Fakten & Mythen

Schwitzen, stöhnen, Siesta halten Der beste Umgang mit Hitze

Von Jana Zeh

Bei Hitze sucht man nur noch eines: Abkühlung.

Bei Hitze sucht man nur noch eines: Abkühlung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Hochsommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius lässt nicht nur Urlaubsgefühle aufkommen. Viele Menschen kommen mit so hohen Temperaturen nicht zurecht. Tatsächlich kann große Hitze zu einer echten gesundheitlichen Gefahr werden. Welche Maßnahmen wirklich helfen, um hohen Temperaturen zu trotzen, erfahren Sie hier.

Hitze beginnt ab 30 Grad Celsius.

Falsch, denn es gibt keine amtlich festgelegt Definition von Hitze, weder in Deutschland noch weltweit. Der Begriff bezeichnet einfach eine hohe oder eine als ungewöhnlich hoch empfundene Lufttemperatur. Diese Empfindung ist von Mensch zu Mensch und von Region zu Region verschieden. Hohe Temperaturen in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit können bereits bei unter 30 Grad Celsius in vielen Fällen das Gefühl von Hitze auslösen. Die meisten Hitzetoten sind übrigens im feuchten Dschungelklima schon bei 26 Grad Celsius zu beklagen.

Bei Hitze möglichst wenig bewegen.

Richtig. Hitze bringt den Körper auf Hochtouren und kostet Energie. Durch Bewegung, vor allem intensive wie beim Sport, wird dem Körper nicht nur noch mehr Energie abgerungen, sondern er wird auch noch zusätzlich erhitzt. Vor allem untrainierte Körper können in diesen Fällen durch das Schwitzen nicht mehr ausreichend Wärme regulieren. Das führt dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck fällt. Das Herz erhöht zur Weiterversorgung des Körpers mit Blut seine Frequenz. Eine durch Bewegung bei hohen Temperaturen herbeigeführte akute Überhitzung des Körpers kann zu einem Hitzschlag oder einem Hitzekollaps und im schlimmsten Falle sogar zum Hitzetod führen. Wer kann, sollte Bewegung vor allem in der Mittagshitze vermeiden und besser eine Pause im Schatten oder in einem Gebäude einlegen.

Siestas sind in Ländern mit heißen Sommern ganz normal.

Siestas sind in Ländern mit heißen Sommern ganz normal.

(Foto: imago stock&people)

Schwitzen macht müde.

Richtig. Schwitzen ist der Mechanismus, mit dem der menschliche Körper auf hohe Temperaturen reagiert. Schweiß, der sich auf die Haut bildet, ist das Kühlmittel zur Wärmeregulation. Durch die Verdunstung des Schweißes auf der Hautoberfläche wird Wärme abgegeben. Die Verdunstungswärme von einem Liter Schweiß beträgt 2400 Kilojoule. Je heißer es wird, umso mehr schwitzt man auch. Das ist tatsächlich harte und ermüdende Arbeit für den Körper. Bis zu fünf Liter Schweiß kann ein durchschnittlicher Erwachsener durch diese Art der Wärmeregulierung verlieren und mit der Flüssigkeit auch jede Menge Elektrolyte. Umso wichtiger ist es, wenn man viel schwitzt, auch viel zu trinken – und mit den Getränken möglichst auch den Elektrolythaushalt wieder auszugleichen. Wer das nicht tut, der riskiert schwere gesundheitliche Folgen, wie zum Beispiel einen Hitzekollaps.

Hitze ist nicht gleich Hitze.

Richtig, denn wie bereits erwähnt wirkt sich nicht nur die Lufttemperatur auf das menschliche Wärmegefühl aus, sondern auch die Luftfeuchtigkeit. Schwüle Hitze wird als wesentlich unangenehmer und heißer empfunden als trockene Hitze. Ist der Wasseranteil in der Luft hoch, kann der Schweiß nicht so gut verdampfen und der Körper kann dementsprechend nur noch mäßig oder gar nicht gekühlt werden. Das kann dazu führen, dass sich die Körperkerntemperatur von knapp 37 Grad Celsius erhöht, dadurch können sich lebensgefährliche Folgeerscheinungen entwickeln. In diesen Fällen sollte man kleine Schlucke Flüssigkeit zu sich nehmen. Zudem sind kalte Wadenwickel oder Fußbäder mit kühlem Wasser das richtige Mittel der Wahl.

An Hitze kann man sich gewöhnen.

Richtig. Die Gewöhnung an Hitze ist möglich, aber individuell verschieden und hängt außerdem vom Gesundheitszustand ab. Es dauert für Mitteleuropäer ungefähr zehn Tage, bis sie sich auf Hitze eingestellt haben. Das bedeutet, der gesunde Körper fängt früher an zu schwitzen als sonst, scheidet dabei aber weniger Elektrolyte aus. Menschen, die regelmäßig in die Sauna gehen, können sich leichter und oftmals auch schneller auf hohe Umgebungstemperaturen umstellen. Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen dagegen haben mehr Schwierigkeiten, sich umzugewöhnen. Kinder können frühestens ab dem 12. Lebensjahr so schwitzen wie Erwachsene, um ihren Wärmehaushalt zu regulieren. Bei jüngeren Kindern kann die Kerntemperatur des kindlichen Körpers sehr viel schneller ansteigen als bei Erwachsenen. Eltern sollten deshalb unbedingt für ausreichend Abkühlung und Flüssigkeit sorgen und zudem, vor allem für Kleinkinder, nur klimatisch geeignete Urlaubsorte auswählen.

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Eiskalte Getränke kühlen den Körper.

Richtig, aber leider nur kurzfristig, denn der Körper reagiert auch auf kalte Getränke oder Speisen mit Wärmeregulierung. Das bedeutet, er heizt sich durch die kühlenden Getränke selbst wieder auf. Nach einer kurzen Abkühlung folgt ein starkes Schwitzen. Das wiederum bedeutet zusätzlichen Energieaufwand und anschließende Müdigkeit. Wer empfindlich ist, bei dem könnten eiskalte Getränke zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Besser ist es, zimmerwarmes Wasser oder Tee zu trinken. Kaffee und Schwarztee oder andere koffeinhaltige Getränke sollte man bei Hitze nur in Maßen konsumieren, denn diese regen den Kreislauf zusätzlich an, fördern damit das Schwitzen und den Energieverbrauch.

Bestimmte Lebensmittel helfen bei Hitze.

Richtig. Die Verdauung tierischer Fette belastet besonders bei Hitze den Körper zusätzlich, weil er viel Energie dafür aufwenden muss. Aus diesem Grund sollte man nicht nur auf Bratwurst und Schnitzel, sondern auch wegen der Milchanteile auf Eisshakes oder Eistorten verzichten. Pflanzliche Lebensmittel, die viel Flüssigkeit enthalten, sind bei hohen sommerlichen Temperaturen zu bevorzugen. Hervorragend eignen sich zum Beispiel Ananas, Wassermelonen, Tomaten und Gurken. Zusätzliche Erfrischung könnte Pfefferminze bringen, denn die Moleküle des Menthols docken beim Menschen an dessen Kälterezeptoren an. Aus diesem Grund kann man sich auch nach einem lauwarmen Pfefferminztee richtig erfrischt fühlen.

Frisches Obst und Gemüse ist an heißen Tagen die richtige Wahl.

Frisches Obst und Gemüse ist an heißen Tagen die richtige Wahl.

(Foto: imago/Future Image)

Bei Hitze bloß kein Chili essen.

Falsch, denn Chili wärmt nicht nur, es führt indirekt auch zur Kühlung. Das Gewürz regt nämlich den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und die Speichel- und Schweißbildung. Diese Maßnahmen des Körpers sind ein gutes Mittel, um Krankheitserreger fern zu halten. Die Inhaltsstoffe des Gewürzes machen zudem wach und gute Laune. Zwei Dinge, die einem bei Hitze schon mal verloren gehen können. Trotzdem sollte Chili auch bei Hitze nur in normalen, wohlschmeckenden Mengen verzehrt werden und wer es nicht mag, sollte auch nicht wegen hoher Temperaturen damit anfangen.

Hitze macht aggressiv.

Richtig! Hitze macht nicht nur schlapp und müde, sondern auch aggressiv. Das haben Forscher in mehreren Untersuchungen herausgefunden. Gefühle von Gereiztheit und Unwohlsein machen sich breit. Die Fähigkeit, angemessen und kontrolliert auf diese Befindlichkeiten zu reagieren, sinkt dagegen. Psychologen der Iowa State University fanden beispielsweise heraus, dass sich Fälle von häuslicher Gewalt, Körperverletzungen und Beleidigungen ab 32 Grad Celsius häufen.

Weniger anziehen ist der beste Hitzeschutz.

Richtig, aber leider ist das nicht immer möglich. Zudem ist nackte Haut völlig schutzlos der Sonne ausgesetzt. Wer bei Hitze nicht in Trägerhemd, Shorts und Flipflops arbeiten gehen kann oder will, der sollte auf die richtige Kleidung achten. Körperbetonte Outfits aus Kunstfaser sind bei hohen Temperaturen zu meiden, denn unter engen Hosen und Hemden staut sich die Wärme. Legere und leichte Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Seide dagegen haben den größten Kühleffekt, auch wenn sie knöchellang sind. Denn durch jede Bewegung wird die Kleidung so in Schwung gebracht, dass ein kühles Lüftchen unter dem Gewand entsteht.

Klimaanlagen sind zur Abkühlung besser als Ventilatoren.

Weder noch. Beide Anlagen machen zwar das Arbeiten in Gebäuden im Hochsommer möglich, bergen aber auch gesundheitliche Gefahren. Schlecht gewartete Klimaanlagen beispielsweise können richtige Keimschleudern sein und deshalb zur gesundheitlichen Belastung werden. Ventilatoren dagegen erzeugen Zugluft, die die  Schleimhäute austrocknen und zu Muskelverspannungen führen. Das passiert, weil der Körper sich nach einer gewissen Zeit an die Zugluft gewöhnt und deshalb keine Abwehrmaßnahmen einleitet. Die von Zugluft getroffenen Körperstellen kühlen und trocknen aus. Das macht Krankheitserregern den Weg leicht und Muskeln können verspannen.

Hitzefrei gibt es nur in Schulen.

Richtig. Auch wenn die sogenannte Arbeitsstättenrichtlinie besagen, dass die Temperatur in Arbeitsräumen nicht über 26 Grad Celsius liegen sollte, haben Arbeitnehmer nicht das Recht, bei höheren Temperaturen ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Sie sollten dennoch nicht klaglos vor sich hin schwitzen, sondern an der richtigen Stelle die Missstände reklamieren und auf Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse drängen. Für Arbeitnehmer gibt es also kein Hitzefrei. Für Schüler dagegen schon. Unter welchen Umständen und in welcher Form legen die Schulen beziehungsweise die Schulleitungen selbst fest oder sie folgen den Vorgaben in den entsprechenden Erlassen der Länder.

Quelle: n-tv.de

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