffe und dürfen deshalb nicht über den Hausmüll entsorgt werden – auch nicht in kleinen Mengen. Sie müssen bei entsprechenden Sammelstellen oder im Laden abgegeben werden. Jeder, der Batterien verkauft, muss verbrauchte auch wieder zurücknehmen. Was dann damit geschieht, erklärt uns Sebastian Harnisch von der Berliner Stadtreinigung: "Die Stiftung 'Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien' holt die Batterien ab und transportiert sie zu Anlagen, wo sie nach Batterietyp sortiert werden. Danach erfolgt die stoffliche Verwertung: Metalle können zurückgewonnen und wiederverwertet werden, Schadstoffe werden fachgerecht entsorgt." Im Innern einiger Batterien finden sich Blei, Cadmium oder auch Quecksilber. "Diese Gefahrenstoffe können nur bei fachgerechter Aufbereitung separiert werden", sagt Harnisch.

Flaschenverschlüsse dürfen mit in den Glascontainer.

Falsch. "Verschlüsse aus Metall und Kunststoff gehören nicht in die Glas-, sondern in die Wertstofftonne und Korken sollten auf dem Recyclinghof abgegeben werden", sagt Harnisch. Das gilt an sich nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. Und doch gibt es Kommunen, in denen man von diesem Ideal abrücken darf. In Trier etwa ist es erlaubt, Flaschen mit den Verschlüssen in den Glascontainer zu werfen. Sie werden später durch Windsichtung, Metallabscheider und andere Sortierverfahren aussortiert und beeinträchtigen die Glasschmelze nicht, heißt es. Was Trier verhindern will, sind lange Reihen von sorgsam abgelegten Deckeln und Verschlüssen auf den Containern. Dennoch gilt grundsätzlich: Je sortenreiner getrennt wird, umso besser funktioniert die Wieder- und Weiterverarbeitung.

Die unterschiedlichen Altglas-Farben werden letztlich alle in einem LKW zusammengeschüttet.

Falsch. Zwar kommt zu den öffentlichen Altglascontainern tatsächlich nur ein einziger LKW, um die drei Glasfarben abzutransportieren. Aber die Ladefläche des LKW ist in drei Kammern unterteilt: eine für grünes, eine für weißes und eine für braunes Glas. Das ist wichtig, denn stecken im Weißglas-Container andersfarbige Flaschen, führt das bei der Glasschmelze zu Verunreinigungen und Trübungen. Und wohin mit blauen Flaschen? Die gehören zum Grünglas. Das kann unproblematisch mit anderen Glasfarben vermischt werden.

Schon wenige gefärbte Flaschen in diesem Container reichen und der gesamte Inhalt ist unbrauchbar fürs Recycling. Eingeschmolzen wäre er für Weißglas zu unrein, für Buntglas zu blass.

Schon wenige gefärbte Flaschen in diesem Container reichen und der gesamte Inhalt ist unbrauchbar fürs Recycling. Eingeschmolzen wäre er für Weißglas zu unrein, für Buntglas zu blass.

(Foto: imago stock&people)

Aktenordner können komplett ins Altpapier, auch wenn sie im Innern Metallbügel haben.

Falsch. "Nur das Papier gehört in die Papiertonne, die leeren Aktenordner sind über den Hausmüll zu entsorgen", sagt Harnisch. Unterlagen mit sensiblen Daten aber, so sein Hinweis, sollten nicht über die Papiertonne beseitigt, sondern einer speziellen "Aktenvernichtung nach Bundesdatenschutzgesetz" zugeführt werden. Da werden die Papiere geschreddert und durch Druckluft verwirbelt, anschließend zu Ballen gepresst und erst dann zum Recycling an die Papierindustrie gegeben. Bei dieser Form der Aktenvernichtung können die Papiere mitsamt Ordnern abgegeben werden.

Küchenkrepp und Papiertaschentücher sind Altpapier.

Falsch. "Küchenkrepp und Papiertaschentücher haben sehr kleine Fasern, die nicht recycelbar sind. Schon deshalb ist die Papiertonne nicht der richtige Ort dafür", erklärt Harnisch. "Gebrauchtes Küchenpapier sollte stattdessen über die Biotonne entsorgt werden. Benutzte Papiertaschentücher gehören wegen möglicher Krankheitserreger in die Hausmülltonne."

Medikamente sollte man in der Toilette entsorgen.

Falsch. Zwar gibt es zur Entsorgung von Arzneimitteln keine einheitliche Regelung, aber es gibt drei Wege, Medikamente loszuwerden, ohne die Umwelt zu belasten: über den Restmüll (sofern dieser vollständig verbrannt wird), über Apotheken und über Schadstoffsammelstellen. Die Entsorgung über Waschbecken oder Toilette hat unerwünschte Folgen: Im Abwasser finden sich immer mehr Arznei-Wirkstoffe. Viele Medikamente sind gar nicht oder nur sehr langsam biologisch abbaubar. Und konventionelle Kläranlagen sind nicht für diese Stoffe gemacht.

In den Biomüll sollte besser kein Fleisch, denn das lockt Ratten an.

Falsch. "Fleischreste können in die Biotonne geworfen werden, am besten eingewickelt in Zeitungs- oder Küchenpapier. Solange der Tonnendeckel geschlossen bleibt, dürfte es keine Probleme mit Ratten geben", sagt Harnisch von der Berliner Stadtreinigung. Wer allerdings statt der Biotonne einen Komposthaufen im Garten für organische Abfälle nutzt, sollte Fleisch besser über den Restmüll entsorgen. Sonst fühlen sich neben Ratten auch zahllose Fliegen angezogen und der Kompost verströmt einen arg unangenehmen Geruch.

CDs und DVDs kann man schon mal in den Hausmüll stecken.

Richtig – wenn es bei Ausnahmen bleibt. "Am besten entsorgt man CDs über den Recyclinghof, weil dann auch eine Wiederverwertung des enthaltenen Kunststoffs möglich ist", sagt Harnisch. "In Kleinstmengen ist notfalls aber auch die Entsorgung über den Hausmüll in Ordnung." Datenträger mit sensiblen Daten allerdings sollten geschreddert werden.

Quelle: n-tv.de

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